11.10.2025
Ärzte ohne Grenzen begrüßt den Waffenstillstand, er bedeutet jedoch nicht das Ende des schrecklichen Leidens.

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Die Ankündigung der ersten Phase des Waffenstillstands im Gazastreifen ist ein Moment der Erleichterung für die Palästinenser:innen sowie für die Familien aller Geiseln – aber sie kommt nach mehr als zwei Jahren und über 67.000 verlorenen Menschenleben.

Ärzte ohne Grenzen begrüßt den Waffenstillstand, er bedeutet jedoch nicht das Ende des schrecklichen Leidens. Die erschöpften und hungernden Menschen in Gaza müssen in den Trümmern ihrer ehemaligen Häuser überleben und stehen vor enormen medizinischen, psychologischen und materiellen Herausforderungen.

Im Gazastreifen besteht dringender Bedarf an den grundlegendsten Gütern: medizinischer Ausrüstung, Medikamenten, Nahrungsmitteln, Wasser, Treibstoff und angemessenen Unterkünften. Die Mehrheit der Menschen sieht ohne Dach über dem Kopf dem nahenden Winter entgegen.

„Die Menschen in Gaza – einschließlich unserer Kolleg:innen – hoffen, dass dieser Albtraum endlich ein Ende hat, sie Frieden finden und sich von ihren physischen und psychischen Traumata erholen können. Aber es herrscht auch große Unsicherheit darüber, was passieren wird und wie es weitergeht“, sagt Jacob Granger, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Gaza.

Der Waffenstillstand muss jetzt mit einer sofortigen, massiven und nachhaltigen Ausweitung der Hilfe im Gazastreifen, einschließlich des Nordens, einhergehen. Ärzte ohne Grenzen fordert die israelischen Behörden auf, einen ausreichenden und ungehinderten Fluss humanitärer Hilfe zu ermöglichen und medizinische Evakuierungen für Patient:innen zu genehmigen, die dringend fachärztliche Versorgung benötigen. Gleichzeitig muss der von den Vereinten Nationen geleitete Mechanismus zur Koordinierung der humanitären Hilfe wiederhergestellt werden, um einen sicheren und unparteiischen Zugang zu Hilfe für Bedürftige zu gewährleisten, unabhängig davon, wo sie sich im Gazastreifen befinden.

Der Waffenstillstand muss eingehalten und aufrechterhalten werden, denn nur so kann die medizinische Versorgung in dem Umfang gewährleistet werden, den die Menschen nach der Bombardierung und Blockade benötigen. Langfristig hofft Ärzte ohne Grenzen, dass auf den Waffenstillstand der Wiederaufbau des Gazastreifens folgt, einschließlich der Wiederherstellung des zerstörten Gesundheitssystems.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer