Ärzte ohne Grenzen fordert Gilead Sciences auf, bahnbrechendes modernes HIV-Medikament an die Organisation zu verkaufen

30.03.2026
Ärzte ohne Grenzen fordert den US-Pharmakonzern Gilead Sciences in einem offenen Brief auf, umgehend den Kauf des HIV-Medikaments Lenacapavir zu ermöglichen. Das könnte zahlreiche Menschenleben in Konflikt- und Krisenregionen retten.

Ärzte ohne Grenzen fordert den US-Pharmakonzern Gilead Sciences in einem offenen Brief auf, umgehend den Kauf des HIV-Medikaments Lenacapavir zu ermöglichen. Die Entwicklung dieses Arzneimittels zählt zu den wichtigsten Fortschritten in der HIV-Prävention seit Jahrzehnten. Es könnte zahlreiche Menschenleben in Konflikt- und Krisenregionen retten. 

Jährlich infizieren sich weltweit etwa 1,3 Millionen Menschen mit HIV. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, den Zugang zu hochwirksamen Medikamenten zur Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) zu verbessern. 

Ärzte ohne Grenzen leistet HIV-Präventionsarbeit in Konfliktgebieten und anderen fragilen Kontexten. Diese richtet sich besonders an gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, Transgender-Personen und Sexarbeiter:innen. Für diese Menschen können der Zugang zu HIV-Präventionsmedikamenten sowie die Einhaltung der täglichen Einnahme äußerst schwierig sein. Langwirksame Präventionsmittel wie Lenacapavir, das nur zweimal jährlich per Injektion verabreicht werden muss, können daher für Menschen mit hohem HIV-Risiko lebensrettend sein. 

Trotz öffentlicher Aussagen von Gilead Sciences, dass die Produktion von Lenacapavir zur Deckung des Bedarfs ausgeweitet werden könne, hat das Unternehmen Anfragen von Ärzte ohne Grenzen abgelehnt, eine begrenzte Menge für den Einsatz in den HIV-Programmen der Organisation zu beziehen. Bislang haben nur wenige der 18 Länder, die im Rahmen der Vereinbarung zwischen Gilead und dem Global Fund anspruchsberechtigt sind, Kontingente erhalten, während weltweit Millionen von Menschen weiterhin einem hohen Risiko ausgesetzt sind, sich mit HIV zu infizieren. 

Gilead hat den Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria als Bezugsquelle für Ärzte ohne Grenzen genannt, obwohl dessen Kontingente bereits festgelegt und darüber hinaus unzureichend sind. Sie reichen für etwa zwei Millionen Menschen über einen Zeitraum von drei Jahren, was deutlich unter dem globalen Bedarf liegt. Zudem sind einige Länder, in denen Ärzte ohne Grenzen tätig ist, aufgrund von Einschränkungen, die von Gilead festgelegt wurden, nicht berechtigt, Kontingente über den Global Fund zu beziehen. 

„Es bringt verletzliche Menschen in weitere Gefahr, wenn humanitären Organisationen der Zugang zu einem Produkt verwehrt wird, das als medizinischer Durchbruch gilt“, sagt Tom Ellman, Leiter der Southern Africa Medical Unit (SAMU) von Ärzte ohne Grenzen. „Gilead muss entscheiden, ob das Unternehmen den Schutz von Menschen oder die Wahrung von Kontrolle und Profit priorisiert. Die aktuelle Situation ist ein erschreckendes Echo der Politik der 1990er Jahre, als antiretrovirale Medikamente im globalen Norden bereitgestellt wurden, während dem Rest der Welt der Zugang verwehrt blieb und viele Menschen an HIV/AIDS starben.“ 

Ärzte ohne Grenzen fordert ein Folgetreffen mit Gilead bis zum 13. April, um zu klären, ob das Unternehmen Lenacapavir direkt verkaufen wird, welcher Preis dafür gelten soll und wann die Lieferung beginnen kann.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer