Jordanien

Klinik für Kriegsverletzte in Jordanien muss schließen

Unser Team im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari muss unsere Klinik für Kriegsverletzte aus Syrien zusperren. Der Grund ist die Schließung der Grenze zu Syrien vor sechs Monaten, heute steht die Einrichtung fast leer. Ärzte ohne Grenzen fordert die jordanische Regierung auf, die Grenze für Verletzte aus Syrien wieder zu öffnen, um Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe zu ermöglichen.

„Wir haben die Information erhalten, dass die Zahl der Kriegsverletzten seit Ende September gestiegen ist, als die Kämpfe und Bombardierungen auch im Süden Syriens wieder intensiver wurden,“ sagt Luis Eguiluz, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Jordanien. „Unsere Möglichkeiten, Leben zu retten, sind jedoch sehr eingeschränkt, nachdem die Kriegsverletzten nicht mehr über die Grenze dürfen. Zwar können wir warten, bis die Grenze wieder geöffnet wird – diese Möglichkeit haben Schwerverletzte jedoch nicht.“

Hilfe seit März 2014

Ärzte ohne Grenzen hatte die 40-Betten-Klinik, in der Patienten und Patientinnen postoperativ versorgt werden, im März 2014 im Flüchtlingslager Zaatari eröffnet. Zu jener Zeit war das Traumazentrum von Ärzte ohne Grenzen im nahegelegenen Krankenhaus in Ramtha so überfüllt, dass Behandlungen und Rehabilitation teilweise ausgelagert werden mussten. Insgesamt wurden 531 syrische Kriegsverletzte von Ramtha und anderen medizinischen Einrichtungen nach Zaatari überwiesen. Das Team führte hier zudem über 2.100 ambulante Behandlungen sowie über 1.450 Physiotherapiestunden und mehr als 2.500 psychologische Sitzungen durch.

Die Klinik in Zaatari muss jetzt geschlossen werden, und auch die Stationen von Ärzte ohne Grenzen im Krankenhaus in Ramtha sind fast leer. Gleichzeitig halten die Kämpfe und Bombardierungen im Süden Syriens unvermindert an, der Bedarf für lebensrettende medizinische Hilfe für kriegsverletzte Syrer steigt. Trotzdem bleibt die jordanische Grenze geschlossen. Das zwingt die Verwundeten, entweder eine Alternative zu suchen, um am Leben zu bleiben – oder zu sterben.

Kein Zugang zu Hilfe für Verletzte

„Es ist furchtbar zu wissen, dass nur wenige Kilometer entfernt Patienten sterben, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben,“ betont Marjan Besuijen, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Zataari.

Durch medizinische Partnerorganisationen im Süden Syriens hat Ärzte ohne Grenzen mindestens 70 Fälle registriert, in denen Kriegsverletzten – darunter 16 Kinder – die Überquerung der Grenze nach Jordanien verweigert wurde. Und das, obwohl sie dringend lebensrettende Versorgung gebraucht hätten.

Ärzte ohne Grenzen fordert die Regierung Jordaniens einmal mehr auf, die Grenze für Verletzte aus dem Kriegsgebiet in Syrien wieder zu öffnen, um ihnen Zugang zu lebensrettender medizinischer Hilfe zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 2006 in Jordanien und hat ein Programm für wiederherstellende Chirurgie in der Hauptstadt Amman aufgebaut. Seit 2013 betreibt die Organisation das Traumazentrum im Krankenhaus von Ramtha sowie ein Mutter-Kind-Spital. Ärzte ohne Grenzen betreibt außerdem zwei Projekte für nicht-übertragbare Krankheiten in Irbid und Ramtha, um syrischen Flüchtlingen und Betroffenen aus Jordanien zu helfen.

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