COP28: Ärzte ohne Grenzen-Präsident betont: „Wir dürfen nicht noch einmal scheitern“

Es wird zu wenig getan, um besonders gefährdete Menschen vor den negativen Auswirkungen der Klimakrise zu schützen. Die Staats- und Regierungschefs, die anlässlich der COP28 in Dubai zusammenkommen, müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit der am stärksten betroffenen Menschen zu schützen.

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30.11.2023

Es wird zu wenig getan, um besonders gefährdete Menschen vor den negativen Auswirkungen der Klimakrise zu schützen, warnt die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Die Staats- und Regierungschefs, die anlässlich der COP28 in Dubai zusammenkommen, müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um die Gesundheit der am stärksten betroffenen Gemeinschaften zu schützen.

„Ausgerechnet Menschen, die bereits unter schwierigen Bedingungen leben, müssen die Folgen der Klimakrise ausbaden. Dabei sind nicht sie es, die das Problem verursacht haben“, erklärt der internationale Präsident von Ärzte ohne Grenzen, Christos Christou. „Es ist tragisch und absurd, dass diejenigen, die am allerwenigsten für die klimaschädlichen Emissionen verantwortlich sind, besonders unter den Folgen leiden müssen. Wir sehen uns damit nicht nur mit einem Klimanotstand konfrontiert, sondern auch mit einer Krise der Menschlichkeit und Solidarität.“

Fakt ist: Die Klimakrise ist ein gesundheitlicher und humanitärer Notstand. Die schweren gesundheitlichen Auswirkungen der Klimakrise betreffen Menschen auf der ganzen Welt. Mit der weiteren Erhitzung des Planeten werden sie sich voraussichtlich weiter verschärfen. Ärzte ohne Grenzen ist in vielen Regionen aktiv, die besonders anfällig sind für die Auswirkungen der Erderwärmung. Die Organisation behandelt dort Patient:innen, die die gesundheitlichen Auswirkungen davon bereits heute am eigenen Leib spüren.

Auch heuer erlebten die Teams von Ärzte ohne Grenzen die Folgen von Extremwetterereignissen aus erster Hand und führten entsprechende Hilfsmaßnahmen durch. Dazu gehören die verheerenden Überschwemmungen im Südsudan, schwere Wirbelstürme in Myanmar, Madagaskar und Mosambik sowie Extremhitze und anhaltende Dürreperioden am Horn von Afrika, die Millionen Menschen an den Rand des Hungertodes getrieben haben. Zudem haben die Teams auf Cholera-Ausbrüche in verschiedenen Ländern sowie alarmierend hohe Dengue-Fallzahlen reagiert. Malaria und Mangelernährung sind eine tödliche Kombination und oft der Grund für volle Kinderstationen in den Kliniken von Ärzte ohne Grenzen in der Sahelzone – auch im östlichen Tschad. Dort leben viele Sudanes:innen, die vor dem brutalen Konflikt in ihrem Land geflohen sind.

„Der Klimanotstand ist kein Problem der Zukunft. Er ereignet sich bereits jetzt. Betroffene strömen tagtäglich in unsere Wartezimmer“, so Christou weiter. „Und warum? Weil Regierungen weltweit es versäumt haben, Emissionen zu reduzieren und besonders schwer betroffene Länder zu unterstützen.“

Während auf der Klimakonferenz über die Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele Bilanz gezogen wird, steht längst fest: Das Ausbleiben von Klimaschutzmaßnahmen bringt unsere Gesundheit in große Gefahr.

Besonders betroffene Länder und Gemeinschaften haben wiederholt um Unterstützung im Umgang mit den Folgen der Klimakrise gebeten – und blieben bis jetzt ungehört. Es braucht eine aufrichtige Verpflichtung zur Reduktion von Treibhausgasen sowie konkrete finanzielle und technische Unterstützung. Benötigt werden Maßnahmen, die dem Ausmaß der Krise tatsächlich gerecht werden. Zurzeit verschärfen sich humanitäre Notlagen weltweit, und besonders schutzbedürftige Menschen tragen die Folgen. Dabei darf die internationale Gemeinschaft nicht länger zusehen.

„Wir dürfen nicht noch einmal scheitern. Das können wir uns nicht leisten", betont Christou. "Wie viele Jahre sollen denn noch vergehen? Wie viele COPs wollen wir noch abhalten? Und wie viele Menschenleben werden betroffen sein – oder verloren gehen – bevor konkrete Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden?“

Eva Hosp, Media und Events

Eva Hosp

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