22.07.2025
Am 20. Juli erließen die israelischen Streitkräfte Evakuierungsanordnungen für Teile von Deir al-Balah – bislang eines der wenigen einigermaßen sicheren Gebiete im Gazastreifen. Diese Anordnungen betrafen auch Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen, die in Deir al-Balah leben.

36 palästinensische Kolleg:innen mussten eine stark frequentierte Gesundheitseinrichtung in Al-Mawasi abrupt verlassen, um ihre Familien in Sicherheit zu bringen – obwohl sie gerade Patient:innen versorgten, die bei Verteilzentren für Nahrungsmittel der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) verletzt wurden. 

Ärzte ohne Grenzen bekräftigt erneut die Forderung an die österreichische Bundesregierung, alle diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Mittel auszuschöpfen, damit die Verletzungen des humanitären Völkerrechts in Gaza rasch beendet werden. Gestern wurde ein offener Brief veröffentlicht, den Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, weitere 27 Amtskolleg:innen aus aller Welt und EU-Kommissarin Hadja Lahbib unterzeichnet haben. „Dieser Brief findet klare Worte. Wir begrüßen sehr, dass sich Österreich so klar positioniert. Jetzt müssen weitere Taten folgen, damit die Menschen in Gaza endlich die Hilfe bekommen, die sie so dringend benötigen“, sagt Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich, und lädt zur Unterzeichnung der Petition „Schützt die Menschen in Gaza“ ein, die vergangene Woche gestartet wurde. 

Laut Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) wurden mit den jüngsten Evakuierungsanordnungen etwa 50.000 bis 80.000 Menschen, die bereits mehrfach vertrieben worden waren, ein weiteres Mal zur Flucht gezwungen. Sie werden in einem immer kleiner werdenden Gebiet zusammengedrängt.

Die israelischen Behörden weiten die Evakuierungsanordnungen zunehmend auf den gesamten Gazastreifen aus – vom Norden bis in das mittlere Gebiet um Deir al-Balah – und erklären inzwischen über 87 % der Fläche zur militärischen Sperrzone. Rund zwei Millionen Palästinenser:innen haben weniger als 13 % ihres Gebietes als möglichen Zufluchtsort. 

Auch eine der zentralen Lebensadern für die Wasserversorgung im Süden Gazas ist durch diese Anordnungen schwer beeinträchtigt. Gestern konnten keine Wassertankwagen mehr zur Anlage gelangen. Wer versucht, von dort aus Wasser zu verteilen, begibt sich in Gefahr. Wasseraufbereitungsanlagen und -verteilsysteme sind lebensnotwendig für die Bevölkerung in Gaza und müssen unbedingt geschützt werden.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer