3. Oktober 2015: Angriff auf unser Krankenhaus in Kundus

Am Samstag, den 3. Oktober 2015, wurde das chirurgische Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus bei mehreren Luftangriffen schwer getroffen. Insgesamt wurden mindestens 42 Menschen getötet, darunter vierzehn Mitarbeiter und 24 PatientInnen sowie vier betreuende Angehörige. Die Einrichtung war zum Zeitpunkt des Angriffs ein voll funktionierendes Krankenhaus und aus diesem Grund durch das humanitäre Völkerrecht geschützt.

Der Krankenpfleger Lajos Jecs, der die Angriffe miterlebt hat, berichtet von schrecklichen Szenen: „Ich kann eigentlich nicht beschreiben, was sich dort abspielte. Auf der Intensivstation lagen sechs Patienten brennend in ihren Betten. Es war schrecklich. Ein Patient lag auf dem OP-Tisch, tot, inmitten der totalen Zerstörung.“

Der Angriff auf unser Krankenhaus fand statt, obwohl wir alle Konfliktparteien über die genaue Lage unserer Einrichtung informiert hatten – auch die Verantwortlichen in Kabul und Washington. Es ist für uns völlig inakzeptabel, dass dieser große Verlust an Menschenleben als 'Kollateralschaden' abgetan wird. Es handelte sich bei diesem Angriff um eine schwere Verletzung des humanitären Völkerrechts. Deshalb forderten wir direkt im Anschluss mittels einer Petition eine umfassende und transparente Untersuchung durch eine unabhängige, internationale Instanz, die nicht in den Konflikt in Afghanistan involviert ist.

Danke an mehr als 547.000 Menschen, die unsere Petition für eine unabhängige Untersuchung unterzeichnet haben! Die Unterschriften haben wir am 9. Dezember dem Weißen Haus in Washington übergeben.

Fakten über den Angriff

Diskussion: Helfer unter Beschuss

Ein Jahr später sehen sich Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal in Konfliktregionen mit einer wahren „Epidemie von Angriffen“ konfrontiert. Afghanistan, Syrien, Jemen, Südsudan: Seit Kundus fanden mindestens 75 Angriffe auf medizinische Einrichtungen statt, die von Ärzte ohne Grenzen unterstützt werden. Diese Attacken stellen nicht nur eine eklatante Verletzung des internationalen humanitären Völkerrechts dar, sondern rauben Millionen Menschen den Zugang zu lebenswichtiger Gesundheitsversorgung.

Am Jahrestag des fatalen Bombardements in Kundus laden Ärzte ohne Grenzen und die Wiener Ärztekammer zur Diskussion über die Zukunft der medizinischen Hilfe in Konflikten. Vertreter medizinischer Hilfsorganisationen, der Ärzteschaft und des Außenministeriums diskutieren darüber, welche Gefahr die Aushöhlung der Genfer Konventionen birgt – und was unternommen werden muss, um das Recht auf medizinische Hilfe und der Schutz von Gesundheitseinrichtungen zu gewährleisten.

Zur Veranstaltung

Krankenhäuser dürfen keine Angriffsziele sein!

Mit der Kampagne #NotATarget fordern wir Respekt vor medizinischen und humanitären Einrichtungen und mehr Menschlichkeit, besonders in Kriegsgebieten. Denn die Angriffe auf unsere Einrichtungen in Jemen, Afghanistan und Syrien haben zahlreichen PatientInnen und KollegInnen von uns das Leben gekostet und tausende Menschen von medizinischer Versorgung abgeschnitten. Diese Angriffe müssen aufhören!

Über die Kampagne

Meldungen zum Thema Kundus-Independent-Investigation

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