16.02.2026
Nahe einer der aktivsten Frontlinien im Sudan konnten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Geflüchtetenlager von al-Obeid mit dem Aufbau neuer Wasser- und Sanitärinfrastruktur beginnen. Dort leben schätzungsweise 25.000 Menschen unter prekären Bedingungen. Das Risiko von Krankheitsausbrüchen ist hoch.

Die Region Kordofan ist eine der instabilsten und aktivsten Konfliktzonen und für humanitäre Organisationen besonders schwer zugänglich. In Al-Mina Al-Muwahad, dem zentralen Geflüchtetenlager von al-Obeid in Nord-Kordofan, ist die Sanitärversorgung für die etwa 25.000 dort lebenden Menschen völlig unzureichend. Fallweise müssen sich 500 Menschen eine Latrine teilen. Auch sauberes Trinkwasser ist knapp: Pro Person stehen nur drei Liter pro Tag zur Verfügung. Dies erhöht das Risiko von Krankheitsausbrüchen erheblich. Insbesondere Kinder, Schwangere und ältere Menschen sind gefährdet. 

Teams von Ärzte ohne Grenzen installieren daher nun Wasserbehälter und bauen zusätzliche Latrinen. Zudem unterstützen sie die Krankheits- und Ernährungsüberwachung des Gesundheitsministeriums und koordinieren mit den lokalen Behörden die medizinische Versorgung im Lager sowie im Lehrkrankenhaus von al-Obeid. 

„Viele der ursprünglichen Einwohner von al-Obeid sind nicht mehr hier. Stattdessen beherbergt al-Obeid heute zehntausende Vertriebene, die zu verschiedenen Zeitpunkten des Krieges hier Zuflucht gesucht haben“, sagt Al Tayeb Mahmoud Mahammed, Teamleiter von Ärzte ohne Grenzen in al-Obeid. „Da die Frontlinie weniger als 40 Kilometer entfernt ist, kommen fast täglich weitere Menschen in die Stadt. Die Ankommenden sind zutiefst verängstigt, da die Kämpfe immer näher rücken. Dennoch fühlen sie sich hier sicherer als dort, wo sie hergekommen sind und Gewalt, Plünderungen und Schlägen ausgesetzt waren.“ 

„Da die Kämpfe weitergehen und die Zahl der Vertriebenen steigt, ist der humanitäre Bedarf im gesamten Sudan nach wie vor immens und wird größtenteils nicht gedeckt“, sagt Marta Cazorla, Leiterin der Projekte im Osten des Sudan. „Die jetzige Hilfe ist ein wichtiger Schritt, aber es wird dringend viel mehr benötigt.“ 

„Seit vielen Monaten berichten unsere Teams, wie Zugangsbeschränkungen und administrative Hürden verhindern, dass lebensrettende Hilfe die Menschen im Sudan erreicht“, erklärt Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Wir fordern alle Konfliktparteien eindringlich auf, uneingeschränkten humanitären Zugang in sämtlichen betroffenen Regionen des Sudan zu gewährleisten. Österreich und die internationale Gemeinschaft müssen ihren Einfluss geltend machen und die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts einfordern.“

Laut der Internationalen Organisation für Migration wurden seit Beginn des Konflikts im Sudan am 15. April 2023 mehr als 15 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben, darunter 11,5 Millionen Binnenvertriebene im Sudan und etwa vier Millionen Menschen, die auf dem Höhepunkt der Krise über die Grenzen in Nachbarländer geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen betreibt oder unterstützt 20 Krankenhäuser und 16 Gesundheitszentren im Sudan. Die medizinischen Teams bieten chirurgische Versorgung, Wundversorgung, Physiotherapie, Geburtshilfe, Ernährungs- und Kinderheilkunde, allgemeine Gesundheitsversorgung, routinemäßige und reaktive Impfkampagnen sowie psychologische Betreuung in acht der 18 Bundesstaaten des Landes an. 
 

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer