Naturkatastrophen wie Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen und Wirbelstürme können das Leben von Menschen innerhalb von Sekunden verändern. Sie treffen oft ohne Vorwarnung ein und zerstören in kürzester Zeit Häuser, Straßen und medizinische Versorgung.
Ärzte ohne Grenzen leistet seit über 50 Jahren Nothilfe bei Naturkatastrophen und ist heute in mehr als 70 Ländern im Einsatz.
17.800
Todesopfer
bei Naturkatastrophen gibt es im Jahr durchschnittlich
24
Stunden
brauchen wir, um unsere Hilfe zu mobilisieren
50
Jahre
Erfahrung in Nothilfe bei Naturkatastrophen haben wir
Was sind Naturkatastrophen
Eine Naturkatastrophe ist ein Naturereignis, das Menschen und ihre Lebensgrundlagen schwer schädigt. Bei einem Wirbelsturm über dem offenen Meer spricht man nicht von einer Naturkatastrophe. Trifft derselbe Sturm auf einen dicht besiedelten Küstenabschnitt, kann er schon zur Katastrophe werden. Entscheidend ist nicht nur die Stärke des Naturereignisses, sondern das Ausmaß der Zerstörung.
Ob ein Ereignis zur Naturkatastrophe wird, hängt stark davon ab, wie gut eine Region geschützt und vorbereitet ist. Deswegen treffen sie Länder und Regionen mit schwacher Infrastruktur und weniger finanziellen Mitteln oft stärker. Häuser sind weniger stabil gebaut, das Gesundheitssystem ist schwächer, und für Vorsorge und Wiederaufbau fehlt das Geld.
Prävention entscheidet mit, wie viel Schaden eine Naturkatastrophe anrichtet. Frühwarnsysteme, Notfallpläne und stabile Bauweisen können viele Menschenleben retten. Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist nach einer Katastrophe mit vielen Betroffenen gleichzeitig besonders wichtig. Wo diese Vorsorge fehlt, sind die Folgen besonders schwer – und die Menschen auf humanitäre Hilfe von außen angewiesen.
Welche Arten von Naturkatastrophen gibt es?
Fachleute teilen Naturkatastrophen meist in vier Gruppen ein. Diese Einteilung soll helfen, Ursachen und Folgen besser zu verstehen.
- Geologische Naturkatastrophen: Sie entstehen im Inneren der Erde. Hierzu zählen Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis. Sie treffen häufig ohne Vorwarnung ein und können großen Schaden anrichten.
- Hydrologische Naturkatastrophen: Sie hängen mit Wasser zusammen. Dazu zählen Überschwemmungen, Erdrutsche und Sturzfluten. Sie gehören zu den häufigsten Naturkatastrophen.
- Meteorologische Naturkatastrophen: Sie entstehen durch extremes Wetter. Dazu zählen Wirbelstürme, Taifune und Tornados. Starke Winde und Regenfälle zerstören große Gebiete und schneiden Regionen von der Außenwelt ab.
- Klimatologische Naturkatastrophen: Sie entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Dazu zählen Dürren, Hitzewellen und Waldbrände. Dürren führen zu Wasser- und Nahrungsmangel und können ganze Regionen in eine Ernährungskrise stürzen.
Ereignisse verschiedener Arten hängen zusammen. Ein Wirbelsturm bringt oft schwere Überschwemmungen mit sich. Eine lange Dürre erhöht die Gefahr von Waldbränden. Gerade diese Verkettung macht Naturkatastrophen so gefährlich für die Gesundheit vieler Menschen.
Allein in den vergangenen 50 Jahren wurden weltweit mehr als 11.000 wetter-, klima- und wasserbedingte Katastrophen mit rund zwei Millionen Todesopfern registriert. Über 90 Prozent dieser Todesopfer entfallen laut UN auf Länder des globalen Südens.
Überschwemmungen und Stürme zählen weltweit zu den häufigsten Naturereignissen: Rund 45 Prozent aller wetterbedingten Katastrophen sind Stürme, weitere 39 Prozent Überschwemmungen. Erdbeben kommen seltener vor, richten aber innerhalb kürzester Zeit einen enormen Schaden an.
Wir konzentrieren uns in unserer Arbeit auf die gesundheitlichen Folgen von Naturkatastrophen: Wir versorgen Verletzte, liefern wichtige Hilfsgüter, kümmern uns um die Wasserversorgung und leisten psychologische Hilfe.
Naturkatastrophen weltweit – warum sie zunehmen
Die Anzahl der Naturkatastrophen weltweit steigt. Sie werden häufiger und heftiger. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre kommen jährlich rund 17.800 Menschen durch Naturkatastrophen ums Leben. Die tatsächliche Zahl schwankt stark – abhängig von den Katastrophen, die im jeweiligen Jahr stattgefunden haben.
Der größte Teil der Schäden bei Naturkatastrophen geht auf Wetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen und Unwetter zurück. Neben den Todesopfern verlieren noch viel mehr Menschen ihr Zuhause oder ihre Lebensgrundlage.
Wie stark ein einzelnes Ereignis die Bilanz prägen kann, zeigen die schwersten Katastrophen der vergangenen Jahre. Beim Erdbeben in der Türkei und in Syrien im Februar 2023 sterben alleine rund 58.000 Menschen – die höchste Opferzahl bei einer Naturkatastrophe seit vielen Jahren.
Besonders betroffen sind Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika. Asien gilt als der Kontinent mit den schwersten Naturkatastrophen – sowohl bei der Zahl der Betroffenen als auch bei den Todesopfern.
Die Philippinen zählen laut Weltrisikoindex zu den am stärksten gefährdeten Ländern der Welt. Ein Grund ist die Lage im sogenannten Pazifischen Feuerring. So nennt man einen Gürtel rund um den Pazifischen Ozean, in dem Erdbeben und Vulkanausbrüche besonders häufig vorkommen.
Ein wichtiger Grund für die Zunahme ist die Klimakrise. Sie sorgt dafür, dass extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren häufiger und stärker auftreten. Viele unserer Einsatzländer sind davon direkt betroffen. Mehr dazu auf der Seite Naturkatastrophen und die Klimakrise.
Quiz
Wie heißt der Gürtel rund um den Pazifischen Ozean, in dem besonders viele Erdbeben und Vulkanausbrüche passieren?
Choose the correct answer
Unsere Hilfe bei Naturkatastrophen
Nach einer Naturkatastrophe zählt jede Stunde. Deshalb sind wir darauf vorbereitet, schnell zu handeln. Wir haben Lager mit Hilfsgütern auf mehreren Kontinenten und können so in den ersten Stunden oder Tagen nach einer Katastrophe reagieren.
In vielen betroffenen Regionen arbeiten wir bereits vor einer Katastrophe. Dann sind unsere Teams schon vor Ort, wenn das Unglück passiert. Sie kennen die Menschen und die Gegend, haben Material in der Nähe und arbeiten seit Jahren eng mit den örtlichen Behörden zusammen. So sind sie von Anfang an in die Koordination der Nothilfe vor Ort eingebunden. So kann die Nothilfe sofort beginnen.
In den vergangenen Jahrzehnten haben wir eigene Werkzeuge für den Notfall entwickelt. Dazu gehören vorbereitete Notfall-Pakete mit Medikamenten und Material, chirurgische Ausrüstung und sogar ganze mobile Krankenhäuser, die sich rasch aufbauen lassen. Wie unsere Soforthilfe bei Katastrophen genau abläuft, erklären wir hier.
Die ersten Schritte nach einer Naturkatastrophe
Je schneller unsere Teams vor Ort sind, desto mehr Menschen können sie helfen. Nach einer Naturkatastrophe gehen wir Schritt für Schritt vor:
- Die Lage prüfen und und in Zusammenarbeit mti den lokalen Behörden herausfinden, was die Menschen vor Ort am dringendsten brauchen
- Einen Weg in das betroffene Gebiet finden
- Verletzte behandeln und das örtliche Gesundheitssystem unterstützen
- Hilfsgüter liefern und sauberes Trinkwasser verteilen
Wichtig ist, die richtige Hilfe am richtigen Ort zu leisten. Deshalb prüfen wir zuerst genau, wo der Bedarf am größten ist. So erreichen wir die Menschen, die unsere Hilfe am dringendsten brauchen. Auch während des Einsatzes kontrollieren wir laufend, ob unsere Arbeit wirklich hilft. Unser Ziel ist es, alle Aufgaben an die örtlichen Behörden oder Partner:innen zu übergeben, sobald diese die Versorgung selbst übernehmen können.
Helfen mit Satellitendaten
Für unsere Einsätze nutzen wir auch Bilder aus dem All. Unser „Earth Observation“-Team wertet Satellitendaten aus. Geleitet wird es von der GIS-Expertin Ann De Schutter. Mit diesen Daten können wir:
- Zerstörungen auf Satellitenbildern erkennen
- überschwemmte Gebiete genau bestimmen
- sichere Transportwege für unsere Teams planen
So können wir schneller entscheiden, wo Hilfe am dringendsten ist – zum Beispiel nach dem Erdbeben in Afghanistan Ende August 2025. Gerade in schwer erreichbaren Gebieten sind Satellitendaten ein wichtiges Werkzeug.
Beispiele unserer Hilfe bei Naturkatastrophen
Die folgenden drei Einsätze zeigen, wie unsere Hilfe nach schweren Naturkatastrophen in der Praxis aussieht – von einem der größten Einsätze in unserer Geschichte bis zu einer aktuellen Katastrophe. Sie stehen stellvertretend für viele weitere Einsätze weltweit.
Am 12. Januar 2010 zerstört ein schweres Erdbeben weite Teile von Haiti. Über 220.000 Menschen sterben, mehr als 300.000 werden verletzt. Rund 60 Prozent der Krankenhäuser und Gesundheitszentren im Land werden zerstört. Für uns wird der Einsatz zum größten in unserer Geschichte. Schon wenige Tage nach dem Beben sind rund 3.000 Mitarbeiter:innen vor Ort. In den ersten Monaten behandeln wir mehr als 170.000 Menschen und führen über 11.000 Operationen durch.
Von Juni bis September 2022 fällt in Pakistan außergewöhnlich starker Regen. Ein Drittel des Landes steht unter Wasser. Mehr als 1.500 Menschen sterben, 33 Millionen sind betroffen. Ganze Dörfer sind von der Außenwelt abgeschnitten. Wir helfen in den Regionen Belutschistan, Sindh und Khyber Pakhtunkhwa. Über mobile Kliniken behandeln wir mehr als 10.000 Patient:innen. Außerdem verteilen wir über 300.000 Liter Trinkwasser und 5.000 Pakete mit Hilfsgütern. So schützen wir die Menschen auch vor Krankheiten, die sich über verschmutztes Wasser verbreiten.
Im Dezember 2024 richtet der Zyklon Chido schwere Schäden auf der Inselgruppe Mayotte und in Mosambik an. Mehr als 120 Menschen sterben, über 687.000 sind von den Folgen betroffen. Weil wir bereits vorher in der Region Cabo Delgado arbeiten, können wir schnell reagieren. Wir behandeln Verletzte, bieten psychologische Unterstützung an und helfen beim Wiederaufbau zerstörter Gesundheitseinrichtungen. Viele Menschen brauchen auch Wochen nach dem Sturm noch Hilfe.
Unsere Teams sind nach Naturkatastrophen im Einsatz – 2025 zum Beispiel nach den Erdbeben in Myanmar, Kolumbien und auf den Philippinen. Einen Überblick über die schwersten Beben, bei denen wir geholfen haben, geben wir im Bericht der 10 stärksten Erdbeben unserer Einsätze – von Haiti bis Sumatra.
Was Betroffene nach einer Naturkatastrophe brauchen
Bei Naturkatastrophen entsteht in kurzer Zeit eine großflächige Zerstörung. Dabei werden Menschen verletzt oder getötet und Häuser und Infrastruktur verwüstet. Betroffene stehen plötzlich vor großen Herausforderungen und brauchen dringend Hilfe.
Humanitäre Hilfe nach Naturkatastrophen zielt nicht nur auf das unmittelbare Überleben ab, sondern auch auf den Schutz der Gesundheit, der Würde und der psychischen Stabilität der betroffenen Menschen.
Nach Naturkatastrophen brauchen Betroffene vor allem:
Medizinische Hilfe und Hygiene
Unterkünfte und Hilfsgüter
Psychische Unterstützung
- Medizinische Hilfe und Hygiene: Besonders dringend ist meist die sofortige medizinische Hilfe. Verletzte müssen versorgt, aber auch chronische Krankheiten behandelt werden. Um Krankheitsausbrüche zu verhindern sind Impfungen, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen wichtig.
- Unterkünfte: Bei Naturkatastrophen verlieren viele Menschen ihr Zuhause. Sie brauchen Schutz vor Witterung, Kälte, Hitze oder anderen Gefahren. Notunterkünfte wie Zelte sind erste Maßnahmen, um Betroffenen Sicherheit und Würde zu ermöglichen.
- Lebensmittel und Hilfsgüter: Da auch die Lebensmittelversorgung unterbrochen ist, wird der Zugang zu Nahrung erschwert. Vor allem Kinder, Schwangere und Stillende sind betroffen.
