El Salvador

El Salvador ist kein sicherer Ort für Flüchtlinge

El Salvador verfügt derzeit nicht über die Ressourcen, Gewaltopfer zu schützen, als Aufnahmeland zu dienen und Asylbewerberinnen und Asylbewerbern oder aus den USA abgeschobenen Personen grundlegenden Schutz zu bieten, sagt Ärzte ohne Grenzen.

Tägliche Gewalt in El Salvador

"El Salvador kann selbst die Sicherheit seiner eigenen Bürgerinnen und Bürger nicht garantieren", sagte Stéphane Foulon, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in El Salvador, wo die Organisation seit 2017 medizinische Programme betreibt. "Unsere medizinischen Teams hier sind Zeugen der täglichen Gewalt, der die Menschen in den Gegenden, in denen wir arbeiten, ausgesetzt sind. Gewalt in El Salvador zwingt die Menschen zur Flucht nach Norden. Das sind Menschen, die aus El Salvador über Mexiko in die USA fliehen, da sie um ihr Leben fürchten. Selbst die Regierung der USA stuft El Salvador als ein gefährliches Land ein und rät  den eigenen Bürgerinnen und Bürgern von einer Reise dorthin ab."

Foulon weist darauf hin, dass die Teams von Ärzte ohne Grenzen in El Salvador bereits jetzt einen Mangel an Kapazitäten haben, um die wachsende Zahl von Menschen zu unterstützen, die im letzten Jahr aus den USA abgeschoben wurden.

Das Abkommen ist Teil umfassenderer Bemühungen der USA, ihre Asyl- und Schutzverantwortung auf die Regierungen Zentralamerikas zu übertragen. Das Abkommen zwischen den USA und El Salvador sowie frühere Abkommen mit Guatemala und Honduras setzen voraus, dass diese Länder Asylbewerberinnen und Asylbewerbern sichere Zuflucht und Schutz bieten können.

"Diese Vereinbarungen bergen nur noch mehr Leid für Menschen in El Salvador, die vor Gewalt in ihren Heimatländern geflohen sind und die weiter auf dem Migrationsweg in Mexiko leiden", sagt Foulon.
Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten, die Ärzte ohne Grenzen entlang der Unterkünfte auf dem Weg in die USA versorgt, sind Menschen aus El Salvador sowie aus Honduras und Guatemala.

Abkommen kann Fliehende nicht aufhalten

"Es ist absurd zu denken, dass ein Land, aus dem Tausende von Menschen vor extremer Gewalt fliehen, ein akzeptabler Zufluchtsort wäre", sagte Sergio Martín, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Mexiko. "Wenn Menschen zur Flucht gezwungen werden, wird keines dieser Abkommen sie aufhalten. Es gibt keinen Deal oder keine Mauer, die sie aufhalten könnte. Diese Abkommen helfen den Menschenhändlern, weil sie Migrantinnen, Migranten und Asylbewerbende zwingen, immer gefährlichere Wege zu gehen. Das macht sie anfälliger für Gewalt und Erpressung." 

Teams von Ärzte ohne Grenzen in El Salvador haben in diesem Jahr bisher 1.434 Menschen psychologisch betreut. Von diesen Menschen sind 57 Prozent Opfer von Gewalt geworden oder haben durch Gewalt nahestehende Personen verloren. Zwischen Januar 2016 und August 2019 behandelte Ärzte ohne Grenzen 1.983 Überlebende sexueller Gewalt und 2.482 Opfer anderer Formen von Gewalt in Tegucigalpa in Honduras.
 
Teams von Ärzte ohne Grenzen in Mexiko leisten weiterhin medizinische Hilfe für Migrantinnen und Migranten aus dem Süden. 88 Prozent der Patientinnen und Patienten, die in psychologischer Behandlung sind, haben Gewalt am eigenen Leib erfahren. Sie brauchen medizinische Hilfe und Zugang zu Schutzmechanismen in Ländern, die tatsächlich in der Lage sind, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Guatemala, Honduras oder El Salvador sind keine sicheren Länder für Menschen auf der Flucht vor Gewalt.
 
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2017 in El Salvador. Die Organisation betreibt mobile Kliniken in verschiedenen Stadtteilen in San Salvador und Soyapango. Diese Kliniken unterstützen Menschen, die sich aufgrund von Bandengewalt nicht frei außerhalb ihrer Stadtviertel bewegen können und Schwierigkeiten beim Zugang zur medizinischen Versorgung haben. Ärzte ohne Grenzen unterstützt zudem das Ambulanzsystem in Soyapango und hat kürzlich mit der Betreuung von Binnenvertriebenen und Abgeschobenen begonnen. In Mexiko bietet Ärzte ohne Grenzen medizinische und psychologische Versorgung in Unterkünften in Tapachula, Tenosique, Coatzacoalcos, Mexico City, Nuevo Laredo, Mexicali, Reynosa und Matamoros. In Honduras arbeitet Ärzte ohne Grenzen seit 1974. Unsere Teams bieten medizinische, psychologische und psychosoziale Betreuung von Menschen, die von Gewalt und sexueller Gewalt in Choloma und Tegucigalpa betroffen sind.

 

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