11.10.2021

Starke Regenfälle führen zu weit verbreiteten Überschwemmungen im Südsudan dieses Jahr. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bisher mehr als 400.000 Menschen betroffen. Währenddessen hält die Regenzeit an. 

Viele der am stärksten betroffenen Gemeinden liegen im Bundesstaat Jonglei, im Osten des Landes. Nebenflüsse des Weißen Nils sind hier über die Ufer getreten, da Regenfälle früher als gewöhnlich einsetzten. In den Dörfern Haat und Pakur im westlichen Bezirk Ayod mussten seit Mai etwa 6.000 Menschen ihre Häuser verlassen.

Klinik unter Wasser

Am 8. August zerstörten die Fluten sogar eine kleine Klinik und viele Häuser in Haat. Unsere Teams wurden evakuiert und in das vier Stunden mit dem Motorboot entfernte Old Fangak gebracht. Tage später kehrten sie zurück und begannen die Arbeit mit mobile Kliniken weiterzuführen.

Floodings in Haat and Old Fangak
Damaris Giuliana/MSF
Die Überschwemmungen zwingen die Menschen ihre Häuser zu verlassen.

"In der Region um Haat erlebten wir katastrophale Überschwemmungen", sagt Emilie Allaire, die Leiterin unseres medizinischen Teams in Old Fangak. "Große Teile der Gemeinde waren mehrere Meter unter Wasser. Die Einwohner:innen mussten auf das letzte Stück Land flüchten, das nicht überschwemmt war."

Überschwemmungen gefährden Bevölkerung

Die betroffenen Gemeinden wurden komplett zerstört. Die Menschen leben in Hütten, die sie aus Stöcken und manchmal aus Plastikplanen gebaut haben. Es gibt keine Latrinen und kein sauberes Trinkwasser. 

Wir fuhren von Insel zu Insel, um Kinder und Erwachsene medizinisch zu versorgen.

Emilie Allaire, die Leiterin unseres medizinischen Teams in Old Fangak
Floodings in Haat and Old Fangak
Damaris Giuliana/MSF
Mobile Teams behandeln die wartenden Patient:innen.

Das Team der mobilen Klinik führte vom 29. August bis zum 1. September 474 und vom 17. bis 21. September 651 medizinische Behandlungen durch. Der medizinische Bedarf ist im Vergleich zu den Wochen vor der Überschwemmung sehr hoch. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Durchfall, Infektionen der oberen Atemwege, Harnwegsinfektionen, Malaria und Mangelernährung. 

Kanus als Haupttransportmittel

Kanus sind während der Überschwemmungen das Haupttransportmittel, aber es würde mehrere Tage dauern, auf diesem Weg eine medizinische Einrichtung zu erreichen.

Floodings in Haat and Old Fangak
Damaris Giuliana/MSF
Nyadak Kulang muss ins Krankenhaus in Old Fangak gebracht werden.

Das Team diagnostizierte bei Nyadak Kulang eine schwere Malaria. Sie war im siebten Monat schwanger und brauchte deshalb eine spezielle Behandlung. Sie wurde in unser Krankenhaus in Old Fangak gebracht. Vier Stunden dauerte die Fahrt mit dem Schnellboot. Nyadaks Zustand begann sich nach der Behandlung zu verbessern.

Wir hatten kein sauberes Wasser. Die Menschen um mich herum auf der Insel waren krank. Sie litten an Durchfall und Erbrechen.

Nyadak Kulang, Patientin

Überschwemmungen führen zu Nahrungsmittelknappheit

Auch die Nahrungsmittelknappheit ist ein weit verbreitetes Problem. Die meisten Einheimischen sind Subsistenzbäuer:innen, aber die wiederkehrenden Überschwemmungen haben die Arbeit unmöglich gemacht. Das Vieh ist entweder ertrunken oder verhungert, weil das Gras, das sie fressen, vom Wasser bedeckt ist. Die Menschen berichten, dass sie ausschließlich von Fisch und Seerosen ernähren.

Floodings in Haat and Old Fangak
Damaris Giuliana/MSF
Wegen der Überschwemmungen sind immer mehr Kinder mangelernährt.

Unsere Hilfe in den überschwemmten Gebieten

Wir…

  • behandeln mit mobilen Kliniken Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen, 
  • impfen gegen Masern, Tetanus und Diphtherie,
  • behandeln mäßig und stark mangelernährte Kinder mit therapeutischer Nahrung,
  • versorgen Kinder und Erwachsene aufgrund der allgemeinen Ernährungsunsicherheit mit Notrationen,
  • und verteilen Decken, mit Insektiziden behandelte Moskitonetze, Plastikplanen, Kochutensilien und andere lebenswichtige Güter. 

Weil die Überschwemmungen weiter anhalten, sind unsere Teams vor Ort besorgt:

Die medizinische Versorgung, die wir leisten, reicht nicht aus. Die Menschen sind dem Regen ungeschützt ausgesetzt. Sie brauchen Unterkünfte, sie brauchen Nahrung, sie brauchen alles.

Paul Gany Hoth, Ärzte ohne Grenzen-Mitarbeiter für klinische Einsätze

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