17.09.2025
Ärzte ohne Grenzen wendet sich mit einem dringenden Appell an die Regierungsspitzen in aller Welt: Sie haben es in der Hand, den Genozid in Gaza zu beenden.

Ärzte ohne Grenzen wendet sich mit einem dringenden Appell an die Regierungsspitzen in aller Welt: Sie haben es in der Hand, den Genozid in Gaza zu beenden. Die österreichische Sektion fordert Bundespräsident Van der Bellen, Bundeskanzler Stocker und Außenministerin Meinl-Reisinger auf, sich bei der sogenannten High-Level-Week im Rahmen der 80. Sitzung der UN-Generalversammlung mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einzusetzen. Hinter der Aufforderung stehen auch 20.000 Menschen in Österreich, die die Online-Petition „Schützt die Menschen in Gaza“ bereits unterzeichnet haben. 

Nach den neuesten Zahlen des Gesundheitsministeriums in Gaza wurden mehr als 64.000 Menschen getötet, darunter 20.000 Kinder. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher sein, da viele weitere Menschen unter den Trümmern vermutet werden. Es gibt keinen sicheren Ort in Gaza. Obwohl Gesundheitseinrichtungen einen besonderen Schutzstatus genießen, wurden Krankenhäuser bombardiert, medizinische Einrichtungen angegriffen und das Leben von medizinischem Personal und Patient:innen gefährdet. Derzeit ist kein Krankenhaus in Gaza voll funktionsfähig. Diejenigen, die noch teilweise in Betrieb sind, sind überlastet und es fehlt an lebensnotwendigen Vorräten. In der Provinz Gaza ist bereits eine Hungersnot bestätigt worden, Menschen, auch Frauen und Kinder, sterben an Mangelernährung. Die von Israel geführten und den USA finanzierten Verteilstellen der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) sind Orte des Tötens und der Entmenschlichung. Seit der Gründung der GHF Ende Mai wurden nach UN-Angaben mindestens 1.400 Menschen getötet und 4.000 weitere verletzt, als sie sich für Essen anstellten. 

Ärzte ohne Grenzen wendet sich mit einem offenen Brief an Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzler Christian Stocker und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, alles zu unternehmen, damit der Genozid in Gaza gestoppt wird. Sie werden die österreichische Delegation bei der bevorstehenden UN-Generalversammlung vertreten. 

In diesem Brief heißt es: „Jeden Tag sehen sich unsere 1.118 Kolleg:innen in Gaza mit der verheerenden Realität konfrontiert, dass sie einen Völkermord nicht verhindern können. Die Staats- und Regierungschef:innen dieser Welt können das, wenn sie sich zum Handeln entschließen. Zwei Jahre nach Beginn dieser unerbittlichen und extremen Gewalt sind die politischen Entscheidungen dafür überfällig. – Deshalb appellieren wir an Sie, auch im Namen von über 20.000 Menschen, die unsere Petition unterzeichnet haben. Nutzen Sie die Generalversammlung der Vereinten Nationen kommende Woche, um zu handeln. Werden Sie aktiv und stoppen Sie den Genozid in Gaza!“

Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, ergänzt: „Wir fordern Österreichs Staatsoberhaupt und die Regierungsspitze auf, ihr ganzes diplomatisches Gewicht in die Waagschale zu werfen, damit der Genozid in Gaza endet. Jeder Tag des Zögerns und der leeren Worte führt zu weiteren Toten.“

Petitionen im deutschsprachigen Raum mit mehr als 300.000 Unterschriften

Ärzte ohne Grenzen hat vor einigen Wochen Petitionen mit dem Titel „Schützt die Menschen in Gaza“ in Deutschland, der Schweiz und in Österreich gestartet, die bereits von mehr als 300.000 Menschen unterzeichnet wurden. Die österreichische Petition hat Anfang der Woche die 20.000er-Marke überschritten. „Unsere Forderungen haben wir aus den Erfahrungen unserer Mitarbeiter:innen im Gazastreifen abgeleitet. Sie werden mitgetragen von zahlreichen Österreicher:innen und von Menschen in aller Welt. Das hat ein Gewicht, das unsere Politiker:innen nicht ignorieren dürfen“, so Laura Leyser abschließend.

Offener Brief "Ärzt:innen können einen Genozid nicht stoppen – Regierungen schon" im Original

Ärzte ohne Grenzen Österreich hat diesen Brief am 17. September 2025 an Bundespräsident Van der Bellen, Bundeskanzler Stocker und Außenministerin Meinl-Reisinger geschickt.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer