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Wenn die Erde bebt, kann sich das Leben von Millionen Menschen in Sekunden verändern. Bei vielen dieser Erdbeben sind unsere Teams vor Ort und helfen.
Hier zeigen wir die 10 stärksten Erdbeben, bei denen wir im Einsatz waren – von zwei Beben in Haiti bis zum verheerenden Erdbeben im Indischen Ozean 2004. Wir erklären, was es mit der Magnituden Skala auf sich hat, ordnen Zahlen ein und zeigen, wie unsere Katastrophenhilfe bei Erdbeben aussieht.
Das Wichtigste im Überblick:
- Das stärkste Erdbeben, bei dem Ärzte ohne Grenzen im Einsatz war, ist das Beben vor Sumatra im Indischen Ozean mit Magnitude 9,1. Darauf folgt der tödlichste Tsunami in der Geschichte.
- Das stärkste jemals gemessene Erdbeben mit Magnitude 9,5 ereignet sich in Chile 1960 und liegt damit vor der Gründung von Ärzte ohne Grenzen (1971).
- Bei Naturkatastrophen ist schnelle Hilfe entscheidend. Deshalb mobilisieren wir Teams und Ausrüstung innerhalb von 24 Stunden.
230.000
Tote
beim Erdbeben vor Sumatra im Indischen Ozean 2004
9,5
Magnitude
war das stärkste jemals gemessene Erdbeben in Chile 1960.
24
Stunden
brauchen wir, um unsere Hilfe zu mobilisieren
Was sind Erdbeben (Definition)
Ein Erdbeben ist eine Erschütterung der Erdoberfläche. Diese entsteht, wenn sich Spannungen unter der Erde plötzlich und ruckartig lösen. Die Erdkruste, die äußerste Schicht der Erde, setzt sich aus tektonischen Platten zusammen. Die Platten sind ständig in Bewegung. Sie reiben aneinander und verhaken sich. Die Spannung staut sich auf und kann sich schlagartig lösen. Die freigesetzte Energie breitet sich als Erschütterung aus. Ein Erdbeben ist stärker, wenn mehr Energie freigesetzt wird.
Wie wird die Stärke von Erdbeben gemessen?
Wie stark ein Erdbeben ist, misst man mit der Momenten-Magnituden-Skala. Sie hat die Richterskala weitgehend abgelöst.
Wichtig: Die Momenten-Magnituden-Skala funktioniert logarithmisch. Das heißt, dass jede volle Stufe für rund 32-mal mehr freigesetzte Energie steht. Ein Erdbeben mit der Magnitude 8 ist daher um ein Vielfaches stärker als ein Erdbeben mit Magnitude 7. Ein Erdbeben mit der Stärke 9 ist 32 mal 32 - das heißt über tausend mal so stark wie das Erdbeben mit der Magnitude 7.
Zur Einordnung: Die bisher höchste Magnitude, die je gemessen wurde, ist 9,5. Es handelt sich dabei um das Erdbeben in Chile im Jahr 1960. Da das Beben vor der Gründung von Ärzte ohne Grenzen liegt, ist es nicht Teil dieses Rankings. Zuverlässige Messungen gibt es erst seit rund 1900 – die Stärken älterer Erdbeben lassen sich nur schätzen.
Die 10 stärksten Erdbeben, bei denen wir geholfen haben
Unser Ranking zeigt die 10 stärksten Erdbeben, bei denen unsere Teams Nothilfe geleistet haben – gemessen nach ihrer Magnitude. Von Platz 10 bis zum stärksten Erdbeben auf Platz 1.
#10: Haiti 2010 (Magnitude 7,0)
Das Erdbeben am 12. Jänner 2010 in der Nähe von der Hauptstadt Port-au-Prince löst unseren bis dahin größten Nothilfeeinsatz nach einem Erdbeben aus. In den ersten vier Monaten allein führen wir über 170.000 ambulante Behandlungen und über 11.000 Operationen in 26 medizinischen Einrichtungen durch. Zwölf unserer Kolleg:innen kommen bei dem Beben ums Leben. Auch wenn das Beben mit einer Magnitude von 7 nicht zu den stärksten gehört, fordert es über 200.000 Menschenleben. Zurückzuführen ist das auf die hohe Bevölkerungsdichte und die instabile Bauweise von Gebäuden im Erdbebengebiet. Wie sich dieser Einsatz entwickelt hat, zeigt dieser Bericht.
#9: Haiti 2021 (Magnitude 7,2)
Elf Jahre später am 14. August 2021 kommt es im Süden Haitis zu einem weiteren schweren Erdbeben. Über 2.200 Menschen sterben, rund 12.000 sind verletzt. Wir bringen sofort hundert Tonnen Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete. Unsere Teams versorgen Verletzte. Viele kommen wegen zerstörter Straßen erst spät ins Krankenhaus - wir behandeln viele bereits infizierte Wunden.
