Zentralafrikanische Republik

In der Zentralafrikanischen Republik liegt die Sterblichkeitsrate weit über der Notfallstufe

Bangui/Wien, 13. Dezember 2011. In der Zentralafrikanischen Republik herrscht eine chronische medizinische Notlage.  Vier in den vergangenen 14 Monaten durchgeführte Mortalitätsstudien von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) ergaben, dass die Sterblichkeit in manchen Regionen drei Mal so hoch ist, wie die Notfallstufe, die eine humanitäre Krise markiert. (Diese liegt laut Weltgesundheitsorganisation bei zwei Todesfällen je 10.000 Menschen pro Tag.) Diese Raten sind Anzeichen dafür, dass die Situation außer Kontrolle geraten ist. Die Gebiete mit den höchsten Sterblichkeitsraten sind weder von gewaltsamen Konflikten betroffen, noch haben sie eine große Zahl Vertriebener aufgenommen.

In dem neu erschienenen Bericht  „Central African Republic: State of Silent Crisis” (Zentralafrikanische Republik: Die stille Krise)  resümiert Ärzte ohne Grenzen, dass die bestehenden medizinischen Strukturen nicht ausreichen, um den medizinischen Bedarf der Bevölkerung abzudecken. Der Bericht macht deutlich, wie notwendig es ist, dass mehrere Akteure sich engagieren und weitere medizinische Programme durchführen, um einen größeren Teil der Bevölkerung zu erreichen.

Die Zentralafrikanische Republik hat mit 48 Jahren die zweitniedrigste Lebenserwartung der Welt und die fünfthöchste Todesrate durch Infektions- und Parasitenerkrankungen. Die hohen Todesraten sind das Ergebnis von saisonalen Epidemien, einer erlahmten Wirtschaft, sowie von Konflikt, Vertreibung und einem schwachen Gesundheitssystem. 

Hohe Sterblichkeitsrate

„Ein Gesundheitssystem, das von Jahren der politischen und militärischen Instabilität zerrieben wurde, schwere Strukturprobleme und das Fehlen von Sicherheit im Norden und im Osten des Landes - diese Faktoren haben katastrophale Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und erklären, wie es zu der extrem hohen Sterblichkeit kommt“, sagt Olivier Aubry, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik. „Vergangenen Juli beispielsweise war die Sterblichkeitsrate der unter Fünfjährigen in Carnot drei Mal so hoch wie die Sterblichkeitsrate der gleichen Altersgruppe im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab, wo Flüchtlinge aus Somalia unter extremen Bedingungen leben. In Carnot blieb es eine stille Krise.”

Doch die Anstrengungen der Regierung und der internationalen Gemeinschaft gehen in die falsche Richtung. Die Regierung wie auch internationale Geber haben die Ausgaben für den Gesundheitsbereich gesenkt, der humanitären Hilfe ist es nicht gelungen, die weit verbreitete medizinische Krise zu lindern. Trotz des hohen Bedarfs scheinen sich sowohl die Regierung als auch internationale Geber von der Gesundheitsversorgung zurück zu ziehen. 

Enormer Bedarf

Dass der Bedarf an medizinischer Hilfe enorm ist, bestätigt auch der Patient Pascal Monkoj: „Hätte ich nicht mit Hilfe von Ärzte ohne Grenzen eine Behandlung bekommen, wäre ich jetzt tot. Ich hatte Durchfall und Migräne, also ging ich zum Arzt in  Batangafo. Er überwies mich in ein Labor, um mich testen zu lassen. Das Ergebnis zeigte, dass ich HIV positiv bin. Durch die Behandlung bin ich kein kranker Mensch mehr. Ich bin sehr glücklich darüber und muss mir keine Sorgen mehr machen.“

Ärzte ohne Grenzen ruft alle Verantwortlichen, darunter die Regierung und die internationale Gemeinschaft auf, die Gesundheitsdienste für die Menschen des Landes auszuweiten. Neue Modelle der Versorgung müssen dringend gefunden werden.

Die Hilfsprogramme von Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik

Ärzte ohne Grenzen leistet seit  1997 Hilfe in der Zentralafrikanischen Republik, 1.243 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen waren Ende 2010 im Land beschäftigt. Die Organisation unterstützt neun Krankenhäuser und 36 Gesundheitszentren. Fast überall im Land arbeitet Ärzte ohne Grenzen in Einrichtungen des Gesundheitsministeriums und sucht eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den staatlichen Strukturen. Im Jahr 2010 behandelten die Teams der Organisation 582.253 Menschen ambulant und 24.185 stationär.

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