Usbekistan

Wegweisende neue Studie zu resistenter Tuberkulose von Ärzte ohne Grenzen

Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) beginnt mit klinischen Tests eines neuen Medikaments, um eine deutlich verbesserte Therapie für arzneimittelresistente Tuberkulose (TB) zu finden. Am 17. Jänner 2017 nahm ein erster Patient in Usbekistan die erste Pille ein. Dies war der Startschuss für eine bahnbrechende neue klinische Studie.

Die Phase-II / III-Studie, genannt TB PRACTECAL, zielt darauf ab, ein Behandlungsregime für resistente Tuberkulose zu finden, das mit sechs Monaten deutlich kürzer und effektiver ist und weniger gravierende Nebenwirkungen hat als aktuelle Behandlungen.

Die Studie wird von der internationalen medizinisch-humanitären Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen durchgeführt und finanziert. Unterstützt wird sie von der London School of Hygiene & Tropical Medicine sowie anderen führenden medizinischen Forschungseinrichtungen.

Die vollständige klinische Studie der Phase III kombiniert zwei neue Anti-TB-Medikamente (Bedaquilin und Pretomanid). Diese Kombination vergrößert das Potenzial der Studie, eine deutlich verbesserte Behandlung für Menschen mit multiresistenter Tuberkulose und mit der noch hartnäckigeren extensiv-resistente Tuberkulose zu entwickeln. Die beiden neuen Medikamente werden in Kombination mit bestehenden Arzneimitteln zur Bekämpfung multiresistenter Tuberkulose (Linezolid, Clofazimin und Moxifloxacin) verabreicht.

Mehr Menschen sterben jährlich an Tuberkolose als an Aids

Obwohl inzwischen jedes Jahr mehr Menschen an Tuberkulose sterben, als an Aids, ist die TB-Forschung beklagenswert unterfinanziert. Bedaquilin ist einer der zwei einzigen neuen Wirkstoffe gegen Tuberkulose, die seit fast 50 Jahren entwickelt wurden. Gleichzeitig nimmt die Zahl der TB-Stämme, die gegen aktuelle Medikamente resistent sind, alarmierend schnell zu.

Patienten und Patientinnen mit multiresistenter Tuberkulose müssen derzeit über einen Zeitraum von fast zwei Jahren mehr als 10.000 Tabletten schlucken und über mindestens acht Monate täglich schmerzhafte Injektionen über sich ergehen lassen. Die Nebenwirkungen der Medikamente können extreme Ausmaße annehmen und beinhalten Übelkeit, Gelenkschmerzen, Psychosen und permanenten Gehörverlust.

Fortschritte waren zu gering

Ärzte ohne Grenzen hat Politiker, globale Gesundheitsorganisationen und pharmazeutische Unternehmen aufgefordert, sich dieser TB-Krise anzunehmen, hat sich aber angesichts mangelnder Fortschritte nun entschlossen, selbst Maßnahmen zu ergreifen. Ärzte ohne Grenzen nimmt seit 30 Jahren eine Schlüsselfunktion bei der Behandlung von Tuberkulose und multiresistenter Tuberkulose ein und arbeitet derzeit an zwei klinischen Studien. Die zweite Studie dieser Art soll noch dieses Jahr in Georgien beginnen.

Der ersten Teilnehmer der TB-PRACTECAL-Studie ist ein Patient aus einem von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Krankenhaus in Karakalpakstan im Nordwesten Usbekistans. 630 weitere Patienten und Patientinnen in Usbekistan, Weißrussland und Südafrika sollen an der Studie teilnehmen.

Die Studie verläuft in zwei Schritten. Der erste Schritt ist eine Phase-II-Studie und wird im Jahr 2018 abgeschlossen. Getestet werden drei verschiedene Regime mit den neuen Medikamenten Bedaquilin und Pretomanid. In der darauffolgenden Phase-III-Studie werden die beiden erfolgreichsten Regime weiterhin getestet. Dieser Schritt soll im Jahr 2020 beendet werden.

Dr. Bern-Thomas Nyang'wa, Tuberkulose-Spezialist von Ärzte ohne Grenzen und Leiter der Studie sagt:

Ärzte ohne Grenzen ist einer der größten nicht-staatlichen Anbieter von TB-Behandlung in der Welt. Wir weigern uns, Jahre oder sogar Jahrzehnte auf eine neue Behandlung zu warten, während Tausende unserer Patienten und Patientinnen weiterhin unter langwierigen, teilweise ineffektiven und hoch toxische Behandlungen leiden. Trotz aggressiver Medikamentierung wird nur die Hälfte der Menschen mit resistenter Tuberkulose geheilt. Die aktuellen Behandlungsregime gegen Tuberkulose sind einfach unzureichend. Dies ist ein bedeutender Meilenstein in einem wichtigen Forschungsprojekt, das hunderttausende Leben retten könnte. Die Ergebnisse können nicht zu früh kommen.“

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