Südsudan

Südsudan: Eine Notsituation folgt der nächsten

Juba/Wien, 22. Dezember 2011.  Sechs Monate, nachdem der Südsudan zum unabhängigen Staat wurde, ist die Situation dort durch Krisen geprägt und Hilfsorganisationen müssen sich auf weitere Notsituationen vorbereiten: Ärzte ohne Grenzen/ Médecins Sans Frontières (MSF)  hat die Aktivitäten im Bundesstaat Upper Nile bereits erweitert und auf Nothilfebetrieb umgestellt, um auf den Zustrom von tausenden Flüchtlingen zu reagieren, die vor dem Konflikt im benachbarten Sudan fliehen. 

In der Umgebung der Stadt Agok im Northern Bahr al Ghazal-Staat hat die Organisation zudem mit einem Ernährungsprogramm für Kinder begonnen. In dem umkämpften Gebiet Abyei, das im Grenzgebiet zwischen Sudan und Südsudan liegt, hat ein neuer Konflikt die Bevölkerung weiter nach Süden getrieben. Schätzungen zufolge sollen 100.000 Vertriebene betroffen sein. Auch andere Konflikte im Sudan (vor allem in den Bundesstaaten Blue Nile und South Kordofan) haben in den vergangenen Monaten Zehntausende gezwungen, über die Grenze zu fliehen. 

Nothilfe Einsatz in Doro

Ende November hat Ärzte ohne Grenzen im Flüchtlingslager in Doro, Maban County, mit einem Nothilfe-Einsatz begonnen. Die Zahl der Flüchtlinge im dortigen Camp ist auf 25.000 Menschen angewachsen, ständig kommen weitere Familien nach. Die Ersthilfemaßnahmen von Ärzte Ohne Grenzen beinhalteten die medizinische Erstversorgung, den Bau von Latrinen, die Instandsetzung von Wasserstellen und die Installation eines Tanks mit 15.000 Litern Trinkwasser.

Bei den medizinischen Konsultationen von neu Ankommenden werden vor allem Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen behandelt. Die Menschen waren teilweise wochenlang unterwegs, um sich in Sicherheit zu bringen. Bis heute hat das Team mehr als 1.500 ambulante Patienten betreut. Derzeit bauen die Mitarbeiter eine stationäre Betreuung im Lager auf, außerdem soll in den kommenden Tagen eine Masern-Impfkampagne gestartet werden.

Seit September auf der Flucht

Nahe des Dorfes Alfuj, im Norden von Doro und nahe der Grenze, haben sich viele Tausende Sudanesen aus einem anderen Teil des Bundesstaates Blue Nile mit ihren Habseligkeiten unter ein paar Bäumen zusammengefunden. Nach einer schnellen Registrierung hat Ärzte ohne Grenzen sofort damit begonnen hochkalorische Nahrung an Kinder unter fünf Jahren zu verteilen und 150 Patienten mit dringendem medizinischem Bedarf zu behandeln. Die Familien berichteten dass sie bereits seit September auf der Flucht sind. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen werden regelmäßig zu der Gruppe zurückkehren, um Notfall-Nahrung zu verteilen und die am schwersten Erkrankten zu behandeln.

Ernährungsnotlage

Die sich abzeichnende Ernährungskrise resultiert aus Flucht, Vertreibung und der Tatsache, dass es nach der Unabhängigkeit viele Menschen gibt, die in den Südsudan zurückkehren. Daneben spielen aber auch Ernteausfälle, Überflutungen, Handelsstreitigkeiten und die Inflation auf den lokalen Märkten eine Rolle. "Wenn nichts gegen diese Situation unternommen wird, könnte die Lage bald dramatisch werden", erklärt Ines Hake, medizinische Leiterin des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen in Agok. 

Den Tod von Kindern verhindern

"Derzeit sind die Kinder, auf die wir mit unserer Hilfe abzielen, nicht in unmittelbarer Gefahr", erklärt Hake. Das Ziel eines vorbeugenden Ernährungsprogramms ist, zu verhindern, dass bei einem Kind die Mangelernährung so schwer wird, dass es medizinisch – ambulant oder stationär – behandelt werden muss.Die Krankenschwester Sita Cacioppe hat bereits mehrere große Ernährungskrisen miterlebt: "Wenn wir Mangelernährung jetzt vorbeugen können, verhindern wir den Tod von Kindern", erklärt sie und fügt hinzu, dass ihre Motivation darin bestehe, "zu verhindern, dass wir ankommen, einen Einsatz starten, aber bereits hunderte Kinder sehen, die schon am Verhungern sind."

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1978 im Südsudan im Einsatz. Mehr als  2.000 südsudanesische Mitarbeiter arbeiten gemeinsam mit fast 200 internationalen Kollegen in rund zwölf Projekten in acht Bundesstaaten des Landes.

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