Sudan

Noteinsatz für mangelernährte Kinder im Sudan

Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat Mitte Juli in Zusammenarbeit mit dem sudanesischen Gesundheitsministerium in der Sahelzone mehrere Ernährungszentren eröffnet, so auch im Sudan. An zwei Orten im Westen des Landes hat MSF Ernährungsprogramme eingeführt. In unserem Interview erzählt Frau Dr. Esther Sterk, was sie als medizinische Koordinatorin gesehen hat, welchen Einsatz die MSF-Teams seit sieben Wochen unter schwierigsten Bedingungen leisten und welche Herausforderungen die kommenden acht Wochen vor der neuen Ernte bringen werden.

Frau Dr. Sterk, was haben Sie in Ihrem Einsatzgebiet gesehen?

Die Menschen in Gala Al-Nahal und in Al-Quereisha sind arm und leben mehrheitlich von der Landwirtschaft. Ihr Haupteinkommen stammt vom Verkauf von Vieh und von landwirtschaftlichen Produkten. Im vergangenen Jahr hat es nur wenig geregnet und die Ernte fiel schlecht aus. Die Menschen konnten somit auf den Märkten weniger Produkte verkaufen. Zudem sind aufgrund der letztjährigen Dürreperiode zahlreiche Kühe, Ziegen und Schafe an Mangelernährung oder Krankheit gestorben. Die Menschen mussten von ihren Ersparnissen leben, um die Trockenzeit zu überbrücken. Und obwohl die Regenzeit dieses Jahr grosszügig ausfällt, haben viele Menschen bereits ihre gesamten Nahrungsmittel vom vergangenen Jahr aufgebraucht und es bleibt den Dorfbewohnern nicht mehr viel, um die Trockenzeit zu überstehen. Die Dörfer liegen weit auseinander und der Regen hat die Strassen für Autos unpassierbar gemacht. Für die Behandlung akuter Mangelernährung sind die Bewohner in diesen Gebieten ganz auf die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen angewiesen. Es gibt keine Verkehrsmittel und die Distanzen sind zu gross, um sie zu Fuss zurückzulegen.

Wie unterstützt Ärzte ohne Grenzen die Bevölkerung im Sudan?

MSF hat vier Ernährungszentren eingerichtet und vier mobile Einsatzteams in abgelegene Regionen entsandt, um dort Nahrungshilfe zu leisten. Bisher sind 3'000 akut mangelernährte Kinder bei Ärzte ohne Grenzen in Behandlung. Wir können uns in diesem Gebiet jedoch nur schwer mit herkömmlichen Fahrzeugen fortbewegen. Die Strassen sind verschlammt und die Mitarbeiter müssen Nahrungsmittel und Medikamente in Traktoren transportieren, um die betroffene Bevölkerung zu erreichen. Bislang haben wir über 290'000 Kisten mit therapeutischer Fertignahrung verteilt und alle registrierten Patienten konnten von einem Arzt besucht und behandelt werden. Das Team arbeitet eng mit dem Gesundheitsministerium und den Gemeinden zusammen. Das Engagement der MSF-Mitarbeiter und der Freiwilligen, die aufgrund der miserablen Wetterbedingungen auf Traktoren ausweichen mussten, hat mich sehr beeindruckt. Zudem sind ihre Lebensbedingungen vor Ort sehr hart.

Sie arbeiten nun seit sechs Jahren für Ärzte ohne Grenzen. Wie sehen Sie die jüngsten Noteinsätze?

Die Tatsache, dass wir einige Gebiete durch den schlechten Zustand der Strassen und die Distanzen nicht erreichen konnten, traf mich sehr. Wir wissen, dass unsere Hilfe an vielen Orten benötigt wird, wir können jedoch nicht überall sein. Manche Mütter haben mit ihren sehr geschwächten Kindern über zehn Stunden Weg auf sich genommen, um in unsere Behandlungszentren zu kommen. Ärzte ohne Grenzen konnte einen Weg finden, um die Hungerzeit vor der neuen Ernte für zahlreiche gefährdete Kinder in diesen abgelegenen und harschen Gebieten zu überbrücken. Ich hoffe, dass wir in den kommenden Monaten noch viele weitere Kinder ins Programm aufnehmen können.

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