Stopp der Spendenbürokratie! Ärzte ohne Grenzen warnt vor hohen Kosten und Spendenrückgang durch Neuregelung der Spendenabsetzbarkeit.

Geplante Neuregelung für Spendenabsetzbarkeit ist aufwendig und teuer für Spendenorganisationen

Wien, 3.6.2015. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) protestiert gemeinsam mit anderen Spendenorganisationen gegen die geplante Verpflichtung zur Übermittlung von Spenderdaten an das Finanzministerium. Der Entwurf zur Steuerreformgesetzgebung sieht vor, dass Vereine Name, Geburtsdatum und Spendenhöhe all ihrer Spender weiterleiten müssen. Dadurch kommen enorme zusätzliche Verwaltungskosten auf die Organisationen zu. Ärzte ohne Grenzen fürchtet einen Spendenrückgang, weil Spender ihre Daten nicht im Finanzministerium haben wollen. Diese Gelder fehlen dann für die Hilfseinsätze. Eine Verwaltungsreform, die laut Spendenbeirat weder Sinn macht noch notwendig ist, wird also letztlich auf dem Rücken notleidender Menschen durchgeführt.

Stellungnahme an das Parlament

„Unsere Aufgabe ist es, Leben zu retten. Dafür wollen wir auch weiterhin unsere Spenden einsetzen“, betont Mario Thaler, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen. „Die geplante Regelung verpflichtet uns aber zu enormen Mehrkosten für Verwaltungsarbeit. Geld, das dann bei unseren Hilfseinsätzen fehlt“.

Ärzte ohne Grenzen hat in seiner heutigen Stellungnahme an das Parlament die wesentlichsten Gründe für seine Ablehnung der Neuregelung angeführt. Neben Mehrkosten und Spendenrückgang sind es auch die teilweise gar nicht durchführbaren Vorgaben des Finanzministeriums wie Weitergabe des Spender-Geburtsdatums oder die Unterscheidung zwischen Einkommensteuer- und Lohnsteuerpflichtigen. Denn: Diese Daten haben und bekommen Organisationen nicht mit einer Spende mitgeliefert, sie müssten also von jedem einzelnen Spender erfragt werden. Bei rund 250.000 Spendern im Jahr ein enorm teurer und dabei gar nicht lückenlos durchführbarer Aufwand für Daten-Recherche.

Effiziente Hilfseinsätze statt hohe Verwaltungskosten

Ärzte ohne Grenzen leistet weltweit lebensrettende Einsätze. Die österreichische Bevölkerung unterstützt das großzügig mit Spenden, weil unserer Hilfseinsätze effizient und unsere Verwaltungskosten gering sind. Durch die neuen Regelungen würden sich unsere Verwaltungskosten um die Hälfte erhöhen. Geldverschwendung im Auftrag des Finanzministeriums“, kritisiert Thaler.

Ärzte ohne Grenzen Österreich ist die viertgrößte spendensammelnde Organisation im Land und finanzierte im letzten Jahr Hilfseinsätze in 28 Ländern der Welt mit fast 19 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten lagen bei 3,8%. Die Einnahmen stammen ausschließlich aus privaten Spenden.

Für Interviews steht Andreas Plöckinger, Fundraising Director, zur Verfügung.

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