Kenia

Flüchtlingslager in Dadaab: Somalische Flüchtlinge dürfen nicht zur Rückkehr gezwungen werden

Die kenianischen Behörden haben jüngst die Schließung des Flüchtlingslagers Dadaab im nordöstlichen Kenia und die Rückführung der Bewohner nach Somalia verlangt. Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) warnt, dass dies für hunderttausende Menschen dramatische und lebensbedrohliche Folgen hätte.

Die Organisation betont, dass die aktuellen Bedingungen keine sichere und menschenwürdige Rückführung der Flüchtlinge nach Somalia zulassen und bittet die kenianische Regierung und die internationale Gemeinschaft dringend, die Hilfe für die in Kenia lebenden Flüchtlinge zu verstärken und für sichere Bedingungen zu sorgen.

Größtes Flüchtlingslager weltweit

„Eine solch drastische Maßnahme in einem derart knappen Zeitraum würde Generationen von Flüchtlingen ihre Zukunftsperspektive nehmen“, erklärt Charles Gaudry, Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Kenia. „Diese Maßnahme würde hunderttausende Menschen bestrafen und sie dazu zwingen, in ein Land zurückzukehren, in dem Sicherheit und medizinische Versorgung alles andere als gewährleistet bzw. an manchen Orten gar nicht existent sind.“

Das Flüchtlingslager von Dadaab, in dem derzeit rund 350.000 Menschen leben, ist das größte weltweit. Seit mehr als 20 Jahren ist es ein Zuhause für Generationen von Somalis, die vor den Kriegswirren in ihrer Heimat geflohen sind. Ärzte ohne Grenzen betreibt ein Spital mit 100 Betten und vier Gesundheitsstationen im Lager Dagahaley, einem von fünf zum Komplex gehörigen Lager.

Aufgrund der zunehmend unsicheren Lage und finanzieller Kürzungen mussten in den letzten Jahren viele in Dadaab tätige Organisationen ihre Aktivitäten zurückfahren. Dennoch bietet Dadaab nach wie vor die bessere Zuflucht als Somalia.

Rückkehr nach Somalia keine Option

„Eine Rückkehr nach Somalia ist keine Option“, sagt Abdul Hussein, ein Flüchtling, mit dem Ärzte ohne Grenzen Ende März gesprochen hat. „Das Problem, das uns nach Dadaab brachte, ist immer noch da. Die Leute haben keinen Ort zum Leben. Sie haben nichts.“

Gaudry fügt hinzu: „Eine erzwungene Rückführung von Flüchtlingen in ein von Krieg erschüttertes Land ist keine Lösung. Die kenianische Regierung und die internationale Gemeinschaft müssen gemeinsam eine Lösung erarbeiten, wie den somalischen Flüchtlingen, die in Kenia Zuflucht gefunden haben, Hilfe und Schutz geboten werden können.“

Ärzte ohne Grenzen ist seit 20 Jahren in Dadaab tätig und derzeit der einzige Anbieter gesundheitlicher Versorgung im Lager Dagahaley. 2014 hat Ärzte ohne Grenzen 180.000 ambulante Sprechstunden abgehalten, 12.000 Patienten stationär aufgenommen, 12.000 vorgeburtliche Untersuchungen durchgeführt und 3.240 Kinder entbunden. In der Folge der Anschläge auf die Universität Garissa vom 2. April hat Ärzte ohne Grenzen ein Team aus Dadaab eingesetzt, um das Spital von Garissa bei der Betreuung der Verwundeten zu unterstützen und leistete medizinische Hilfe am Flughafen Garissa, an den Hunderte Studenten evakuiert worden waren.

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