#8: Pakistan 2005 (Magnitude 7,6)
Bei dem Erdbeben am 8. Oktober 2005 in der Bergregion Kaschmir sterben rund 80.000 Menschen und 3,3 Millionen Menschen verlieren ihr Zuhause. Wir betreiben ein aufblasbaren 120-Betten-Krankenhaus in Mansehra. Außerdem verteilen wir Hilfsgüter und leisten psychologische Hilfe. Eine große Herausforderung ist der Zugang zu den abgeschnittenen Bergdörfern.
#7: Myanmar 2025 (Magnitude 7,7)
17 Millionen Menschen sind von dem Erdbeben am 28. März 2025 betroffen. Rund 3.700 Menschen sterben, 5.000 sind verletzt. Wir unterstützen lokale Krankenhäuser, leisten psychologische Hilfe und stellen sauberes Wasser zur Verfügung. Mehr zum Erdbeben in Myanmar.
#6: Ecuador 2016 (Magnitude 7,8)
Das Beben am 16. April 2016 fordert 660 Menschenleben, tausende sind verletzt und rund 29.000 Menschen werden obdachlos. Wir entsenden vier Teams in die betroffene Region. Sie helfen psychologisch, schulen Gesundheitspersonal im Umgang mit Naturkatastrophen und verteilen Hilfsgüter. Notfall-Koordinatorin Concha Fernández berichtet im Interview von der Lage im Erdbebengebiet.
#5: Türkei und Syrien 2023 (Magnitude 7,8)
Nach dem schweren Erdbeben am 6. Februar 2023 mobilisieren wir unsere Teams im Nordwesten von Syrien innerhalb von wenigen Stunden. Wir behandeln Verletzte und verteilen Hilfsgüter, wie Decken, Hygieneartikel und warme Kleidung. Da die Region vorher schon von Krieg geprägt ist, verschärft das Beben die Situation vor Ort noch zusätzlich. Insgesamt kommen bei dem Erdbeben über 62.000 Menschen in der Türkei und in Syrien ums Leben.
#4: Nepal 2015 (Magnitude 7,8)
Viele der betroffenen Bergdörfer sind durch das schwere Erdbeben am 12. Mai 2015 im Himalaya durch Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten. Wir brauchen Helikopter, um den Bedarf zu ermitteln und Verletzte in abgelegenen Regionen zu versorgen.
#3: Chile 2010 (Magnitude 8,8)
Das Epizentrum des Bebens am 27. Februar 2010 liegt im Pazifik vor der Küste bei Biobío – 370.000 Häuser werden zerstört oder beschädigt. Bei dem Erdbeben und dem folgenden Tsunami sterben insgesamt 525 Menschen. Hier erzählt ein Kollege, wie er das Erdbeben erlebt hat.
#2: Japan 2011 (Magnitude 9,0)
Das Erdbeben am 11. März 2011 vor der Küste rund um die Region Tōhoku löst einen Tsunami aus, bei dem über 15.000 Menschen sterben. Wir arbeiten mit mobilen Kliniken, um Verletzte in abgelegenen Regionen zu versorgen.
#1: Indonesien 2004 (Magnitude 9,1)
Das Erdbeben im Indischen Ozean vor der indonesischen Insel Sumatra ist das stärkste, bei dem wir je im Einsatz waren. Es löst den verheerendsten Tsunami in der jüngeren Geschichte aus. Über 230.000 Menschen sterben. Küstenregionen in über 14 Ländern werden verwüstet, darunter Indonesien, Thailand und Indien. Innerhalb von 48 Stunden sind unsere Teams in betroffenen Gebieten, vor allem in den schwer erreichbaren Regionen, und leisten Hilfe.
Warum die stärksten Erdbeben nicht die tödlichsten sind
Ein hoher Wert auf der Magnituden-Skala bedeutet nicht automatisch die meisten Todesopfer. Ein Beispiel dafür ist das Erdbeben vor der russischen Halbinsel Kamtschatka im Jahr 2025: Es war das stärkste Erdbeben weltweit seit 2011 mit einer Magnitude von 8,8. Trotzdem ist nur ein Todesfall bekannt – die Person ist an indirekten Folgen des Bebens verstorben. Für den geringen Schaden gibt es drei Gründe: Das Epizentrum war weit weg von der Küste, die Region ist dünn besiedelt und das Frühwarnsystem hat rechtzeitig ausgelöst, so dass Menschen evakuiert werden konnten.