- Psychische Unterstützung: Naturkatastrophen sind für Betroffene traumatische Erlebnisse. Stress, Angst und Trauer nehmen zu. Es kann zu langfristigen psychischen Erkrankungen kommen. Psychosoziale Hilfe ist deshalb direkt in unsere Nothilfe integriert.
- Schutz vulnerabler Gruppen: Vor allem Kinder, Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind besonderen Gefahren ausgesetzt. Dazu zählen Gewalt, Ausbeutung und Vernachlässigung.
Naturkatastrophen und Klimakrise
Viele unserer Einsatzländer bekommen die Folgen der Klimakrise unmittelbar zu spüren. Extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren treten häufiger und stärker auf. Besonders hart trifft es Regionen, die selbst am wenigsten zur Erderwärmung beitragen.
Die Klimakrise ist damit auch eine Gesundheitskrise. Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen kosten Menschenleben und machen krank. Dürren führen zu Mangelernährung. Schlechte Luft begünstigt Atemwegserkrankungen. Wir passen unsere medizinische Hilfe an diese Entwicklung an, um unseren Patient:innen beizustehen. Mehr dazu auf unserer Seite Klimakrise und Gesundheit.
Für uns bedeutet das: Wir stellen uns auf mehr und heftigere Naturkatastrophen ein. Wir bauen unsere Nothilfe aus und bereiten Teams und Material auf extremes Wetter vor. Gleichzeitig machen wir öffentlich darauf aufmerksam, wie stark die Klimakrise die Gesundheit besonders gefährdeter Menschen bedroht. Als unabhängige Organisation können wir dort helfen, wo die Not am größten ist.
Wie du helfen kannst
Mit deiner Spende ermöglichst du schnelle Hilfe nach Naturkatastrophen. Besonders wertvoll ist deine Spende, wenn sie nicht an einen bestimmten Zweck gebunden ist. Denn dann können wir dein Geld sofort dort einsetzen, wo eine Katastrophe passiert – ohne erst für die betroffene Region Spenden sammeln zu müssen. So sorgst du dafür, dass unsere Teams unabhängig und schnell handeln können: dort, wo die Not am größten ist.
Häufige Fragen zu Naturkatastrophen (FAQ)
Naturkatastrophen sind Naturereignisse wie Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen, Dürren und Wirbelstürme. Sie sind so stark, dass sie Menschenleben, Häuser und Lebensgrundlagen bedrohen. Wie schwer die Folgen sind, hängt auch davon ab, wie gut die Menschen vor Ort geschützt und vorbereitet sind.
Naturkatastrophen werden meist in vier Gruppen eingeteilt: geologische (Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche), hydrologische (Überschwemmungen, Erdrutsche, Sturzfluten), meteorologische (Wirbelstürme, Hurrikans, Tornados) und klimatologische (Dürren, Hitzewellen, Waldbrände).
Am häufigsten weltweit sind Überschwemmungen und Stürme. Sie betreffen oft sehr viele Menschen gleichzeitig. Die größten Schäden verursachen ebenfalls Wetterereignisse.
Ja. Die Klimakrise sorgt dafür, dass extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürren häufiger und stärker auftreten. Besonders betroffen sind Länder in Asien, Afrika und Lateinamerika – oft genau jene, die am wenigsten zur Erderwärmung beitragen.
Zuerst prüfen wir die Lage vor Ort. Dann verschaffen wir uns Zugang zum betroffenen Gebiet, behandeln Verletzte und unterstützen das örtliche Gesundheitssystem. Außerdem verteilen wir Hilfsgüter und sauberes Wasser. Dank unseres weltweiten Netzes und über 50 Jahren Erfahrung reagieren wir schnell. Auch Satellitendaten unseres „Earth Observation“-Teams unterstützen uns dabei.
Wir arbeiten in mehr als 70 Ländern weltweit. Zuletzt waren wir unter anderem bei Naturkatstrophen in Mosambik, der Türkei, Syrien und Pakistan im Einsatz. 2025 kamen Katastropheneinsätze in Myanmar, Kolumbien, die Philippinen und Jamaika dazu.
Ein Naturereignis wie ein Sturm oder ein Erdbeben wird erst dann zur Naturkatastrophe, wenn es Menschen und ihre Lebensgrundlagen schwer schädigt. Entscheidend ist also nicht nur die Naturgewalt selbst, sondern auch, wie verwundbar und wie gut vorbereitet eine Region ist.
Du kannst online für Noteinsätze spenden. Damit ermöglichst du schnelle und unabhängige Nothilfe nach Naturkatastrophen. Weitere Informationen findest du in unseren Fragen zu Spenden.