27.02.2026
Ärzte ohne Grenzen will so lange wie möglich lebensrettende Hilfe leisten

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Trotz des bevorstehenden Endes der Frist, bis zu der 37 NGOs die besetzten palästinensischen Gebiete verlassen sollen, ist Ärzte ohne Grenzen entschlossen, weiterhin Hilfe zu leisten.

Die internationale medizinische humanitäre Organisation Ärzte ohne Grenzen fordert angesichts der anhaltenden Katastrophe in Gaza eine massive Ausweitung lebensrettender Hilfe sowie ungehinderten humanitären Zugang. Im Gazastreifen sterben weiterhin Menschen infolge anhaltender Gewalt und Beschränkungen von Hilfslieferungen durch die israelischen Behörden.

Trotz dieser Einschränkungen bekräftigt Ärzte ohne Grenzen, so lange wie möglich in den besetzten palästinensischen Gebieten – im Gazastreifen und im Westjordanland – zu bleiben und auf Basis der Registrierung bei der Palästinensischen Autonomiebehörde Hilfe zu leisten.
Nach internationalem humanitärem Völkerrecht sind die israelischen Behörden als Besatzungsmacht verpflichtet, die Bereitstellung humanitärer Hilfe sicherzustellen. Doch neue restriktive Vorschriften, die 37 NGOs verpflichten, die palästinensischen Gebiete bis zum 1. März 2026 zu verlassen, drohen die ohnehin unzureichende Hilfe drastisch zu reduzieren. Regierungen weltweit müssen sicherstellen, dass die Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofs respektiert werden, einschließlich der Ermöglichung humanitärer Hilfe.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet daran, die Versorgung der Patient:innen unter zunehmenden Restriktionen fortzuführen“, sagt Christopher Lockyear, Generalsekretär von Ärzte ohne Grenzen. „Der Bedarf ist immens, und die drastischen Einschränkungen haben tödliche Folgen. Hunderttausende Patient:innen benötigen medizinische und psychosoziale Versorgung, und Zehntausende sind auf langfristige medizinische, chirurgische und psychologische Nachsorge angewiesen.“

Trotz des Friedensplans, der unter Führung der USA ausgearbeitet wurde, beschränken oder verweigern die israelischen Behörden weiterhin massiv den Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Die Lebensbedingungen bleiben menschenwürdig, die Gewalt fordert täglich Tote und Verletzte unter der palästinensischen Bevölkerung. In den vergangenen Wochen ist das Ausmaß an humanitärer Hilfe, die Gaza erreicht, deutlich zurückgegangen. Auch im Westjordanland steigt der medizinische und humanitäre Bedarf weiter an – vor dem Hintergrund einer alarmierenden Zunahme von Gewalt, Zwangsvertreibungen, bewaffneten Siedlerangriffen, Zerstörungen von Häusern, Siedlungsausbau und Behinderungen der Gesundheitsversorgung.

Der Entzug der Registrierung von Ärzte ohne Grenzen durch die israelischen Behörden wirkt sich bereits auf die Versorgung von Patient:innen aus. Der Druck auf das Gesundheitssystem, das in den vergangenen zwei Jahren schwer zerstört wurde und durch anhaltende Beschränkungen bei essenziellen medizinischen Gütern zusätzlich limitiert ist, steigt an. Seit Anfang Jänner haben die israelischen Behörden Ärzte ohne Grenzen daran gehindert, internationales Personal und zusätzliche Hilfsgüter in die besetzten palästinensischen Gebiete zu bringen. Bis zum 1. März 2026 muss das gesamte internationale Personal der Hilfsorganisation die Gebiete verlassen. Die medizinischen Programme von Ärzte ohne Grenzen sind bereits jetzt mit Engpässen konfrontiert, und die medizinischen Teams sind besonders besorgt über ihre Möglichkeiten, ihre Patient:innen weiterhin versorgen zu können. Die Leistungen umfassen Notfallbehandlung für Verletzte, Rehabilitation, kindermedizinische Versorgung, Angebote im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie die Behandlung nichtübertragbarer Krankheiten und psychiatrischer Erkrankungen.

Langfristig ist die Hilfe von Ärzte ohne Grenzen unter diesen restriktiven Bedingungen unsicher und möglicherweise nicht aufrechtzuerhalten.

„Die Programme von Ärzte ohne Grenzen sind lebenswichtige Rettungsanker. Medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe in diesem Umfang lassen sich nicht ohne Weiteres ersetzen“, sagt Christopher Lockyear. „Angesichts der anhaltenden humanitären Katastrophe wird Ärzte ohne Grenzen so lange wie möglich in den besetzten palästinensischen Gebieten bleiben und alles tun, was wir können. Wir fordern die israelischen Behörden auf, humanitäre Hilfe in großem Umfang zu ermöglichen. Von der internationalen Gemeinschaft fordern wir, sicherzustellen, dass die Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza und im Westjordanland nicht ihrem Schicksal überlassen werden.“

Die neuen restriktiven Registrierungsanforderungen, die als Vorwand genutzt werden, um Hilfe zu behindern, fallen mit einer koordinierten globalen Kampagne von Online-Angriffen auf Ärzte ohne Grenzen zusammen, die von der israelischen Regierung unterstützt wird.

„Diese Kampagne, die auf falschen und unbelegten Anschuldigungen basiert, zielt darauf ab, Ärzte ohne Grenzen zu diskreditieren, die Stimme unserer Organisation zum Schweigen zu bringen und die Bereitstellung medizinischer Versorgung zu behindern“, sagt Christopher Lockyear. „In einem Kontext, in dem internationalen Journalist:innen der Zugang verwehrt wird und palästinensische Medienverteter:innen regelmäßig getötet werden, droht mit dieser Einschränkung für NGOs eine weitere Ebene der Zeugenschaft über die anhaltende Gewalt und ihre langfristigen Auswirkungen wegzufallen.“

Ärzte ohne Grenzen ist seit 1988 in den palästinensischen Gebieten tätig und leistet medizinische und psychosoziale Versorgung sowie umfangreiche Wasser- und Sanitärversorgung. Im Jahr 2025 betreute Ärzte ohne Grenzen eines von fünf Krankenhausbetten in Gaza, begleitete eine von drei Geburten, führte 913.284 ambulante Behandlungen durch und verteilte mehr als 700 Millionen Liter Wasser. Im Jänner 2026 führte Ärzte ohne Grenzen 83.579 ambulante Behandlungen durch, behandelte 40.646 Notfälle und versorgte 5.981 Patient:innen mit schweren Verletzungen. Angesichts des überwältigenden Bedarfs hatte Ärzte ohne Grenzen geplant, die Hilfsprogramme 2026 mit einem Budget von 130 Millionen Euro auszuweiten. Diese Unterstützung ist nun von großer Unsicherheit überschattet.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer