Aids-Gipfel einigt sich auf Behandlungsziel von 15 Millionen Menschen bis 2015

Wien, 10. Juni 2011. Auf dem Aids-Gipfel der Vereinten Nationen haben die Regierungsvertreter ihre Zusage gegeben, bis zum Jahr 2015 insgesamt 15 Millionen Menschen mit anti-retroviralen Medikamenten zu versorgen. Nun sind konkrete und schnelle Maßnahmen notwendig, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, fordert die medizinische Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF).

„Mit der Zusage, die HIV-Behandlung binnen vier Jahren auf 15 Millionen Patienten auszudehnen, tragen die Regierungen den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung, wonach die Behandlung der Krankheit neue Ansteckungen verhindert“, erklärt Sharonann Lynch, HIV/Aids-Expertin von Ärzte ohne Grenzen. „Die Uhr tickt, denn für eine wirksame Eindämmung der Krankheit ist jeder Tag entscheidend.“

Behandlung als wirksame Form der Prävention

Inzwischen ist klar, dass die Behandlung von Aids-Patienten eine wirksame Form der Prävention darstellt, weil die Ansteckungsgefahr durch Medikamente um 96 Prozent sinkt. Mit einer ambitionierten Ausweitung der Behandlung könnten so laut UNAIDS bis zum Jahr 2020 zwölf Millionen Neuinfektionen und sieben Millionen Todesfälle verhindert werden. Dazu wären aber bis 2015 zusätzliche Mittel in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar jährlich nötig. Trotzdem sind die Ausgaben zur Bekämpfung der Krankheit sowohl im Jahr 2009 als auch 2010 rückläufig, was effektive und erfolgreiche multilaterale Organisationen in finanzielle Bedrängnis bringt, wie zum Beispiel den Globalen Fond zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.

Der Einigung müssen konkrete Taten folgen

„Wir werden die Regierungen nicht an ihren Versprechungen messen, sondern daran, ob sie tatsächlich die notwendigen Mittel bereitstellen, dieser Krankheit wirksam und entschlossen zu begegnen“, sagt Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich.  „Die Einigung 15 Millionen Menschen behandeln zu wollen ist ein Erfolg, aber belanglos wenn ihm nicht konkrete Taten folgen, denn nach wie vor fehlt neun Millionen Menschen der Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten.“

Freihandelsabkommen gefährden Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten

Dazu müssen die Länder auch sicherstellen, dass die Medikamente bezahlbar bleiben, die für die Bekämpfung der Krankheit unerlässlich sind. Das setzt eine Politik voraus, die aktiv zur Preisreduzierung der Aids-Therapie beiträgt, indem beispielsweise Patentrechte gelockert werden statt diese noch zu verstärken. Insbesondere Freihandelsabkommen, wie jenes, das zwischen der EU und Indien aktuell verhandelt wird, stellen ein Hindernis für preisreduzierten Wettbewerb dar und gefährden so den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten.

„Sechs Millionen Menschen mit anti-retroviralen Medikamenten zu versorgen, ist heute überhaupt erst durch den massiven Preisverfall der entsprechenden Medikamente um 99 Prozent dank des Wettbewerbs generischer Produzenten möglich“, sagt Michelle Childs von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Wenn die Regierungen heute die Ausweitung der Behandlung ernst meinen, muss endlich Schluss sein mit der widersprüchlichen Politik, die einerseits ehrgeizige Behandlungsziele setzt, aber anderseits immer neue Barrieren für eine günstige Generika-Produktion aufbaut.“

Ärzte ohne Grenzen versorgt 170.000 Menschen in 19 Ländern mit anti-retroviralen Medikamenten und bezieht mehr als 80 Prozent dieser Medikamente über Generika-Produzenten aus Indien.

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