Irak

Irak: Psychologische Hilfe muss dringend erweitert werden

Bagdad/Wien, 30. April 2013. Nach Jahrzehnten geprägt von Konflikt, politischer Instabilität und sozialer Umwälzung leiden viele Iraker unter psychischen Belastungen und Störungen. Sie sind dringend auf psychologische Unterstützung angewiesen, unterstreicht die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im neuen Bericht „Healing Iraqis: The Challenges of Providing Mental Health Care in Iraq“ .

Der Bericht zeigt, welche Auswirkungen die tägliche Gewalt auf die Psyche viele Frauen, Männer und Kinder im Irak hat. Außerdem beschreibt er das psychologische Programm, das Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem irakischen Gesundheitsministerium entwickelt hat.

Mentale Erschöpfung, Isolation, Hoffnungslosigkeit

„Viele Iraker stoßen wegen der jahrzehntelangen Konflikte und der andauernden Instabilität an ihre Belastungsgrenze. Mental völlig erschöpft kämpfen viele darum zu verstehen, was mit ihnen passiert ist. Gefühle von Isolation und Hoffnungslosigkeit gehen einher mit der Tabuisierung psychischer Erkrankungen und dem Fehlen von Behandlungseinrichtungen“, beschreibt Helen O´Neill, die Einsatzleiterin von Ärzte ohne Grenzen im Irak, die Situation.

Ärzte ohne Grenzen fordert in dem Bericht, die psychologischen Behandlungsmöglichkeiten im Irak dringend zu erweitern. Das Gesundheitsministerium und dessen Institutionen müssen die Qualität von und den Zugang zu psychologischer Behandlung verbessern und diese in die bestehenden Gesundheitsstrukturen intergieren. Außerdem muss mehr gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen getan werden, damit Kranke den Mut zur Behandlung fassen.

Behandlung von Angsstörungen

Ärzte ohne Grenzen bietet im Irak seit 2009 in Zusammenarbeit mit dem irakischen Gesundheitsministerium psychologische Hilfe an. Der Fokus des Programms liegt auf der nichtmedikamentösen Behandlung von Angststörungen und depressiven Verstimmungen, wie sie bei Menschen vorkommen, die Gewalt und Unsicherheit ausgesetzt sind.

Während der vergangenen vier Jahre hat Ärzte ohne Grenzen zusammen mit dem irakischen Gesundheitsministerium in zwei Krankenhäusern in Bagdad und in einem in Fallujah psychologische Beratungsstellen aufgebaut. Diese sollen als Behandlungsmodell für andere Einrichtungen genutzt werden, zunächst in Krankenhäusern in Kut, Karbala und Sulymaniyah.

Im Jahr 2012 wiesen bei der Aufnahme in das psychologische Programm noch 97 Prozent aller Patienten signifikante psychische Symptome auf. Nach Abschluss der Behandlung waren es nur noch 29 Prozent. Selbst wenn häusliche Gewalt nicht berücksichtigt wird, war fast die Hälfte (48 Prozent) der Aufgenommenen von Gewalt betroffen. Nahezu alle Mitarbeiter und alle Patienten des Programms wurden in den vergangenen Jahren selbst Opfer von Gewalt oder berichteten von ihnen nahestehenden Person, die Gewalt erfahren haben.

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