Auf der anderen Seite war das Erdbeben in Haiti 2010 mit einer Magnitude von 7,0 nicht das stärkste Erdbeben, hat aber über 200.000 Menschenleben gefordert. Das liegt vor allem an der instabilen Bauweise und der hohen Bevölkerungsdichte.
Entscheidend für die Schäden und Todesfolgen bei Erdbeben sind vier Faktoren:
- Bevölkerungsdichte
- Bauweise der Gebäude
- Möglicher Tsunami nach Erdbeben
- Vorwarnzeit
Wie Erdbeben entstehen und warum bestimmte Regionen besonders betroffen sind
Die stärksten Beben entstehen an Subduktionszonen. So nennt man Zonen, in denen sich eine ozeanische Platte in die andere ozeanische oder kontinentale Platte schieben kann. Die Platten verhaken sich und lösen sich dann schlagartig. Dadurch entstehen gewaltige Erschütterungen. Es kommt zu "Megathrust-Beben". Nur dieser Bruchtyp erzeugt Beben mit einer Magnitude von über 9. Hebt sich bei einem Megathrust-Beben der Meeresboden, wird auf einmal eine riesige Wassermenge verdrängt – so entsteht ein Tsunami.
Diese Subduktionszonen liegen vor allem rund um den Pazifik, im sogenannten Pazifischen Feuerring. Das erklärt, warum sich die stärksten Naturkatastrophen weltweit auf wenige Regionen konzentrieren. Besonders stark betroffene Länder sind Chile, Japan, Indonesien und Ecuador.
Was nach einem schweren Erdbeben passiert und wie humanitäre Hilfe abläuft
Nach einem schweren Erdbeben verändert sich das Leben für betroffene Menschen binnen Sekunden. In kürzester Zeit gibt es viele Verletzte, Menschen verlieren ihr Zuhause. Lebenswichtige Infrastruktur wie Straßen, Krankenhäuser und Wasserversorgung sind vom einen auf den anderen Moment zerstört und können nicht mehr genutzt werden. Hier beginnt unsere humanitäre Hilfe nach Erdbeben und anderen Naturkatastrophen – und dabei zählt jede Stunde.
Nach Naturkatastrophen brauchen Betroffene vor allem:
Medizinische Hilfe
Besonders dringend ist meist die sofortige medizinische Hilfe
Unterkünfte
Notunterkünfte wie Zelte sind erste Maßnahmen, um Betroffenen Sicherheit und Würde zu ermöglichen.
Lebensmittel & Wasser
Da Erdbeben oft wichtige Infrastruktur zerstört, sind ist die Versorgung von Wasser und Nahrung für Betroffene essenziell. Sauberes Wasser soll auch Krankheitsausbrüche verhindern.
In der akuten Phase evaluieren wir die Lage und versorgen Menschen mit schweren Verletzungen, Knochenbrüchen und operieren rund um die Uhr. Außerdem prüfen wir, was die Menschen vor Ort gerade am dringendsten brauchen und verteilen Hilfsgüter.
Danach verschiebt sich der Bedarf: Sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung verhindern Krankheitsausbrüche, psychologische Erste Hilfe ist gefragt, und die reguläre Gesundheitsversorgung muss gewährleistet sein – zum Beispiel Geburtshilfe oder Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen.
Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Katastrophenhilfe können wir innerhalb von 24 Stunden Teams und Ausrüstung mobilisieren. In unseren Logistiklagern haben wir chirurgische Notfallkits und sogar aufblasbare Krankenhäuser, die bei Nachbeben nicht einsturzgefährdet sind. Diese können wir nach Naturkatastrophen schnell bereitstellen. Wie das konkret aussieht, zeigen die Einsätze in unserem Ranking.
Wie Sie Ärzte ohne Grenzen unterstützen können
Nach einer Naturkatastrophe zählt Geschwindigkeit. Damit wir sofort handeln können, halten wir stets Mittel bereit, die an keinen bestimmten Zweck gebunden sind und sofort genutzt werden können. Deshalb sind zweckungebundene Spenden für uns besonders wichtig: Sie ermöglichen es uns, dort zu helfen, wo der Bedarf gerade am größten ist – auch dann, wenn die mediale Aufmerksamkeit längst weg ist.
Wir nehmen zweckgebundene Spenden nur an, wenn sie in das betroffene Gebiet fließen können. Nachdem Tsunami 2004 haben uns so viele Spenden erreicht, dass wir unsere Hilfsmaßnahmen vor Ort komplett finanziert haben. Wir bitten daher darum frei zu spenden, damit wir dort flexibel helfen können, wo wir gerade am nötigsten gebraucht werden. So wirkt Ihre Unterstützung am meisten.