Südsudan

Südsudan: Team von Ärzte ohne Grenzen kämpft in den Wäldern um das Leben Schwerverletzter

Juba/Wien, am 11. Februar 2014. Seit knapp zwei Wochen behandelt im Südsudan ein Team der medizinischen Nothilfeorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) mitten in der Wildnis mehrere Dutzend Schwerverletzte. Die Mitarbeiter sind gemeinsam mit ihren Patienten und Tausenden Bewohnern vor heftigen Kämpfen aus der Stadt Leer im Bundesstaat Unity geflohen . 15 Patienten waren erst kurz vor der Flucht operiert worden. Das Team kann ihre Wundverbände wegen fehlenden Nachschubs nicht mehr wechseln, auch die Medikamente gehen aus.

„Die Mitarbeiter, mit denen wir Kontakt herstellen konnten, erzählen uns, dass die sich verschlechternde Sicherheitslage sie weiter in die Wälder getrieben hat. Sie haben sich in kleinere Gruppen aufgeteilt, um das Risiko, angegriffen zu werden, zu verringern. Auch die letzten Vorräte an Medikamenten haben sie aufgeteilt“, sagt der Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen im Südsudan, Raphael Gorgeu.

Ein Team behandelt täglich 45 schwer erkrankte Patienten. Am häufigsten leiden die Menschen an wässrigem Durchfall, Atemweginfektionen und Malaria – Erkrankungen, die direkt auf die schwierigen Lebensbedingungen, den Mangel an Unterkünften und Moskitonetzen zurückzuführen sind. Das Personal berichtet auch von erschreckenden Fällen sexueller Gewalt.

Mangel an Nahrung und Wasser

Einer der Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen, der sich mit seinem Team außerhalb von Leer versteckt hält, berichtet: „Viele Bewohner aus Leer sind hier – sie haben Hunger, niemand hat genug zu essen und zu trinken. Die Menschen trinken dreckiges Wasser aus einem Fluss. Tagsüber verstecken wir uns. Es ist sicherer, wenn wir nur nachts unterwegs sind.“

Tausende Bewohner von Leer, darunter auch 240 Mitarbeiter des Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen, sind Ende Januar geflohen . Die Sicherheitslage verschlechtert sich Tag für Tag. Ärzte ohne Grenzen hat den Kontakt zu zwei Dritteln der Mitarbeiter verloren.

„Die Situation ist chaotisch. Es ist sehr schwierig nachzuvollziehen, wohin die Menschen geflohen sind. Die sporadischen Berichte unserer Mitarbeiter zeigen uns, dass sie sich in einer verzweifelten Lage befinden. Tausende leben unter schrecklichen Bedingungen. Sie sind anfällig für Krankheiten, leiden unter Wassermangel, Mangelernährung und laufen Gefahr, angegriffen zu werden“, sagt Gorgeu. „Wir brauchen Zugang zur Zivilbevölkerung und müssen unser Personal mit Medikamenten versorgen, aber es ist einfach zu gefährlich angesichts der anhaltenden Kämpfe. Wir wissen nicht, wie lange sie es noch aushalten.“

Ärzte ohne Grenzen ist seit 25 Jahren in Leer tätig und leistet ambulante und stationäre Versorgung. Die angebotenen Leistungen umfassen chirurgische Eingriffe, Mutter-Kind-Gesundheit, HIV- und Tuberkulose-Behandlungen sowie Intensivpflege. Die letzten Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen verließen das Krankenhaus in Leer am 30. Januar, die Organisation hat keine Informationen zum Zustand der Einrichtung. Es handelte sich dabei um die einzige funktionsfähige Klinik im gesamten Bundesstaat Unity, die auch weiterführende Versorgung anbot. Sie hatte ein Einzugsgebiet von 270.000 Menschen. Ärzte ohne Grenzen ist bereit, nach Leer und in den Süden von Unity State zurückzukehren, sobald die Sicherheitslage es erlaubt.

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