Österreich

Bundespräsident empfing Ärzte ohne Grenzen

Beim heutigen Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen berichtete Geschäftsführerin Laura Leyser über die aktuellen Herausforderungen von Ärzte ohne Grenzen. Thematisiert wurden neben der Rolle Österreichs in der EU-Flüchtlingspolitik und der Situation in libyschen Internierungslagern auch wenig beachtete humanitäre Krisen, in denen Teams von Ärzte ohne Grenzen derzeit Nothilfe leisten.

„Es ist ermutigend, dass der Bundespräsident das Gespräch mit Hilfsorganisationen sucht und ein offenes Ohr für humanitäre Themen hat“, sagt Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Für uns ist es wichtig, dass wir das Staatsoberhaupt über Herausforderungen informieren können, mit denen unsere Patienten und Patientinnen sowie unsere Teams in Krisengebieten konfrontiert sind. In Zeiten, in denen die Arbeit unabhängiger Hilfsorganisationen in Österreich zunehmend unter Druck gerät, ist dies ein wichtiges Signal.“

Bei dem rund einstündigen Gespräch, das in der Präsidentschaftskanzlei in der Hofburg stattfand, wurde unter anderem auf die Rolle Österreichs in der europäischen Migrations- und Flüchtlingspolitik sowie auf die Kriminalisierung der humanitären Hilfe am Mittelmeer eingegangen. Leyser wies in diesem Zusammenhang auf die äußerst alarmierende Situation in Libyen hin, wo Teams von Ärzte ohne Grenzen derzeit in Internierungslagern tätig sind. Dort werden sie Zeugen der unmenschlichen Bedingungen, unter denen Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen eingesperrt werden. „Auch Österreich trägt hier eine Verantwortung, zumal die Regierung die Rückführung von Bootsflüchtlingen in diese Lager durch die libysche Küstenwache mit Worten und Taten unterstützt. Wir hoffen, dass Österreich klar Position bezieht: für Menschlichkeit und die Achtung von Grundrechten, gegen Gewalt und Unrecht“, betont Leyser.

Darüber hinaus wurden aktuelle Herausforderungen in „vergessenen“ Krisengebieten besprochen, die wenig beachtet werden, jedoch enorme Ausmaße erreichen und die volle Aufmerksamkeit von Ärzte ohne Grenzen benötigen. Etwa der Konflikt im Jemen, die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo oder die Krise in der Tschadsee-Region, wo mehr als 2,5 Millionen Menschen vertrieben sind.

„Bei allen großen Herausforderungen, die uns aktuell in Europa und den Krisengebieten dieser Welt begegnen, stimmt es uns optimistisch, dass unsere Arbeit von rund 200.000 Österreichern und Österreicherinnen unterstützt wird“, sagt Leyser. „Die Wertschätzung des Bundespräsidenten ist auch für sie eine wichtige Anerkennung.“

Teilen

Vervielfältigen