20.05.2026
Seit der Ebola-Ausbruch in DR Kongo im Mai 2026 öffentlich wurde, herrscht international große Sorge. Unsere Teams sind vor Ort, behandeln Verdachtsfälle und richten spezielle Ebola-Behandlungszentren ein.

Themengebiet:

Letztes Update: 30.07.2026

Im Mai 2026 bricht in der Demokratischen Republik Kongo erneut Ebola aus – diesmal in einer besonders verwundbaren Region, mit dem Bundibugyo-Virus, gegen das es keinen zugelassenen Impfstoff gibt. 

Wir sind vor Ort und bereiten einen großangelegten Einsatz vor. Was aktuell bekannt ist, warum die Lage so ernst ist – und wie Sie helfen können.

Was aktuell über den Ebola-Ausbruch bekannt ist

Am 15. Mai 2026 hat das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo offiziell einen Ausbruch der Ebola-Krankheit, des Bundibugyo-Virus, erklärt. Betroffen sind die Provinzen Ituri, Nord-Kivu und Süd-Kivu.

Stand 26. Juli wurden 3.262 bestätigte Fälle und 1.400 bestätigte Todesfälle gemeldet – sowie 583 Genesene. Innerhalb von nur 9 Wochen ist dieser Ausbruch zum drittgrößten und am schnellsten wachsenden Ebola-Ausbruch aller Zeiten geworden: Im zweiten Monat hat sich die Zahl der Fälle verdreifacht, die Zahl der Todesfälle mehr als verfünffacht. Noch nie wurden bei einem Ebola-Ausbruch in so kurzer Zeit so viele Fälle registriert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Lage am 17.5. als internationale Gesundheitsnotlage eingestuft. Bereits einen Tag später, am 18. Mai, erklärte auch die Africa CDC (Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union) einen kontinentalen Gesundheitsnotstand.

Ebola Ausbruch in der DR Kongo - Karte von den Einsatzgebieten von Ärzte ohne Grenzen
MSF

Ituri bleibt mit über 90 Prozent der Fälle das Epizentrum. In Nord-Kivu steigt die Zahl bestätigter Fälle zuletzt ebenfalls an, vor allem in Gebieten, die von Konflikten betroffen sind. In Uganda wurden bis Ende Juni 20 Fälle bestätigt. Der letzte Patient wurde am 16. Juli entlassen – damit beginnt der 42-tägige Countdown zur Ausrufung des Endes des Ausbruchs in Uganda.

Dieser Ausbruch ist der siebzehnte in der DR Kongo seit der Entdeckung des ersten Falles im Jahr 1976. In keinem anderen Land weltweit wurden mehr Ebola-Ausbrüche verzeichnet. 

Seien Sie Teil der Hilfe

Warum sich die Situation schnell zuspitzt

Was diesen Ausbruch besonders gefährlich macht, ist das Virus. Es handelt sich um das Bundibugyo-Virus – einen von mehreren Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können. Es gibt weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine zugelassene Behandlung. Die geschätzte Sterblichkeitsrate liegt zwischen 25 und 40 Prozent.

Es ist erst der dritte nachgewiesene Ausbruch des Bundibugyo-Virus weltweit – nach Uganda 2007–2008 und der DR Kongo 2012. Die Zahl der bisherigen Fälle übersteigt damit bereits jene der beiden früheren Bundibugyo-Ausbrüche. Die medizinische Gemeinschaft verfügt damit über vergleichsweise wenig Erfahrung mit diesem spezifischen Erreger.

Die Diagnostik bleibt ein zentrales Problem. Die herkömmlichen PCR-Schnelltests funktionieren für das Bundibugyo-Virus nicht. Seit Juni 2026 sind einige Hundert spezialisierte Testkits in der DR Kongo eingetroffen. Die Verzögerungen bei Testergebnissen haben sich in Bunia und Goma verbessert – insgesamt bleibt die Situation aber kritisch. Wer positiv getestet wird, muss zu lange auf Ergebnisse warten. Das führt zu Überfüllung in Behandlungszentren und verzögerten Entlassungen.

Ebola Ausbruch im Kongo 2026
Alexis Huguet/MSF
Ein Friedhof in Mongbwalu: Weil die Ebola Krankheit auch noch eine Woche nach dem Tod hochansteckend ist, sind sichere Bestattungen essentiell um der Ausbreitung vorzubeugen.

Wie Ebola übertragen wird

Ebola ist hochansteckend, aber nicht über die Luft übertragbar. Die Übertragung erfolgt ausschließlich durch direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten oder Organen infizierter Personen – lebender wie verstorbener. Auch der Kontakt mit kontaminierten Oberflächen kann gefährlich werden. 

Die Inkubationszeit des Bundibugyo-Virus beträgt zwischen 2 und 21 Tagen – in dieser Zeit sind Infizierte noch nicht ansteckend. Erst nach dem Einsetzen der ersten Symptome kann der Virus auf andere Menschen übertragen werden.

Die ersten Symptome sind unspezifisch und ähneln einer schweren Grippe: plötzlich einsetzendes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, extreme Schwäche. In weiterer Folge kommen Erbrechen, Durchfall und in manchen Fällen innere oder äußerliche Blutungen hinzu. Das macht die frühzeitige Diagnose so schwierig – und umso wichtiger.

Für Menschen in Österreich oder Europa besteht kein direktes Infektionsrisiko durch den aktuellen Ausbruch in der DR Kongo. Die Ebola-Krankheit ist nicht so leicht übertragbar wie etwa eine Atemwegserkrankung. Entscheidend ist der enge körperliche Kontakt mit erkrankten Personen.

So schützen wir uns: Schutzanzug anlegen und ablegen

Wer in einem Ebola-Behandlungszentrum arbeitet, trägt spezielle Schutzkleidung – und muss sie in der richtigen Reihenfolge an- und ablegen. Hier erklären wir Schritt für Schritt, wie das funktioniert, worauf geachtet werden muss und wo das größte Ansteckungsrisiko entsteht:

Seien Sie Teil der Hilfe

Was Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo konkret tut

Mehr als 1.400 Mitarbeiter:innen von Ärzte ohne Grenzen sind derzeit direkt im Einsatz. Seit Beginn des Ausbruchs wurden 1.191 Patient:innen in unsere Behandlungszentren aufgenommen, darunter 502 bestätigte Fälle. 188 Menschen konnten geheilt entlassen werden. Wir verfügen über mehr als 430 Betten in unseren Behandlungszentren und Isolationsstationen.

Emergency Cell - Program Manager - Trish NEWPORT

Die Zahl der Fälle und Todesfälle in so kurzer Zeit ist äußerst besorgniserregend – und schnelles Handeln ist entscheidend, weil viele Menschen in Ituri bereits unter schwierigen Bedingungen kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Trish Newport, Leiterin unserer Nothilfeprogramme

Wir betreiben Ebola-Behandlungszentren (ETCs) und Isolationsstationen in Ituri, Nord-Kivu, Süd-Kivu und seit Juli auch in der Provinz Tshopo. 

Unsere Teams übernehmen:

  • Patient:innen-Versorgung
  • Kontaktverfolgung
  • Infektionsprävention
  • Aufklärung der lokalen Bevölkerung
  • sichere Bestattungen.

Gleichzeitig halten wir unsere laufenden Projekte aufrecht – für Malaria, Masern, Mutter-Kind-Gesundheit und mehr.

Die Herausforderungen für medizinische Teams vor Ort

Ituri und die Kivu-Provinzen sind seit Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten geprägt. Vertreibung, Armut und eine unterfinanzierte Gesundheitsinfrastruktur gehören zum Alltag. Das macht jeden Ausbruch gefährlicher – und jede Hilfsmaßnahme aufwändiger.

Dieser Ausbruch betrifft Regionen, die bereits durch jahrelange Konflikte und massive Vertreibung erschöpft sind. In einigen Gesundheitseinrichtungen sind die Aufnahme- und Isolationskapazitäten bereits am Limit. Schnelle Fallidentifikation, Kontaktverfolgung und Isolation werden dadurch besonders schwierig – und das erhöht das Risiko einer weiteren Ausbreitung.

Ewald Stals, Vertreter von Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo

In den vergangenen Wochen wurden die meisten neuen Fälle in unsicheren Gebieten gemeldet – vor allem im nördlichen Nord-Kivu. Schlechte Straßen und die Präsenz verschiedener bewaffneter Gruppen verzögern Probenabnahme und Diagnose erheblich. 

Der Goma-Flughafen ist seit Jänner 2025 geschlossen. Teams müssen über Ruanda einreisen. Am 24. Juni erließ die kongolesische Regierung zusätzlich ein Dekret, das eine 21-tägige Quarantäne für alle Personen vorschreibt, die aus einer betroffenen Provinz ausreisen wollen. Das bringt zusätzliche Herausforderungen für unser Personal und unsere Aktivitäten mit sich.

Seit Beginn des Ausbruchs wurden mindestens 12 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen und Teams registriert. Misstrauen gegenüber humanitären Organisationen, Zweifel daran, dass Ebola existiert, und Gerüchte, das Virus sei absichtlich eingeschleppt worden, erschweren unsere Arbeit zusätzlich. Vertrauen aufzubauen ist genauso wichtig wie die medizinische Versorgung selbst.

 

Warum schnelle humanitäre Hilfe jetzt entscheidend ist

Bei der Ebola-Krankheit zählt jede Stunde. Je früher Erkrankte isoliert und behandelt werden, desto geringer ist die Chance, dass das Bundibugyo-Virus weitergetragen wird. Je rascher Kontaktpersonen identifiziert werden, desto schneller kann eine Ausbreitung gestoppt werden.

Ärzte ohne Grenzen hat seit 1995 an zahlreichen Ebola-Ausbrüchen mitgewirkt – in der DR Kongo, in Uganda, in Sierra Leone, in Westafrika

Diese jahrzehntelange Erfahrung ist jetzt gefragt. Wir wissen, wie man Behandlungszentren unter Hochrisikobedingungen betreibt, wie man die lokale Bevölkerung einbindet und wie man in zerstörten Gesundheitssystemen effektiv handelt.

Wie Sie Ärzte ohne Grenzen unterstützen können

Jede Spende zählt – und sie wirkt direkt. Mit Ihrer Unterstützung können wir Schutzausrüstung bereitstellen, Behandlungszentren aufbauen, medizinische Teams entsenden und die betroffene Bevölkerung aufklären.

Weil wir unabhängig und ungebunden arbeiten, entscheiden wir selbst, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird – ohne politische Rücksichten, ohne bürokratische Verzögerungen.

Häufige Fragen zum Ebola-Ausbruch (FAQ)

Wie gefährlich ist Ebola für Menschen in Österreich?

Das direkte Risiko ist sehr gering. Ebola überträgt sich nur durch engen körperlichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen – nicht über die Luft. Das Risiko einer internationalen Ausbreitung durch heimkehrende Mitarbeiter:innen ist ebenfalls sehr gering: Alle unsere Mitarbeitenden unterliegen nach ihrer Rückkehr einem verpflichtenden 21-tägigen Überwachungszeitraum, der die vollständige Inkubationszeit des Virus abdeckt. Reisende in betroffene Regionen sollten die Reisehinweise des Außenministeriums beachten.

Was ist der Unterschied zwischen dem Bundibugyo-Virus und dem Ebola-Virus?

Beides sind Viren, die Ebola-Erkrankungen auslösen können – aber es handelt sich um unterschiedliche Viren. Der Begriff „Ebola-Erkrankung“ ist ein Überbegriff für Krankheiten, die durch verschiedene Viren der Gattung Orthoebolavirus ausgelöst werden: 

  • das Ebola-Virus,
  • das Sudan-Virus
  • und das Bundibugyo-Virus. 

Jeder dieser Viren verursacht eine eigene Erkrankung mit unterschiedlicher Sterblichkeitsrate und erfordert unterschiedliche Behandlungsansätze. Das ist auch der Grund, warum die vorhandenen Impfstoffe und Behandlungen gegen den Ebola-Virus beim aktuellen Bundibugyo-Ausbruch nicht wirksam sind.

Warum ist der aktuelle Bundibugyo-Stamm besonders problematisch?

Weil es gegen diesen Stamm keinen zugelassenen Impfstoff und keine zugelassene Behandlung gibt. Hinzu kommt: Die üblichen PCR-Schnelltests (GeneXpert) funktionieren für den Bundibugyo-Stamm nicht. 

Das verlangsamt die Diagnostik und damit die gesamte Reaktion auf den Ausbruch. Beim häufiger vorkommenden Zaire-Stamm stehen bereits Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Der Bundibugyo-Stamm ist seltener – und damit schwieriger zu bekämpfen.

Was tut Ärzte ohne Grenzen konkret gegen Ebola?

Wir isolieren und behandeln Erkrankte in spezialisierten Behandlungszentren, verfolgen Kontaktpersonen, organisieren sichere Bestattungen, schulen lokales Gesundheitspersonal und klären die Bevölkerung auf. Bei verfügbaren Impfstoffen – wie beim Zaire-Stamm – koordinieren wir auch Impfkampagnen.

Gleichzeitig stellen wir sicher, dass unsere bestehenden Gesundheitsprojekte weiter laufen – damit Menschen auch während des Ausbruchs Zugang zu Basisversorgung wie Malaria-Behandlung oder Impfungen haben.

Gibt es einen Impfstoff gegen Ebola?

Ja – aber nur gegen das Ebola-Virus. Gegen das Bundibugyo-Virus gibt es keinen zugelassenen Impfstoff. WHO, das kongolesische Gesundheitsministerium und Forschungspartner prüfen derzeit, ob Impfstoffkandidaten in Notfallstudien gegen das Bundibugyo-Virus getestet werden könnten – das könnte allerdings noch Monate dauern. Ähnliche Studien bei früheren Ausbrüchen haben zur Zulassung der heute verfügbaren Impfstoffe und Behandlungen geführt. Wir sind bereit, diese Forschung zu unterstützen.

Gibt es einen Impfstoff oder eine Behandlung gegen das Bundibugyo-Virus?

Nein – noch nicht. Die WHO und Partner:innen prüfen derzeit Impfstoffkandidaten für Notfallstudien. Gleichzeitig soll in Kürze unter dem WHO-gesponserten PARTNERS Trial eine Studie zu möglichen Behandlungen gestartet werden. Ähnliche Studien bei früheren Ausbrüchen haben zur Zulassung der heute verfügbaren Ebola-Impfstoffe geführt.

Wann gilt ein Ebola-Ausbruch als beendet?

Offiziell endet eine Ebola-Epidemie erst 42 Tage nach dem letzten bestätigten Fall ohne neue Infektionen – das entspricht dem Doppelten der maximalen Inkubationszeit des Virus.

Wie kann ich Ärzte ohne Grenzen bei der Ebola-Hilfe unterstützen?

Mit einer Spende direkt an Ärzte ohne Grenzen. Alle Informationen zu Spendenmöglichkeiten finden Sie unter hier.

Sollte man Reisen in die DR Kongo oder nach Uganda vermeiden?

Pauschal-Reiseverbote oder Grenzschließungen sind keine wirksame Maßnahme zur Eindämmung eines Ebola-Ausbruchs – im Gegenteil: Sie können medizinische Teams und Hilfsgüter an der schnellen Einreise hindern und betroffene Länder isolieren. 

Was wirklich hilft, ist die Kontrolle des Ausbruchs an der Quelle: schnelle Fallidentifikation, Isolation, Behandlung, Kontaktverfolgung und die Einbindung der lokalen Bevölkerung. Wer in die betroffenen Regionen reist, sollte die aktuellen Reisehinweise des österreichischen Außenministeriums beachten.