Österreich

COVID-19: Forderung nach Transparenz bei Herstellung von Impfstoffen und gerechten Zugang

Um einen gerechten Zugang für alle zu Impfstoffen zu gewährleisten, braucht es vor allem eins: Transparenz. Ärzte ohne Grenzen fordert daher volle Transparenz bei öffentlichen Investitionen und Vorabverträgen für Impfstoff-Kontingente. Regierungen müssen von den Pharmakonzernen dringend Auskunft über alle Lizenzvereinbarungen für Impfstoffe, sowie die Kosten und Daten klinischer Studien verlangen. 

Vor allem mit Blick auf die milliardenschweren Steuersubventionen für die Impfstoffentwicklung. Ärzte ohne Grenzen zeigt sich außerdem besorgt, dass erfolgreiche Impfstoffe nicht effizient im Sinne der Pandemiebekämpfung eingesetzt werden könnten. 

Weltweit werden Lizenzvereinbarungen über Impfstoffe getroffen und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, obwohl diese Impfstoffe mit beispiellos hohen Summen aus der öffentlichen Hand finanziert werden. So flossen weltweit mehr als zwölf Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung, in klinische Studien und in die Herstellung von sechs potenziellen Covid-19-Impfstoffen: in Pfizer/BioNTech (2,5 Mrd. US-Dollar), AstraZeneca /Oxford University (über 1,7 Mrd. US-Dollar), Johnson&Johnson/BiologicalE (1,5 Mrd. US-Dollar), GlaxoSmithKline/Sanofi Pasteur (2,1 Mrd. US-Dollar), Novavax /Serum Institute of India (fast 2 Mrd. US-Dollar) und Moderna/Lonza (2,48 Mrd. US-Dollar). 

Gerechter Zugang zu Impfstoffen für alle?

Um einen weltweit gerechten Zugang zur effizienten Bekämpfung des Coronavirus sicherzustellen fordert Ärzte ohne Grenzen von Regierungen die Offenlegung von Vorverträgen für die Beschaffung von Impfstoffen und die volle Transparenz von Kosten und Daten.
„Wir sehen, dass die einkommensstarken Länder in der Warteschlange für die Corona-Impfstoffe ganz vorne stehen und Länder des Globalen Südens wieder einmal ganz hinten“, betont Marcus Bachmann, Humanitärer Berater bei Ärzte ohne Grenzen in Österreich. 

„Und eines ist auch klar: Wir werden um Priorisierungen nicht herumkommen: Priorisierung muss sich nach der Dringlichkeit richten. Medizinisches Personal, das an vorderster Front gegen Corona im Einsatz ist und deren Kapazitäten wir nicht verlieren dürfen, gehören dazu“ erklärte Marcus Bachmann. „Wir müssen Gruppen berücksichtigen, die für schwere oder tödliche Verläufe besonders gefährdet sind oder Gruppen, die eine besondere Gefährdung für solche Risikogruppen darstellen. Wir kennen die Risikogruppen im Globalen Norden. Aber es gibt andere Risikogruppen bzw. eine andere Verteilung von Risikogruppen im Globalen Süden“.

Der „Vorverkauf“ hat begonnen

Menschen im Globalen Süden, selbst in Ländern mit sehr hoher Sterblichkeit und Inzidenz werden einen wesentlich eingeschränkteren Zugang zu Corona-Impfstoffen haben. 13 Prozent der Weltbevölkerung haben sich bereits über 50 Prozent der führenden Impfstoffkandidaten gesichert. Es besteht Grund zur Sorge, dass erfolgreiche Impfstoffe nicht effizient im Sinne der Pandemiebekämpfung eingesetzt werden, sondern in erster Linie politischen und wirtschaftlichen Interessen der reichsten Länder folgen.

Transparenz im Sinne der Pandemiebekämpfung

„So lange wir nicht wissen, was diese Verträge und Vereinbarungen beinhalten, wird die Pharmaindustrie weiterhin die Macht haben, darüber zu entscheiden, wer Zugang zu den Impfstoffen bekommt und zu welchem Preis“, sagt Kate Elder, Impfstoff-Expertin der von Ärzte ohne Grenzen. „Ohne entschlossene Forderungen von Regierungen in Richtung der Herstellerfirmen ist ein gerechter Zugang zu COVID-19-Impfstoffen ernsthaft in Gefahr. Die Öffentlichkeit hat das Recht, zu erfahren, was Bestandteil dieser Deals ist – eine Pandemie ist nicht der richtige Zeitpunkt für Intransparenz, dafür steht zu viel auf dem Spiel.“

Öffentliche Investitionen brauchen strikte Bedingungen, die sicherstellen, dass alle Lizenzvereinbarungen, Kosten und Daten im Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen veröffentlicht werden. Ohne diese Informationen ist es unmöglich, bezahlbare Preise zu gewährleisten sowie kritisch die Sicherheit und Wirksamkeit zu überprüfen. 

Was in Lizenzvereinbarungen wirklich steht

Dass es auch anders geht zeigt die brasilianische Forschungseinrichtung Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz), die ihre Lizenzvereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca online veröffentlichte. Obwohl die Vereinbarung mit Schwärzungen öffentlich wurde, ist das ein erster wichtiger Schritt, der andere Akteure ermutigen sollte, dem Beispiel zu folgen. Außerdem wurde erst durch die Veröffentlichung bekannt, dass AstraZeneca sich die Möglichkeit vertraglich vorbehalten hat, die Pandemie bereits im Juli 2021 für „beendet“ zu erklären, um ab diesem Zeitpunkt von Regierungen und anderen Käufern hohe Preise für einen Impfstoff verlangen zu können, der vollständig von der Öffentlichkeit finanziert wurde. 

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