23.11.2021

Mehr als 780.000 Menschen sind von einer der schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten im Südsudan betroffen. Häuser, Gesundheitseinrichtungen, Schulen und Märkte sind überflutet, Ackerbau und Viehzucht - Lebensgrundlage der meisten Menschen im Südsudan - stark beeinträchtigt. Hunderttausende mussten fliehen, bereits bestehende Geflüchtetenlager sind am Rande ihrer Kapazitäten. 

Es ist das dritte Jahr in Folge, das dem Südsudan extreme Überschwemmungen bringt. Seit Mai diesen Jahres sind acht der zehn Bundesstaaten von den Fluten betroffen - die nördlichen Bundesstaaten Jonglei, Unity, Northern Bahr el Ghazal und Upper Nile am stärksten. Der Wasserstand steigt weiter an, Wettervorhersagen deuten auf weiteren Niederschlag hin. Teams von Ärzte ohne Grenzen sind vor allem in den Bundesstaaten Jonglei und Unity im Einsatz. 

Zugang zu medizinischer Versorgung schwierig

Viele der 11 Millionen Einwohner:innen im Südsudan sind ohnehin bereits dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen - nicht zuletzt aufgrund der weiten Verbreitung von Malaria. Die Überschwemmungen belasten zusätzlich -  nach den jüngsten Fluten benötigen die Menschen sofortige Hilfe in Form von medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und anderen Hilfsgütern wie Unterkünften, Moskitonetzen und Kochutensilien. 

Die Zugänglichkeit zu verschiedenen Gemeinden ist für Hilfsorganisationen im Südsudan generell oft eine Herausforderung. Die Überschwemmungen erschweren die Erreichbarkeit zusätzlich. Umgekehrt sind Gesundheitseinrichtungen für die Südsudanes:innen erschwert erreichbar. 

Die humanitäre Hilfe muss unverzüglich verstärkt werden, 

Andere Hilfsorganisationen und die südsudanesische Regierung müssen unverzüglich mit Nahrungsmitteln, Wasser und Sanitäranlagen, Unterkünften und Gesundheitsdienstleistungen unterstützen.

Floodings in South Sudan - aerial images
MSF/Tomas Bendl
Luftaufnahme eines überschwemmten Gebiets im Südsudan

Dringende Hilfe in Bentiu benötigt

Bentiu, die Hauptstadt des Bundesstaates Unity, ist besonders stark von den Überschwemmungen betroffen. Die Menschen fliehen in großen Massen, um die 25.000 neue Vertriebene kamen in Bentiu an. Die Bevölkerung des Vertriebenenlagers Bentiu (ehemals ein Lager für den Schutz von Zivilist:innen) ist innerhalb weniger Monate um 12.000 Menschen angewachsen, das Lager beherbergt nun rund 120.000 Menschen.

Das Lager und die Landebahn für Flugzeuge - für den Transport von Hilfsgütern unentbehrlich - sind von Dämmen vor den Fluten geschützt. Sollten diese brechen, sind die Menschen ausgeliefert.

Die Situation im Lager Bentiu ist dramatisch. Die Wasserversorgung und die sanitären Verhältnisse sind inakzeptabel: Es gibt kaum benutzbare Toiletten, es herrscht ein gravierender Mangel an sauberem Wasser. Das Risiko eines Ausbruchs von durch Wasser übertragenen Krankheiten wie Hepatitis E, Durchfallerkrankungen, Cholera und Malaria ist groß.

Es kommt humanitäre Hilfe in Bentiu an, doch ist diese zu langsam und zu gering. 

Mangel an Einkommen und Nahrungsmitteln

In ganz Bentiu, insbesondere im Lager, fehlt es an Nahrungsmitteln. Die Lebensmittelrationen des Welternährungsprogramms (WFP) für die Vertriebenen im Lager wurden im April 2021 um 50 Prozent gekürzt - und deckt nun bei weitem nicht die Tausenden von Menschen ab, die seitdem angekommen sind. Die Familien teilen sich das Essen. Oft wird das, was für einen Haushalt bestimmt ist, auf drei Haushalte aufgeteilt. 

Infolgedessen beobachten die Teams von Ärzte ohne Grenzen eine erhöhte Zahl an Kindern mit akuter bis schwer akuter Unterernährung.

Viele Frauen im Lager haben ihre Einkommensquelle verloren, weil die Überschwemmungen das Sammeln von Brennholz für den Verkauf unmöglich gemacht haben. Der Mangel an Brennholz und Holzkohle zum Kochen ist besorgniserregend, die Preise haben sich beinahe verdoppelt.
 

Ärzte ohne Grenzen in Bentiu

Nach den Überschwemmungen haben wir unsere Hilfe in Bentiu verstärkt. Ein Nothilfeteam - bestehend aus medizinischem Personal, Spezialist:innen für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Notfallkoordinator:innen - unterstützt nun das bestehende Personal sowohl im Lager als auch in der Stadt Bentiu und Umgebung.

Unser Krankenhaus im Lager Bentiu ist völlig überlastet, selbst nachdem wir kürzlich 30 zusätzliche Betten zu den bestehenden 135 Betten eingerichtet haben. Die meisten Patient:innen sind Kinder.

Das staatliche Krankenhaus von Bentiu - nicht von Ärzte ohne Grenzen betrieben - ist überlastet und die medizinische Grundversorgung ist unzureichend. Unsere Teams führen in und um der Stadt Bentiu mobile Kliniken, in denen sie medizinische Grundversorgung, Ernährungsberatung, Routineimpfungen und Hilfe bei sexueller Gewalt anbieten. Vor allem Fälle von Malaria, akuter Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfektionen und Unterernährung wurden behandelt.

MSF Hospital, Bentiu - Paediatrics Ward
MSF/Lauren King
Ein Arzt und ein Krankenpfleger von Ärzte ohne Grenzen untersuchen ein 6-jähriges Kind mit hohem Fieber im Krankenhaus im Vertriebenenlager Bentiu. Viele Kinder dort leiden an Unterernährung, Durchfall oder Lungenentzündung.

Unsere Hilfe im Südsudan

Weitere Teams von Ärzte ohne Grenzen wurden in Leer im Bundesstaat Unity und in Old Fangak im Bundesstaat Jonglei eingesetzt. In beiden Gebieten sind Tausende von Menschen durch die Überschwemmungen vertrieben worden.

In Leer verzeichneten unsere Teams vor Ort einen Anstieg der Zahl an Patient:innen mit akuten Durchfallerkrankungen und Schlangenbissen. Die Menschen in diesen Gebieten benötigen Nahrungsmittel und andere Hilfsgüter sowie funktionierende Wasser- und Sanitäranlagen.

In Old Fangak haben unsere Teams mobile Kliniken eingerichtet - vor allem zur Behandlung von Malaria, Durchfallerkrankungen, und Atemwegsinfektionen. Im nahe gelegenen Bezirk Ayod mussten 6.000 Menschen fliehen und fanden sich auf durch die Fluten entstandenen "Inseln" ausgesetzt, als jene im August stärker wurden; eine Ambulanz von Ärzte ohne Grenzen wurde zerstört und das Team evakuiert.

Bei einer Untersuchung im August auf jenen Inseln wurde festgestellt, dass mehr als ein Viertel der Kinder entweder mäßig oder schwer akut unterernährt waren. Als Reaktion darauf haben unsere Teams therapeutische Nahrungsmittel bereitgestellt.

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