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Gaza: Israel muss Beschuss eingeschlossener Zivilisten stoppen

Gaza Stadt/Wien, am 21. Juli 2014 – Die medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) berichtet, dass der Großteil der Toten und Verletzten des israelischen Militäreinsatzes „Fels in der Brandung“ Zivilisten sind, und warnt, dass auch medizinische Helfer immer mehr unter Beschuss kommen. Die Organisation fordert Israel auf, den Beschuss von Zivilisten zu stoppen, die im abgeriegelten Gaza-Streifen gefangen sind, und medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen zu respektieren.

„Der Artilleriebeschuss und die Luftangriffe sind nicht nur sehr intensiv, sondern auch unvorhersehbar. Das macht es für die Teams von Ärzte ohne Grenzen und andere Helfer sehr schwierig, sich zu bewegen und medizinische Hilfe zu leisten, die dringend benötigt wird“, sagt Nicolas Palarus, der Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen im Gaza-Streifen.

Die meisten Verwundeten sind Frauen und Kinder

Die meisten Verwundeten, die am Sonntagmorgen in die von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Notaufnahme des Al Shifa-Spitals in Gaza-Stadt eingeliefert wurden, waren Frauen und Kinder. In der Nacht davor war das dichtbesiedelte Shijaiyah-Viertel mit Artillerie beschossen worden. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen beobachteten, wie hunderte Menschen aus dem umkämpften Gebiet flüchteten; sie konnten erst in der Morgendämmerung fliehen, zu Fuß oder in überfüllten Autos. Zugleich erreichten die ersten Verletzten das Krankenhaus, entweder in Rettungswagen oder selbständig. Unter den Hunderten von verletzten Zivilisten aus dem Shijaiyah-Viertel waren auch zwei Brüder, acht und vier Jahre alt. Sie liegen mit schweren Verbrennungen nebeneinander in der Intensivabteilung des Krankenhauses, nachdem eine Rakete ihr Haus getroffen hatte.

„Im Wiederbelebungsraum starb die Hälfte der schwerverletzten Patienten innerhalb weniger Minuten nach ihrem Eintreffen. Die andere Hälfte brauchte Notoperationen“, berichtet Audry Landmann, die medizinische Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Gaza.

Zwei Sanitäter verstorben, weitere zwei verletzt

Im Krankenhaus wurde Ärzte ohne Grenzen auch Zeuge davon, dass zwei Sanitäter starben und zwei weitere verletzt wurden. Sie hatten versucht, Verletzte aus dem Shijaiyah-Viertel zu holen. Ebenfalls Sonntag früh konnte ein klar gekennzeichnetes Rettungsauto von Ärzte ohne Grenzen nur knapp einem Luftangriff in 300 Metern Entfernung entkommen. Zuvor hatten die israelischen Behörden Ärzte ohne Grenzen die sichere Durchfahrt zum Grenzübergang in Erez garantiert, um dort ein chirurgisches Team abzuholen. „Medizinisches Personal und Gesundheitseinrichtungen müssen respektiert werden, in der Nähe von Krankenhäusern und Rettungswagen darf nicht geschossen werden“, sagt Palarus.

Seit dem Beginn der Bodenoffensive ist die Zahl der Opfer stark angestiegen. „Offiziell wird behauptet, das Ziel sei die Zerstörung von Tunnels nach Israel. Doch was wir vor Ort erleben, ist, dass die Bombardements wahllos sind, und dass es Zivilisten sind, die sterben“, so Palarus.

Ärzte ohne Grenzen unterstützt das Al Shifa-Krankenhaus derzeit mit einem chirurgischen Team, medizinischer Ausrüstung sowie Notvorräten und stellt auch der Zentralapotheke im Süden und im Norden von Gaza Notvorräte zur Verfügung. Die Klinik zur Nachbehandlung von OP-Patienten, die Ärzte ohne Grenzen in Gaza Stadt unterhält, ist derzeit nur bis zu 30 Prozent ausgelastet, weil die Intensität der Angriffe die Patienten davon abhält, in die Einrichtung zu kommen. Die regulären Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen im Nasser-Krankenhaus in Khan Younis wurden unterbrochen. Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Gaza-Streifen und leistet chirurgische und medizinische Hilfe sowie psychologische Unterstützung.

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