Preissenkung von Pneumokokken-Impfstoff für Kinder in Krisengebieten

15.11.2016
Ärzte ohne Grenzen begrüßt die Preisreduktion des lebensrettenden Impfstoffes für humanitäre Organisationen. Pfizer und GSK sollten nun ihre Bemühungen nochmals verstärken und die Kosten des Impfstoffes für die vielen Entwicklungsländer senken.
Bangassou - multi antigen vaccination campaign.
Sandra Smiley/MSF
Vials of PCV13, a vaccine that protects children against pneumonia and meningitis. At 9 Euros a dose (three doses are necessary for the vaccine to be effective) PCV13 is currently priced at a rate much higher than most people in Central African Republic can afford.

Ärzte ohne Grenzen/ Médecins Sans Frontières (MSF) begrüßt die Entscheidung von Pfizer, den Preis seines Pneumokokken-Konjugatimpfstoffes Prevenar 13 (PCV13) für Kinder in humanitären Krisen zu senken. Sieben Jahre lang hatte Ärzte ohne Grenzen Pfizer und GSK – die einzigen Hersteller des Pneumokokken-Impfstoffes – dazu aufgefordert, humanitären Organisationen den weltweit geringsten verfügbaren Preis zur Verfügung zu stellen. Bis vergangenen September haben beide Pharmakonzerne dies aber verweigert. GSK hatte schließlich angekündigt, dass der Konzern den Preis seines Pneumokokken-Impfstoffes für humanitäre Krisen senkt. Nun hat Pfizer es am vergangenen Freitag GSK gleichgetan.

“Es ist schön zu sehen, dass Pfizer nun endlich den Preis seines lebensrettenden Impfstoffes für Kinder in Not reduziert”, erklärt Dr. Joanne Liu, internationale Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen. „Mit den Preisreduktionen von Pfizer und GSK werden humanitäre Organisationen Kinder nun besser vor dieser tödlichen Krankheit schützen können.“

Hauptursache für Kindersterblichkeit

Lungenentzündung ist eine der Hauptursachen für Kindersterblichkeit weltweit. Jedes Jahr stirbt fast eine Million Kinder daran. Kinder in Notsituationen - ob in Konfliktgebieten oder in humanitären Katastrophen – sind besonders anfällig für Lungenentzündung. Die medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen sind in ihren Gesundheitszentren sehr oft mit den tödlichen Auswirkungen von Lungenentzündung konfrontiert – einer Krankheit, die durch Impfung verhindert werden kann.

Die Preisreduktionen sind ein wichtiger Schritt in Richtung eines besseren Schutzes von gefährdeten Kindern, die von humanitären Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen betreut werden. Von 2009 bis 2014 hat Ärzte ohne Grenzen mit Pfizer und GSK Verhandlungen über einen fairen und nachhaltigen Preis für den Pneumokokken-Impfstoff geführt, bevor die Organisation eine große Ausnahme ihrer Regelung über Spenden von Pharmaunternehmen gemacht hat. Während man sich auf eine kurzfristige Lösung einigte und Ärzte ohne Grenzen gespendete Impfstoffe von Pfizer und GSK annahm, sagten diese zu, an einer langfristigen Lösung zu arbeiten. Seither haben Ärzte ohne Grenzen und andere Organisationen darum gekämpft, Pneumokokken-Impfstoffe zu einem leistbaren Preis zu erwerben.

Millionen Kinder nicht geimpft

Anfang des Jahres hat Ärzte ohne Grenzen 60 Euro (68,10 US Dollar) für eine Dosis Pfizer-Impfstoff im Rahmen einer Impfkampagne von Flüchtlingskindern in Griechenland bezahlt – das ist das 20-fache des geringsten Preises, der von GSK und Pfizer angeboten wird.

Ein Drittel aller Länder weltweit können wegen des hohen Preises keine Pneumokokken-Impfstoffe einführen. Millionen Kinder, die in Ländern wie Jordanien, Thailand, den Philippinen leben, sind nicht geimpft. 2015 hatten 193 Länder bei der Weltgesundheitsversammlung eine bahnbrechende Resolution verabschiedet, in der sie leistbare Impfstoffe und verstärkte Transparenz bezüglich Preispolitik fordern. „Pfizer und GSK sollten nun ihre Bemühungen nochmals verstärken und die Kosten des Impfstoffes für die vielen Entwicklungsländer senken, die es sich immer noch nicht leisten können, ihre Kinder vor Lungenentzündung zu schützen,“ sagte Dr. Liu.

Laut Pfizers Ankündigung vom letzten Freitag ist die Preissenkung ein neues und spezielles Preismodell für humanitäre Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen. Die internationale medizinische Hilfsorganisation hofft nun, dass Pfizer seine Bemühungen auch auf Entwicklungsländer ausdehnt und all jenen Regierungen einen niedrigeren Preis anbietet, die ihre Kinder aus Kostengründen immer noch nicht vor Lungenentzündungen schützen können.

Hintergrund

Es ist heute 68-mal teurer ein Kind zu impfen, als 2001. Das geht aus dem Bericht „The Right Shot: Bringing down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines” von Ärzte ohne Grenzen vom Jänner 2015 hervor. Pneumokokken-Impfstoffe machen dabei fast die Hälfte des gesamten Impfpakets für ein Kind in den ärmsten Ländern aus.

Nach jahrelangen erfolglosen Verhandlungen hatte Ärzte ohne Grenzen 2015 die öffentliche Kampagne „A Fair Shot“ gestartet und Pfizer und GSK – die einzigen beiden Hersteller des Pneumokokken-Impfstoffs – aufgefordert, die Preise zu reduzieren. Heuer am 27. April hat Ärzte ohne Grenzen schließlich die Unterschriften von über 416.000 Menschen aus 170 Ländern an Pfizer und GSK übermittelt. Sie alle hatten eine Petition unterschrieben und die Firmen dazu aufgefordert, die Preise für Impfstoffe gegen Pneumokokken auf fünf US-Dollar pro Kind (für alle drei benötigten Impfungen pro Kind) in allen ärmeren Ländern und für Menschen in Konfliktgebieten zu senken.