Syrien

Syrien: Ärzte ohne Grenzen behandelt Patienten mit Symptomen chemischer Giftstoffe

Barcelona/Wien, am 25. August 2015 – Teams von Ärzte ohne Grenzen haben am Freitagabend in einer Klinik im Gouvernement Aleppo vier Personen mit Symptomen eines chemischen Giftstoffes behandelt.
 
Die Patienten gehörten zu einer Familie, neben den Eltern wurden ihre zwei Töchter eingeliefert. Die ältere Tochter ist drei Jahre alt, die jüngere war erst vor fünf Tagen geboren worden. Sie erreichten das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen eine Stunde, nachdem sie dem Giftstoff ausgesetzt waren. Sie wiesen gerötete Augen, Hautrötungen, Bindehautentzündungen und Atemprobleme als Symptome auf, gefolgt von einem Auftreten von Blasen und einer Verschlimmerung der Atemprobleme nach etwa drei Stunden. Das Team behandelte die Symptome und führte den Patienten Sauerstoff zu, bis sie in eine andere Klinik für eine spezialisierte Behandlung evakuiert wurden.

Wohnhaus bombardiert, Gas ausgetreten

Die Familie kam aus der Stadt Marea nördlich von Aleppo, die die ganze Woche über von schweren Angriffen und Beschuss betroffen war. Die Patienten berichteten, dass gegen 19:30 Uhr eine Mörsergranate ihr Haus traf. Nach der Explosion füllte ein gelbliches Gas ihren Wohnraum. Die beiden Eltern versuchten mithilfe einiger Nachbarn ihre Kinder zu schützen, indem sie ihre eigenen Körper über sie legten. Sie wurden ins Krankenhaus von Marea gebracht, wo sie Erste Hilfe erhielten. Da sich ihr Zustand verschlechterte, wurden sie in das Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen verlegt.
 
Ärzte ohne Grenzen hat zwar keinen Labor-Nachweis für den Auslöser dieser Symptome. Die klinischen Merkmale, die Entwicklung der Symptome und die von den Patienten geschilderten Umstände deuten jedoch darauf hin, dass sie einem chemischen Gift ausgesetzt waren“, sagt Pablo Marco, der Programmverantwortliche von Ärzte ohne Grenzen in Syrien.

Humanitäre Situation verschlechtert sich weiter

Die humanitäre Situation im Gouvernement Aleppo hat sich in der vergangenen Zeit immer weiter verschlechtert. Bei anderen Angriffen wurden während der vergangenen Monate mindestens elf medizinische Einrichtungen mit Fassbomben angegriffen. Die wenigen medizinischen Einrichtungen, die noch funktionieren, sind nicht im Stande, den massiven Bedarf an medizinischer Hilfe abzudecken.
 
„Jeder Einsatz von chemischen Waffen stellt einen äußerst schweren Bruch des internationalen humanitären Völkerrechts dar. Die Bevölkerung leidet ohnehin schon unter der schlimmsten humanitären Krise der vergangenen Jahre. Wir appellieren an alle Konfliktparteien, zumindest den grundlegendsten Respekt vor dem menschlichen Leben zu zeigen und wahllose Gewalt gegen Zivilisten zu stoppen“, erklärt Pablo Marco.
 
Ärzte ohne Grenzen betreibt in Syrien sechs medizinische Einrichtungen und unterstützt mehr als 100 Krankenhäuser, Gesundheitsposten und provisorische Kliniken. Ärzte ohne Grenzen leistet auch Hilfe für syrischen Flüchtlingen in den Nachbarländern.

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