Niederlande

Hohe Medikamentenpreise bremsen notwendige Ausweitung von Behandlung gegen resistente Tuberkulose

Menschen mit medikamentenresistenter Tuberkulose (DR-TB) werden aufgrund hoher Medikamentenpreise weiterhin von der bestmöglichen Behandlung ausgeschlossen. Dies beinhaltet der Bericht „DR-TB Drugs Under the Microscope“, der heute von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) auf der 49. Union World Conference on Lung Health in Den Haag vorgestellt wurde. Ärzte ohne Grenzen fordert insbesondere den US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J & J) auf, den Preis des neueren TB-Medikaments Bedaquilin um die Hälfte zu senken, damit mehr Leben gerettet werden können.

Im August 2018 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Bedaquilin, hergestellt von J & J, als bevorzugtes Medikament für die Behandlung von DR-TB. Andere Medikamente, die täglich injiziert werden müssen, verursachen Taubheit, Nierenversagen und weitere schwere Nebenwirkungen. Diese Empfehlung erhöht die Zahl der Menschen deutlich, die Bedaquilin erhalten sollen.

Die Untersuchungen von Ärzte ohne Grenzen zeigen, dass DR-TB-Behandlungen mit den neueren Medikamente Bedaquilin und Delamanid einen signifikanten Preisanstieg gegenüber älteren, nicht mehr empfohlenen, Behandlungsregimen darstellen. Menschen mit DR-TB brauchen eine individuell zugeschnittene Behandlung, die aus mindestens fünf Medikamenten besteht. Der geschätzte Preis längerer individualisierter Behandlungsschemata könnte nun auf mehr als 2.000 US-Dollar für Menschen steigen, die mindestens 18 Monate Bedaquilin benötigen. Das entspricht einer 50 prozentigen Preiserhöhung gegenüber früheren Standardbehandlungen. Für Menschen, die sowohl Bedaquilin als auch Delamanid für eine Dauer von 20 Monaten benötigen, könnte die Preiserhöhung 500 Prozent betragen.

„Unsere Analyse zeigt deutlich, dass der hohe Preis der beiden neueren TB-Medikamente die heute bestmögliche Behandlung viel teurer macht als frühere Behandlungsmethoden", sagt Sharonann Lynch, HIV- und TB-Beraterin für die Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Wenn Pharmaunternehmen ihre Preise nicht wesentlich senken, werden die Menschen weiterhin leiden, und keinen Zugang zu einer sichereren und wirksameren Behandlung bekommen."

J & J hat vor kurzem für einige Länder eine Preissenkung für Bedaquilin angekündigt. Diese Preissenkung erreicht aber nicht die Länder, die am stärksten von DR-TB betroffen sind. Der Preis von 400 US-Dollar für eine sechsmonatige Behandlung ist immer noch zu hoch, da viele Menschen das Medikament für einen deutlich längeren Zeitraum benötigen. J & J hat erhebliche Steuergelder von den USA und anderen Regierungen für die Entwicklung von Bedaquilin erhalten und daher eine Verantwortung, die Öffentlichkeit an den Ergebnissen teilhaben zu lassen, indem sie das Medikament für alle erschwinglich macht, die es benötigen.

Schätzungsweise 558.000 Menschen sind im Jahr 2017 an DR-TB erkrankt, aber nur 25 Prozent dieser geschätzten Fälle wurden behandelt. Die bisher in den meisten Ländern übliche DR-TB-Behandlung erforderte bis zu 14.000 Tabletten über fast zwei Jahre sowie bis zu acht Monate schmerzhafte tägliche Injektionen, die schwere Nebenwirkungen verursachten. Die Heilungsrate beträgt hier nur 55 Prozent. „Um so viele Leben wie möglich zu retten und die Behandlung wirklich auszuweiten, sollte der Preis für eine vollständige DR-TB-Behandlung in allen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen sowie in Ländern mit hoher TB-Belastung nicht höher als 500 US-Dollar pro Person sein", sagt Lynch.

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