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Vorschriften beschränken den Zugang zu Hilfe angesichts kritischer Finanzierungslücken streng auf registrierte Geflüchtete.
Ärzte ohne Grenzen fordert internationale Geber:innen auf, die Nothilfe Tschad für 2026 zu finanzieren und die Aufnahmegemeinschaften ausdrücklich in die Nahrungsmittel- und Ernährungshilfe einzubeziehen. Angesichts drastischer Mittelkürzungen betont Ärzte ohne Grenzen, dass die tschadischen Behörden und das UNHCR (die Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen) gewährleisten müssen, dass die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Gesundheitsdiensten den Notfallstandards entspricht, bevor weitere Umsiedlungen nach Metché und Arkoum vorgenommen werden – sowohl für Geflüchtete als auch für die Aufnahmegemeinschaften.
Seit Beginn des Krieges im Sudan sind mehr als 930.000 Sudanes:innen in den Tschad geflohen, über 80 % davon sind Frauen und Kinder; mehr als 700.000 sind über Adré eingereist. Seit April 2023 haben das UNHCR und die tschadischen Behörden 646.216 Menschen aus den Transitlagern an der Grenze ins Landesinnere umgesiedelt, davon 45.321 seit Jänner 2026, im Rahmen des beschleunigten Programms [1].
"Nachdem sie monatelang unerbittlicher Gewalt ausgesetzt waren, kommen die Geflüchteten körperlich am Ende, mangelernährt und zutiefst traumatisiert in Adré an. Dort sehen sie sich jedoch mit einer brutalen neuen Realität konfrontiert: Sie finden sich in Gebieten wieder, in denen die tschadische Bevölkerung bereits in Armut lebt und humanitäre Helfer:innen nach wie vor rar sind", sagt Léa Ledru, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Adré. "Eine Umsiedlung löst dieses Problem nicht: Sie verlagert die Geflüchteten lediglich von einer unterversorgten Aufnahmegemeinde zur nächsten."
Zwischen Jänner und Juni 2026 untersuchte Ärzte ohne Grenzen in Adré 5.785 stillende und schwangere Frauen; 1.225 davon, also 21,2 %, waren mäßig oder schwer mangelernährt, was deutlich über der Notfallschwelle von 15 % liegt, ab der von einer kritischen humanitären Krise ausgegangen wird. Darunter waren 937 Frauen (16,2 %) mit moderater akuter Mangelernährung und 288 (5 %) mit schwerer akuter Mangelernährung, was das Risiko für Fehlgeburten, Blutungen und Frühgeburten drastisch erhöht. Keine Organisation bietet eine strukturierte Behandlung für mangelernährte Frauen an. Die Hilfsmaßnahmen beschränken sich auf sporadische Verteilungen von angereicherten Mehlmischungen, sofern Vorräte verfügbar sind. Zwischen Jänner und April 2026 stiegen die Einweisungen von mangelernährten Kindern in das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Gesundheitszentrum in Adré im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 %.
Finanzielle Engpässe führten im Mai und Juni zu Lieferschwierigkeiten bei den Hilfsgütern des Welternährungsprogramms (WFP) zur Behandlung von mittelschwerer akuter Mangelernährung (MAM). Damit wurde die Versorgung von moderat mangelernährten Kindern sowie schwangeren und stillenden Frauen beeinträchtigt. Die Ende Juni gelieferten Vorräte werden voraussichtlich im September aufgebraucht sein, wobei noch keine Klarheit über weitere Spenden besteht.
Auch die Versorgung mit Hilfsgütern zur Behandlung akuter Mangelernährung ist weiterhin stark angespannt. Nur zwei Drittel des jährlichen Bedarfs an therapeutischen Nahrungsmitteln werden gedeckt. Dies zwingt humanitäre Organisationen dazu, die Versorgung auf 10 statt 14 Päckchen pro Kind und Woche zu rationieren. So reichen die Vorräte bis Anfang 2027. Bei einer Behandlung mit den klinisch empfohlenen Mengen an therapeutischen Nahrungsmitteln wären die Bestände bereits im November 2026 aufgebraucht. Die Aufnahmegemeinden in Adré sind weiterhin von den allgemeinen Lebensmittelverteilungen ausgeschlossen, obwohl die Preise auf den lokalen Märkten in die Höhe schnellen und Grundnahrungsmittel unerschwinglich werden. So sind beispielsweise die Kosten für 20 Liter Speiseöl von 12.000 CFA-Francs (21 US-Dollar) auf 20.000 CFA-Francs (35 US-Dollar) angestiegen.
Die Finanzierungslücke ist kein abstraktes Problem: Chronische Unterfinanzierung hat das WFP dazu gezwungen, Prioritäten zu setzen. Seit Jänner 2026 wird die Nahrungsmittelhilfe in Adré und Metché durch zweimonatliche Bargeldtransfers finanziert, die so bemessen sind, dass sie nur für 30 von 60 Tagen reichen. Selbst dieser reduzierte Betrag geht diesen Monat zur Neige, sodass auch für die Geflüchteten die Gefahr besteht, dass die Rationen ausbleiben.
Es wird erwartet, dass bis Ende September mehr als 10.000 Geflüchtete aus Adré in Metché eintreffen werden. Sie kommen zu den 43.300 bereits dort lebenden Geflüchteten und Bewohner:innen der tschadischen Aufnahmegemeinden hinzu. Derzeit sind Ärzte ohne Grenzen und Action Contre la Faim (ACF) die einzigen Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen im Camp. Zudem nehmen die Teams unter schwindender Unterstützung mangelernährte Kinder aus Arkoum und Allacha auf, was zu einem Anstieg der pädiatrischen Einweisungen um 75 % in dem von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Spital geführt hat – von 382 in der ersten Hälfte 2025 auf 670 im gleichen Zeitraum des Jahres 2026. Pro Person und Tag stehen nur 8 Liter Wasser zur Verfügung, was deutlich unter dem Notfallmindestbedarf von 20 Litern liegt. Familien sind dadurch gezwungen, Wasser aus unsauberen Quellen zu trinken. Infolgedessen betrug die Zahl der Durchfallerkrankungen in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 1.044 (2025 waren es im gleichen Zeitraum 634).
In Camps, in denen es an sauberem Wasser und an Latrinen mangelt, breiten sich durch Wasser übertragene Krankheiten rasch aus – sowohl unter den Geflüchteten als auch in den tschadischen Gemeinden; alle sind bereits durch Hunger geschwächt. Angesichts der beginnenden Regenzeit erinnern diese Defizite an die Umstände, die zum Cholera-Ausbruch im letzten Jahr führten. Zwischen Juli und Dezember 2025 gab es 2.979 Erkrankungsfälle, 167 Menschen starben.
[1] Kurzbericht 54, Neue sudanesischer Geflüchtete im Tschad, 30. Juli