15.05.2026
Innerhalb von 24 Stunden haben russische Streitkräfte mehr als 600 Drohnen und über 50 Raketen auf die Ukraine abgefeuert. Ärzte ohne Grenzen verurteilt die Angriffe auf zivile Infrastruktur, die die verletzlichsten Menschen treffen.

„Die jüngsten Angriffe der russischen Streitkräfte auf zivile und Energieinfrastruktur in Kyjiw sind ein weiterer ernüchternder Beleg dafür, dass dies ein Krieg ist, der gegen die Menschen geführt wird. Eine zuverlässige Stromversorgung ist für Krankenhäuser und soziale Pflegeeinrichtungen von entscheidender Bedeutung, da dort einige der verletzlichsten Menschen des Landes medizinisch behandelt und unterstützt werden. Wir verurteilen die wiederholten Angriffe auf zivile und die Energieinfrastruktur in der Ukraine, wodurch die Menschen weiterhin von Strom, sauberem Wasser und dem Zugang zu lebenswichtigen Dienstleistungen abgeschnitten werden“, sagt Christopher Stokes, Senior Humanitarian Advisor von Ärzte ohne Grenzen in der Ukraine.

Besonders schwer betroffen waren Kyjiw, westliche Regionen sowie Gebiete nahe der Front, darunter die Regionen Tschernihiw, Dnipropetrowsk, Charkiw, Sumy, Saporischschja und Cherson.

In Kyjiw wurde ein mehrstöckiges Wohnhaus schwer beschädigt. Der Angriff führte zu einem teilweisen Einsturz des neunstöckigen Gebäudes. Berichten zufolge wurden bislang acht Menschen getötet und mehr als 40 verletzt.

Mehr als 90 Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, die in Kyjiw leben und arbeiten, wo die Organisation zwei Koordinationsbüros betreibt, sind in Sicherheit. Sie verbrachten jedoch viele Stunden in unterirdischen Schutzräumen, da Luftalarm und Angriffe mehr als zehn Stunden andauerten.

Die Schäden an kritischer Infrastruktur führten zu Unterbrechungen der Wasser- und Stromversorgung in Kyjiw sowie in den Regionen Dnipropetrowsk, Donezk, Saporischschja, Sumy, Charkiw und mindestens elf weiteren Regionen. Hunderttausende Haushalte sind weiterhin ohne Strom. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen reagieren weiterhin auf die Engpässe in der Energieversorgung medizinischer Einrichtungen, indem sie Krankenhäuser und soziale Einrichtungen mit Ladestationen und Wechselrichtersystemen unterstützen, die während längerer Stromausfälle den Betrieb lebenserhaltender Dienste sichern sollen. Zwischen Jänner und April 2026 unterstützte Ärzte ohne Grenzen mehr als ein Dutzend medizinische und soziale Einrichtungen in den Regionen Kyjiw und Winnyzja sowie in den Regionen Dnipropetrowsk und Cherson mit autonomen Energiesystemen.

Entlang der Frontlinie unterstützen medizinische Teams der Hilfsorganisation bei der Notfallversorgung von Menschen, die bei Angriffen verletzt wurden. Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Gesundheitsministerium beim Ausbau von Rehabilitationsangeboten für Kriegsverletzte. Die multidisziplinären Teams bieten Physiotherapie, psychologische Unterstützung und pflegerische Versorgung an. 

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer