Große Bedürfnisse & hohe Erwartungen

Kommentar von Emails aus dem Einsatz
16.06.2014
Große Bedürfnisse & hohe Erwartungen

Juba, 15. Juni 2014:

Ärzte ohne Grenzen ist sehr willkommen in Bor, aber wir haben auch eine Historie in der Stadt! Bis 2008 leitete Ärzte ohne Grenzen das staatliche Krankenhaus mit über 400 MitarbeiterInnen, bevor es wieder an das Gesundheitsministerium übergeben wurde. In all meinen Gesprächen, die ich letzte Woche mit den offiziellen Stellen führen durfte – und das waren viele – bekam ich die hohe Erwartungshaltung zu spüren. Der Krankenhausdirektor möchte, dass wir das gesamte Krankenhaus unterstützen - nicht nur einige prioritäre Bereiche -; der Bezirkshauptmann („Commissionar“) möchte, dass wir bereits „morgen“  in Bor-County in den zahlreichen, ländlichen Gesundheitsposten tätig wird; der Gesundheitsminister bittet um Unterstützung – gesetzt den Fall, dass es auch in Bor zu einem Cholera-Ausbruch kommen sollte.

Wie bereits erwähnt, der Bedarf ist groß, und sollte es in den nächsten Monaten auch noch vielleicht zu einer Ernährungskrise kommen, wird der Druck auf alle NGOs und die international Gemeinschaft steigen, verstärkt zu handeln.

Vergangenen Donnerstag ist nun auch unsere Administratorin, Ina, angekommen. Es ist ihr erster Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen und das ganze Team hilft ihr, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Ich kläre sie vor allem über die Sicherheitslage in Bor auf, zeige ihr das Krankenhaus und gehe wichtige administrative Prozesse mit ihr durch, die wir in den nächsten Tagen und Wochen einführen werden. Auch für sie wird es interessant werden, ein neues Projekt von Beginn an zu begleiten.

Tags darauf handeln wir bereits mit dem Krankenhausdirektor ein kleines Büro für Ärzte ohne Grenzen auf dem Krankenhausgelände aus. Die Zeiten, wo ich mein „Outdoor-Büro“ draußen unter einem Baum aufgeschlagen habe – wie damals bei meinem ersten Einsatz in Kolumbien – sind nun vorbei!

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MSF / Ärzte ohne Grenzen

Mein 1. Einsatz mit Ärzte ohne Grenzen, bei dem ich von 2004 bis 2006
als Finanz-Controller in Kolumbien tätig war © MSF

Am Samstag haben wir es endlich geschafft, einen Tankwagen zu organisieren, der die große Klärgrube – den Abwassertank – der pädiatrischen Station leer pumpen kann. Jetzt können wir beginnen, die Toiletten zu renovieren und neu anzuschließen. Schön zu sehen, dass sich etwas bewegt… auch wenn’s vielleicht nicht ganz so gut riecht ;-)! Die Kinder (und die Mütter) wird es freuen, wenn sie nicht mehr den weiten Weg von ca. 200m bis zur nächsten Toilette auf sich nehmen müssen, vor allem bei Regen.

Heute Sonntag machen unser Arzt und die beiden Krankenpfleger ihre Vormittagsvisite, danach hat das gesamte Team frei… Höhepunkt des Tages – gemeinsames Spaghetti kochen!

Bis demnächst!

Lg,
Mario

Mario Thaler ist Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich und derzeit auf Einsatz im Südsudan. Dort kümmert er sich als Koordinator um das Nothilfe-Projekt in Bor.

Mehr als 75.000 Menschen flohen wegen der intensiven Kämpfe zwischen Regierungs- und Rebellentruppen aus der Hauptstadt des Bundesstaates Jonglei. Die Flüchtlinge - meist Frauen und Kinder - haben in der Regel nur das bei sich, was sie tragen können. Sie brauchen dringend Nahrungsmittel, Wasser, Planen und medizinische Hilfe. Mehr als 330 internationale und 3.300 südsudanesische MitarbeiterInnen arbeiten teilweise unter Extrembedingungen und müssen flexibel auf Kämpfe und neue Flüchtlingsbewegungen reagieren.

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