Simbabwe

Simbabwe: “Ich musste durch die Hölle, um in den Himmel zu gelangen“

Als erste Patientin in Simbabwe hat Mary Marizani multiresistente Tuberkulose (MDR-TB) überlebt. Doch nun sieht sich die 48-Jährige einer neuen Herausforderung gegenüber: "Ich habe wieder Appetit und jetzt esse ich alles, was in Reichweite ist", lacht sie.

Nach zwei Jahren zermürbender medizinischer Tuberkulose-Behandlung entdeckt Mary ihren Humor wieder. Die Behandlung umfasste tägliche Spritzen und zahlreiche Tabletten mit starken Nebenwirkungen: Mary litt unter Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit sowie Halluzinationen. "Ich fühlte mich, als ob Käfer in meinem Kopf herumkrabbeln würden", sagt sie.

Die ersten Tuberkulose-Symptome traten bei Mary im Jahr 2006 auf, nachdem sie vier Familienangehörige gepflegt hatte, die an der Krankheit litten. Nach acht Monaten Behandlung - ohne Untersuchung, ob diese erfolgreich gewesen war - setzte ihr Arzt ihre Medikamente ab mit der Begründung, sie sehe schon "viel besser" aus.

Nur noch die Hälfte ihres Körpergewichts

In den darauffolgenden Monaten war sie immer wieder im Krankenhaus wegen Fieber und trockenen Husten, der einfach nicht wegging. Sie wurde immer dünner, ihr Zustand verschlechterte sich weiter und - als sie bereits die Hälfte ihres Körpergewichts verloren hatte - befolgte sie den Rat eines Nachbarn und ging in eine Klinik, in der Ärzte ohne Grenzen Patienten mit Tuberkulose (TB) behandelte.

Bei Mary wurde ein bestimmter TB-Erreger diagnostiziert, der resistent gegenüber den gewöhnlichen Medikamenten ist. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Behandlungsmöglichkeiten für MDR-TB in Simbabwe. Als Ärzte ohne Grenzen jedoch sein MDR-TB Projekt in Epworth ins Leben rief, wurde Mary die erste Patientin dort.

"Ich dachte, meine Mutter würde sterben"

Für Mary kam die Behandlung gerade zur rechten Zeit. "Zwei Tage bevor Ärzte ohne Grenzen uns die gute Neuigkeit mitteilte, dass sie eine Therapie mit neuen Tabletten bekommt, hatte meine Mutter einen halben Eimer Blut ausgehustet", sagt Marys 24 Jahre alte Tochter, Shorai. "Es war furchtbar. Ich dachte, sie würde sterben.

In Simbabwe ist Tuberkulose mit einem starken Stigma behaftet und viele Leute glauben fälschlicherweise, dass es sich dabei um eine unheilbare Krankheit handelt. Mary sagt: "Die meisten meiner Angehörigen haben mich gemieden während meiner MDR-TB Behandlung. Meine eigenen Verwandten kamen mich nicht besuchen, als ich an die Tür des Todes klopfte. Die einzige Familie, die mir geblieben war, war Ärzte ohne Grenzen und meine beiden Kinder."

"Wir brauchen dringend eine neue Therapie für MDR-TB"

Es war eine furchtbar schwierige Zeit. "Ich musste durch die Hölle gehen, um in den Himmel zu gelangen", erzählt Mary. Dennoch konnte sie die Behandlung durchstehen, mit der Unterstützung der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, die ihr Wissen auch mit den einheimischen Ärzten des Gesundheitsministeriums teilten. Denn die meisten Ärzte in Simbabwe hatten keinerlei Erfahrung in der Behandlung von MDR-TB.

"Es ist enorm schwierig mit anzusehen, wie deine Patienten die entsetzlichen Nebenwirkungen erleiden müssen, die mit der zweijährigen, sehr beschwerlichen Behandlung einhergehen", sagt Dr. Kodjo Edoh, Medizinischer Berater für Simbabwe von Ärzte ohne Grenzen. "Wir brauchen dringend eine Therapie für MDR-TB, die die Patienten in geringerer Zeit und mit weniger Nebenwirkungen heilen kann."

Eine Inspiration für andere TB-Patienten

In den zwei Jahren, seitdem Mary die erste MDR-TB Patientin in Epworth wurde, sind die Behandlungszahlen gestiegen. Derzeit behandelt Ärzte ohne Grenzen 40 MDR-TB Patienten in seinen Projekten im ganzen Land. Unterstützt wird diese Behandlung durch die Einführung eines neuen Tests für multiresistente TB, bekannt als GeneXpert - die Diagnosedauer wurde von 42 Tagen auf zwei Stunden reduziert.

Seitdem Mary geheilt ist, ist sie wieder kontaktfreudig und voller Energie und damit eine Inspiration für andere Patienten in Epworth. Für diese ist sie der lebende Beweis dafür, dass die Behandlung wirkt. "Die MDR-TB Behandlung war ein Wunder", sagt Mary. "Ärzte ohne Grenzen holte mich von meinem Totenbett und schenkte mir ein neues Leben."

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