Myanmar: Schwieriger Kampf gegen HIV/Aids und Tuberkulose

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1992  in Myanmar im Einsatz. Neben der Behandlung von HIV/Aids setzt sich die Organisation insbesondere für die Behandlung von Tuberkulose (TB) ein. Rund 2.540 TB-Patientinnen und -patienten im ganzen Land erhalten hier kostenlos Diagnose, Therapie und Beratung.

Schon in der Morgendämmerung beginnt Ärzte ohne Grenzen-Berater Aung Hein Maw seinen Arbeitstag. Wie jeden Tag fährt er mehrere Dörfer in den Bezirken Tavoy und Mergui ab, ein langer Landstrich im Süden von Myanmar. Im morgendlichen Dunst kann man nur die Umrisse der Palmen und die Silhouetten der Frauen erkennen, die auf den Reisfeldern arbeiten. Während der Fahrer sich bemüht, die Schlaglöcher zu vermeiden, schaut Maw auf die Liste der heutigen Patientenbesuche. Es handelt sich dabei vor allem um solche, bei denen eine HIV- und/oder TB-Infektion diagnostiziert wurde, die aber nicht zu ihrem Termin erschienen sind oder die Probleme haben, ihre Therapie einzuhalten. TB ist die häufigste der so genannten opportunistischen Infektionen und gleichzeitig Haupttodesursache bei Menschen mit HIV.

Mobile Beratung

Zu Beginn ihrer TB-Behandlung müssen die Patienten mindestens einmal im Monat ins Spital kommen, damit ihr Krankheitsverlauf überwacht werden kann. „Wir fahren zu ihnen in die Dörfer und bieten ihnen zusätzliche Hilfe an, damit sie ihre Termine wahrnehmen. Dann kontrollieren wir, ob sie ihre Medikamente richtig einnehmen“, berichtet Maw. „Wir besuchen die Patienten aber auch, wenn sie eine kritische Phase in ihrer Behandlung durchmachen oder wenn Nebenwirkungen auftreten und sie zusätzliche Unterstützung brauchen.“

Bei einer mobilen Bevölkerung, wie wir sie hier vorfinden, ist die Behandlung der Koinfektion von HIV/TB eine große Herausforderung. In der Region Tavoy, wo Ärzte ohne Grenzen ein HIV-Spital betreibt, leben viele Wanderarbeiter. Die ambulanten Berater übernehmen hier eine wichtige Rolle; sie unterstützen die Patienten dabei, ihre Therapie einzuhalten, was äußerst wichtig ist für den Behandlungserfolg. Derzeit arbeiten vier Berater in den Dörfern in Tavoy und dem benachbarten Bezirk Mergui. Gemeinsam betreuen sie etwa 300 von den 500 Patientinnen und Patienten, die Ärzte ohne Grenzen in der Region registriert hat.

Schwierige Behandlung

Die Fahrt vom Spital in die Dörfer kann mehrere Stunden dauern und die Straße ist in einem miserablen Zustand. Oft ist die Entfernung ein Grund, warum die Menschen nicht wieder in die Klink kommen. Zwar übernimmt Ärzte ohne Grenzen die Fahrtkosten für Patienten, die sich diese nicht leisten können, aber in den meisten Fällen gibt es andere Gründe, warum Patienten ihre Behandlung abbrechen.

„Sie verstehen zum Teil nicht, was das für eine Krankheit ist und wie sie die Tabletten einnehmen müssen“, berichtet Maw aus seiner Erfahrung. „Manchmal fällt es ihnen schwer, zum Termin zu kommen, oder sie müssen arbeiten. Wir kennen Fälle, bei denen die Menschen ihre Krankheit verleugnen, weil sie Angst vor Diskriminierung haben. Und manchmal liegt es auch an den Nebenwirkungen der Medikamente.“

Mangelnde Kenntnis über HIV/Aids und TB

Die Bevölkerung ist arm und besteht überwiegend aus Fischern und Tagelöhnern, die auf den Reisfeldern oder in den Gummibaumplantagen arbeiten. Bevor sie getestet werden, wissen die meisten kaum etwas über HIV/Aids und TB. Die Berater helfen ihnen, die Behandlung zu verstehen und ihre Familien vor einer Übertragung zu schützen. Der erste Patient, den Maw heute besucht, ist S. – ein Mann in den Fünfzigern. Er sitzt auf dem Boden seines traditionellen Holzhauses. Sie sprechen über die Behandlung und Maw zählt die Tabletten, die übrig geblieben sind. So kann er feststellen, ob die richtige Anzahl eingenommen wurde.

Da er als Mechaniker auf einem Fischerboot arbeitet, ist S. normalerweise 28 Tage im Monat unterwegs und kehrt nur für eine Woche in sein Dorf zurück. Als er an TB erkrankte, war er während der ersten drei Monate seiner Behandlung im Bett. Heute geht es ihm schon viel besser, aber seine Arbeit konnte er noch nicht wieder aufnehmen. Er wird von seiner Tochter und seinem Sohn unterstützt, die beide in Thailand arbeiten. S. erzählt, dass seine Familie nie reich war und dass er erst in eine Privatklinik ging, als er schon sehr krank war. „Wir mussten unsere gesamten Ersparnisse aufbrauchen, um die Kosten zu decken. Deshalb ist die kostenlose Behandlung für mich jetzt so wichtig.“

„Häufig brechen TB-Patienten ihre Therapie ab, weil es ihnen nach einer gewissen Zeit besser geht. Sie glauben, sie seien geheilt und kehren zur Arbeit zurück. Ins Spital kommen sie nicht mehr. Wir versuchen ihnen zu erklären, dass das sehr gefährlich ist und zu einer schwereren Form von Tuberkulose – der multiresistenten TB – führen kann, deren Behandlung mindestens acht Monate dauert.“

Größter Anbieter der antiretroviralen Therapie

Das fehlende Wissen über die Krankheit führt oft dazu, dass viele Menschen erst sehr spät medizinische Hilfe suchen. In Myanmar liegt die geschätzte HIV-Prävalenz bei über einem Prozent der Bevölkerung und die HIV/TB-Koinfektionsraten zählen zu den höchsten in den südostasiatischen Ländern. Schätzungsweise 250.000 Menschen sind HIV-positiv und nur sehr wenige haben über das Gesundheitsministerium Zugang zu antiretroviraler Therapie (ARV). Derzeit ist Ärzte ohne Grenzen der wichtigste Anbieter der ARV-Therapie und behandelt über 18.000 Menschen im ganzen Land.

Ärzte ohne Grenzen konzentriert sich auf die direkte medizinische Versorgung von Menschen mit HIV/Aids, bietet aber auch allgemeine gesundheitliche Aufklärung an und unterstützt aktiv die Vorbeugung von weiteren HIV-Ansteckungen durch freiwillige Tests, Beratung und Programme zur Prävention der Mutter-Kind-Übertragung des HIV. Das Leistungsangebot umfasst darüber hinaus die Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten sowie die psychosoziale Unterstützung der Patienten.Ärzte ohne Grenzen bietet aber auch technische Unterstützung und Schulungen für HIV/Aids-Programme in Spitälern, Gesundheitszentren und im häuslichen Umfeld. Implementiert werden die Programme in Zusammenarbeit mit dem National Aids Programme (NAP), mit UNAIDS, der WHO, dem National TB Programme und dem National Health Laboratory.

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