13.04.2026
Hilfszusagen allein reichen nicht aus. Humanitäres Völkerrecht muss wieder respektiert werden.

Vor der Sudan-Konferenz in Berlin anlässlich des dritten Jahrestags des Kriegsbeginns befinden sich die Menschen in dem Land in einer zunehmend verzweifelten Lage. Immer wieder gibt es Angriffe auf die Zivilbevölkerung. Zudem steht das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch und die Versorgungslage ist desaströs. Mehr als 33 Millionen Menschen im Sudan sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, knapp 14 Millionen Menschen wurden vertrieben. Besonders schlimm ist die Situation in der Region Darfur. Ärzte ohne Grenzen fordert möglichst konkrete Ergebnisse der Konferenz, damit die Zivilbevölkerung besser geschützt wird. 

„Es ist dringend nötig, die Hilfsmittel für die Menschen im Sudan aufzustocken, doch das allein reicht nicht. Ärzte ohne Grenzen hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Angriffe auf die Zivilbevölkerung, auf medizinische Einrichtungen und deren Personal beobachtet. Wir erwarten von der Konferenz konkrete Maßnahmen, damit die Kriegsparteien mit diesen Attacken aufhören. Das humanitäre Völkerrecht im Sudan muss wieder respektiert werden. Außerdem müssen diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die Gräueltaten begangen haben“, sagt Roland Suttner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. 

Allein im Jahr 2025 behandelten Teams von Ärzte ohne Grenzen im Sudan mehr als 7.700 Patient:innen, die körperliche Gewalt erlebt haben, und betreuten mehr als 4.200 Mal Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, die systematisch als Kriegswaffe eingesetzt wird und unter der vor allem Frauen leiden. 

Masern, Hepatitis, Cholera: Immer wieder vermeidbare Krankheitsausbrüche 
Darüber hinaus wurden im Jahr 2025 mehr als 15.000 Kinder wegen akuter Mangelernährung behandelt – ein Zustand, der weiter zunimmt. Er erhöht das Risiko für Betroffene, an Krankheiten zu sterben, die unter normalen Umständen gut behandelbar wären. 

Durch die mangelhafte internationale Unterstützung wird die ohnehin katastrophale Lage weiter verschlimmert. Immer wieder kommt es etwa zu Ausbrüchen vermeidbarer Krankheiten – von Masern in Darfur über Hepatitis E im Bundesstaat Al-Dschasira bis hin zu Cholera in Khartoum oder im Bundesstaat White Nil.
 
Krieg wird durch Drohneneinsatz noch brutaler 
In den vergangenen Monaten hat Ärzte ohne Grenzen eine beunruhigende Veränderung in der Kriegsführung beobachtet. Von beiden Kriegsparteien werden verstärkt Drohnen für Angriffe eingesetzt. Diese sind nicht nur auf militärische Ziele gerichtet. Oft geraten auch Zivilist:innen unter Beschuss. Seit Februar 2026 hat Ärzte ohne Grenzen rund 400 Menschen wegen Verletzungen durch Drohnenangriffe behandelt, nachdem zivile Gebiete im Osten des Tschad sowie in verschiedenen Regionen Darfurs getroffen worden waren. 

Seit April 2023 wurden bei 213 Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im Sudan mehr als 2.000 Menschen getötet und 720 verletzt – im Jahr 2025 entfielen laut Weltgesundheitsorganisation 82 Prozent aller weltweiten Todesfälle durch Angriffe auf das Gesundheitswesen auf den Sudan. Allein Ärzte ohne Grenzen hat im selben Zeitraum 100 gewaltsame Vorfälle dokumentiert, die sich gegen ihre Mitarbeitenden oder von ihr unterstützte Einrichtungen richteten. 

„Das medizinische Personal sowie die freiwilligen Helfer:innen leisten Außergewöhnliches unter den schwierigen Bedingungen im Sudan. Sie versuchen, genau dort Unterstützung zu bieten, wo sie am dringendsten gebraucht wird – trotz anhaltender Angriffe und der weitgehenden Untätigkeit der internationalen Gemeinschaft. Insgesamt bleibt die Situation jedoch verheerend“, so Roland Suttner. „Dennoch besteht weiterhin die Möglichkeit, Millionen von Menschen vor weiterem Leid zu schützen.“ 
 
Seitens Ärzte ohne Grenzen wird Ahmed Abdelrahman, Leiter der Programmabteilung der Hilfsorganisation in Brüssel teilnehmen. Er wird auf der Konferenz ein kurzes Statement zur humanitären Lage im Sudan einbringen.

Werner Reiter

Werner Reiter

Press Officer