Wie klappt Familienplanung in einer humanitären Dauerkrise?

05.03.2021
Nizi general referral hospital - Ituri, DR Congo
MSF/Solen Mourlon
In front of the general referral hospital in the Nizi area, mothers go out to get some fresh air, do the laundry and cook.

Ein schlechter Zugang zu Gesundheitsversorgung stellt Frauen und Männer oft vor unterschiedliche Herausforderungen. Egal, ob Gewalt, Naturkatastrophen oder andere Krisen Auslöser für die fehlende Versorgung sind – oft leiden Frauen besonders unter den Umständen. 

In vielen unserer Projekte werden daher die besonderen Bedürfnisse von Frauen berücksichtigt und ein Fokus auf die Versorgung von Frauen und Kindern gelegt. Besondern wichtig ist das in Gebieten, die seit Jahren von humanitären Krisen betroffen sind. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo. 

Wegen ständiger Konflikte und Vertreibungen der Bevölkerung in weiten Teilen des Landes ist ein Arztbesuch für Kongolesinnen und Kongolesen nichts Selbstverständliches. Seit über drei Jahren ist etwa die Provinz Ituri, im Nordosten des Landes, von massiver Gewalt betroffen. Gesundheitseinrichtungen mussten schließen. Viele Menschen sind dadurch von ausreichender medizinischer Versorgung abgeschnitten.  

Familienplanung in der Krise 

Viele Mädchen und Frauen haben somit keinen ausreichenden Zugang zu Familienplanung. Sie verfügen über keine Verhütungsmittel, die es ihnen ermöglichen würden, ihre Schwangerschaften besser zu planen oder ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.  

Seit 2019 bietet Ärzte ohne Grenzen daher in vier Projekten in der Demokratische Republik Kongo Frauen ein lang wirkendes Verhütungsmittel namens Sayana Press an. Dieses injizierbare Verhütungsmittel hält drei Monate und ist bei korrekter Anwendung zu 99 Prozent wirksam. 

MSF/Solen Mourlon
Die vielen Jahre des Konflikt in der Gegend von Nizi haben Spuren hinterlassen. Verstreut über die hügelige Landschaft finden sich unzählige Vertriebenenlager.

Frauen erhalten ihre erste Injektion in einem Gesundheitszentrum, wo Gesundheitspersonal ihnen beibringt, wie sie die nächste Injektion selbst vornehmen können. Bis zu vier Dosen für zu Hause können mitgenommen werden - genug, um ein Jahr lang sicher und eigenverantwortlich zu verhüten. 

Mehr Selbstbestimmung für Frauen

Dieser Selbstversorgungs-Ansatz bedeutet, dass Frauen ihren Bedarf an Verhütungsmitteln selbst abdecken können, ohne regelmäßig ein Gesundheitszentrum aufsuchen oder täglich Pillen schlucken zu müssen. 

MSF
Zugang zu Verhütung rettet Leben. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind eine der fünf häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit weltweit.

Naomi Kugonza, Krankenschwester von Ärzte ohne Grenzen in Drodro, erklärt, dass Sayana Press lebensrettend sein kann, da Frauen dadurch seltener unsichere Abtreibungen vornehmen lassen: „Wir nutzen sie auch, um die Rate jener Müttersterblichkeit zu senken, die durch ungewollte Schwangerschaften und heimliche Abtreibungen aufgrund von sexueller Gewalt oder zu dicht aufeinanderfolgenden Schwangerschaften verursacht wird."  

Müttersterblichkeit senken

Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind eine der fünf häufigsten Ursachen für Müttersterblichkeit weltweit. „Dies ist eine frauenzentrierte Methode. Frauen können sich das Medikament selbst injizieren und die Nachsorge alleine durchführen", erklärt Naomi Kugonza. 

Das Medikament kann bei Raumtemperatur gelagert werden und ist leicht zu transportieren, was in dieser Region, in der Frauen und Mädchen oft gezwungen sind, zu fliehen, hilfreich ist. 
Sayana Press ähnelt in seiner Rezeptur dem injizierbaren Verhütungsmittel Depo-Provera, enthält aber eine geringere Dosis und wird mit einer Einwegspritze mit kurzer Nadel direkt unter die Haut verabreicht. 

Ärzte ohne Grenzen bietet das Verhütungsmittel in der Region Ituri in der Demokratischen Region Kongo derzeit in Mambasa, Nizi, Drodro und Angumu an. 

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