Welt-Aids-Konferenz: Ärzte ohne Grenzen fordert schnellere Ausweitung der HIV/Aids-Behandlung – Österreichs Regierung soll Beitrag leisten

Washington/Wien, 25.7.2012. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) fordert die österreichische Regierung und die Staatengemeinschaft nachdrücklich auf, im Kampf gegen Aids mehr Anstrengungen zu unternehmen. Eine Studie der medizinischen Hilfsorganisation zeigt, dass in einigen Ländern noch immer nur eine Minderheit der HIV-Infizierten behandelt werden kann. Das HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) hat im Vorfeld der 19. Internationalen Aids-Konferenz in Washington eine große Lücke bei der Finanzierung des Kampfes gegen HIV/Aids festgestellt.

Die wissenschaftlichen Fortschritte, die auf der Welt-Aids-Konferenz präsentiert werden, sind ermutigend. Leider fehlt es in vielen Ländern aber an politischem Willen, die Mittel bereitzustellen, diese neuen Erkenntnisse auch anzuwenden.

„Die österreichische Bundesregierung fällt in diesem Zusammenhang leider weiterhin besonders negativ auf“, sagt der Arzt Florian Breitenecker, HIV-Experte und Vorstandsmitglied von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Der Beitrag Österreichs am Kampf gegen HIV/Aids ist nicht wahrnehmbar. Obwohl die Regierung die Milleniumsziele unterschrieben hat, die eine Eindämmung und eine Trendumkehr bei der HIV/Aids-Epidemie beinhaltet, hat Österreich in den vergangenen Jahren fast als einziges europäisches Land gar kein Geld an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose überwiesen. Wir fordern die Regierung dringend auf, ihre internationalen Versprechungen endlich umzusetzen.“

Studie zeigt Fortschritte, aber auch Bedarf

Ärzte ohne Grenzen hat in Washington zwei Studien zur Behandlung von HIV/Aids vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit UNAIDS entstanden sind. In „Speed up Scale-up“ untersuchen die Autoren der medizinischen Hilfsorganisation die Fortschritte bei der HIV-Behandlung in 23 Ländern in Afrika, Asien, Südamerika und Europa anhand von 25 Kennzahlen. In dieser Studie werden Fortschritte deutlich, aber auch der weiterhin riesige Bedarf an HIV-Therapien: In 12 der 23 untersuchten Länder werden noch immer weniger als 60 Prozent der bedürftigen HIV-Infizierten behandelt, in vier Staaten sogar weniger als 30 Prozent.

„Wir haben festgestellt, dass die Regierungen immer größere Anstrengungen unternehmen, um die Menschen mit HIV-Medikamenten zu versorgen und um die Behandlung immer näher am Zuhause der Menschen verfügbar zu machen. Dadurch können mehr Menschen davon profitieren“, sagt Sharonann Lynch, HIV/Aids-Expertin von Ärzte ohne Grenzen. „Aber es liegt noch immer ein weiter Weg vor uns. Mehr Länder müssen ihre Behandlungsprotokolle ändern und auch Krankenschwestern und -pflegern ermöglichen, Behandlungen zu initiieren. Nur so können wir die Behandlung von HIV/Aids in jeder Klinik, in jedem betroffenen Dorf möglich machen.“

Neue Behandlungsmodelle

In einem zweiten Bericht mit dem Titel „Closer to Home“ werden dezentral organisierte Behandlungsmodelle von Ärzte ohne Grenzen vorgestellt, die eine Therapie auch in abgelegenen Gebieten ermöglichen oder die Behandlung erleichtern. In Mosambik schließen sich etwa Patienten in Sechsergruppen zusammen, um abwechselnd die Medikamente für die ganze Gruppe zu besorgen. In Südafrika werden stabile Patienten in Gruppen von 20 Personen behandelt – wobei die Behandlung und eine Untersuchung der ganzen Gruppe weniger als zwei Stunden dauern.

Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit 220.000 HIV/Aids-Patienten in 23 Ländern.

Florian Breitenecker steht für Interviews zur Verfügung.

Pressemitteilung zum Download

Bericht "Speed up scale-up" zum Download

Bericht "Closer to Home" zum Download

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