Anna Schneider25.06.2015

Schönes, fremdes Land

1 Kommentar

Die Tirolerin Anna Schneider ist Krankenschwester und Lehrerin für Gesundheitsberufe. Ihr erster Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen führte sie für fünf Wochen in die Zentralafrikanische Republik, wo sie bei der Durchführung einer Masern-Impfkampagne mitarbeitete. In einer „Email aus dem Einsatz“ schildert sie im Rückblick ihre Eindrücke aus dem Land, da weiterhin von einem gewaltsamen Konflikt erschüttert sind.

Freitag, 1. Mai 2015

Schöne, fremde Welt: Nach einer aufregenden, langen Anreise bin ich Ende April in der Zentralafrikanischen Republik angekommen. Unter der heißen Sonne Afrikas war ich beeindruckt von der Buntheit des Landes, roter Erde und der Freundlichkeit der Menschen. Es gibt leichte Unruhen im Land, aber die Sicherheitsmaßnahmen für die Teams und Projekte von Ärzte ohne Grenzen vor Ort sind sehr gut.

Ich konnte die letzten Planungen für die Masern-Impfkampagne mitverfolgen, die wir hier durchführen. Lorena, eine argentinische Krankenschwester und Jerome, ein französischer Logistiker, arbeiten hier seit einiger Zeit an den Vorbereitungen. Es werden 35.000 Kinder in ca. 12 Tagen geimpft, zusammen mit einem einheimischen Team.

Ich freu mich, das Land und die Menschen kennenzulernen, ihre Art zu arbeiten und ihre Kultur.

Es werden im wahrsten Sinn des Wortes heiße, lange Tage.

Dienstag, 12. Mai 2015

Seit drei Wochen bin ich nun in Berbérati in der Zentralafrikanischen Republik, einem wunderschönen Land, bunt und voller Lachen. Aber auch die Gewalt des Bürgerkrieges ist allgegenwärtig: Ärzte ohne Grenzen ist seit 1997 im Land tätig, doch 2014 hat sich die Lage nach der Eskalation der Gewalt dramatisch verschlimmert. Deshalb wurde die medizinische Hilfe im Rahmen des Noteinsatzes verdoppelt – von Gesundheitsversorgung und Chirurgie bis zu Geburtshilfe und Kinderheilkunde.

Masern sind für die Kinder in diesem Land eine gefährliche Erkrankung, vor allem in Kombination mit Mangelernährung kann die Infektion tödlich enden. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als eine Million Kinder an Masern. Man befürchtet hier demnächst eine Epidemie, und so haben wir in der letzten Woche ca. 20.000 Kinder geimpft.

Täglich war ich mit unseren lokalen Teams 10 Stunden am Tag unterwegs am Land, die einzigartigen Augen der Kinder hier vergisst man nie. Ihr Lachen ist ansteckend! Nackt, vielleicht ein zerrissenes T-Shirt oder auch ein Rüschenkleid á la Barbie, so kommen sie neugierig zu uns. Eine Weiße ist natürlich besonders interessant und fotografiert zu werden beeindruckend für die kleinen Menschen...

Ein Land fröhlicher, stolzer Menschen – trotz Armut und Gewalt.

Dienstag, 26. Mai 2015

Die vierte Woche bin ich nun mit unserem einheimischen Team in den unendlichen Weiten Zentralafrikas unterwegs. Die Regenzeit hat begonnen, starke Regenfälle schwemmen die Straßen weg, doch unsere Autos schaffen den kleinsten Steig. Vorbei an den vielen Mangobäumen fahren wir zu den Menschen in den Busch, um auch ihnen die Möglichkeit der Masernimpfung zu geben. Sie kommen weite Strecken zu Fuß, brauchen als erstes Wasser und schütteln uns dankbar die Hand. Viele Kinder haben Fieber, ich mache bei den meisten einen Malaria-Schnelltest, der diese Krankheit schnell bestätigt. Ärzte ohne Grenzen stellt ihnen dann Medikamente zu Verfügung, mit denen sie nach einigen Tagen wieder gesund sind. Und immer wieder spüre ich diese Gefühl: Selbst wenn ich heute nur fünf Kindern helfen konnte, hat unsere Arbeit Sinn gemacht…

Die vier Wochen meines Einsatzes sind vorbei, vier Wochen voller Arbeit, Hitze, wenig Schlaf, dem Lachen vieler Kinder und dem dankbaren Händeschütteln der Mütter und Väter. Heute nehme ich Abschied von einem wunderbaren Land und seinen gastfreundlichen, unter dem harten Konflikt leidenden und doch so unglaublich fröhlichen Menschen. 25.000 Kinder wurden geimpft, gegen Malaria behandelt oder wegen Unterernährung in unserem Kinderkrankenhaus aufgenommen.

Kinder, die hoffentlich einmal in Frieden leben!

Kommentare

Irene
Liebe Annelies, ich bewundere Dich!! Auch ich liebe dieses Land und Leute und kann dich gut verstehen! Bis bald Irene

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