Alexandra Schuster08.06.2018

Als "Flying Mechanic" im Südsudan

7 Kommentare

Alexandra Schuster aus Kumberg bei Graz ist zum ersten Mal mit Ärzte ohne Grenzen auf Einsatz – und zwar als "Flying Mechanic" im Südsudan. Als ausgebildete Mechanikerin trägt sie dazu bei, dass unsere medizinische Hilfe diejenigen erreicht, die sie am dringensten benötigen.

Brumm…quietsch…symmetrisches 4-Takter summen...und wieder quietsch...quietsch. Das sind die Hintergrundgeräusche, die ich höre, während ich diese Zeilen schreibe. Nach drei Wochen gewöhnt man sich langsam daran. Der Grund für diese permanenten Geräusche sind Keilriemen, Stromgeneratoren, bellende Hunde, Hupen und viele sehr schlecht eingestellte Vergaser von Motorrädern – "Willkommen in Juba".

Ich bin seit Mitte März in Juba im Südsudan - der Hauptstadt des jüngsten Staates der Welt. Im Land herrscht seit Jahren ein nicht enden wollender Bürgerkrieg. Besonders betroffen davon ist die Zililbevölkerung: Zehntausende Menschen sind gestorben, Millionen Schutzsuchende sind vor der extremen Gewalt  in die Nachbarländer geflohen. Seit 1983 sind wir im Südsudan und leisten in großen Teilen des Landes medizinische Hilfe. Bis September bleibe ich hier und arbeite im Bereich Koordination als Mechanikerin. Bei allen Themen, die sich auf Motoren, Fahrzeuge, Service und Flottenmanagement beziehen, stehe ich mit Rat und Tat zur Seite. Ich hab also einen Bürojob...grob ausgedrückt. Sehr grob!

Mein erster Projektbesuch war ein besonderes Erlebnis: Ein etwas abenteuerlicher Flug mit vier Leuten für zweieinhalb Stunden in einer kleinen, lauten Propellermaschine inklusive Pilot und Kopilot. Obwohl ich schon wirklich viele Flughäfen in meinem kurzen Leben gesehen habe, schlägt der Südsudan alles. Auf der Start- und Landebahn aus Erde wird der Check-In-Bereich mit einem Pick-Up an- und abtransportiert. Er besteht aus einem blauen Plastiktisch inklusive Plastiksessel. Eine kleine, etwas altertümliche Waage, dient zum Abwiegen des Gepäcks - 20 Minuten vor dem Einsteigen. Unbeschreiblich, das müsst ihr mir glauben!

Meine absolute Faszination für Feuerwehrfahrzeuge (jeder ist im Inneren oftmals noch ein Kind) wird wohl nie aufhören. So schlägt auch hier mein Herz schneller, wenn ich auf diversen Flughäfen Feuerwehrautos sehe...teilweise in so desaströsem Zustand, sodass mein Herz blutet. Es erfüllt mich aber auch mit etwas Stolz, dass wertvolle Handarbeit aus Leonding ihren Weg in das Herz von Afrika gefunden hat und ich mit meiner weißen Ärzte ohne Grenzen-Weste daran vorbeispaziere. Auch wenn die Feuerwehrfahrzeuge etwas Pflege und Liebe bräuchten, bin ich in erster Linie für die Organisation hier: Also gilt für mich das Motto: "Not my business" 

Meine handwerklichen Fertigkeiten wurden bis jetzt nur minimal gebraucht. Es gibt hier sehr gute Mechaniker und auch viele Mechanikerinnen. Hier könnte sich Österreich etwas abschauen. Hier wird meistens nicht nach Anleitung repariert, sondern improvisiert. Zum Schluss zählt nur, dass die reparierte Maschine wieder läuft.

Es ist schwierig, es in Worten zu fassen, was man hier alles so erlebt. Ich fühle mich nützlich und lerne jeden Tag etwas Neues dazu. Meine nationalen und internationalen Kollegen und Kolleginnen sind alle extrem hilfsbereit. Es ist schön, ein Teil eines solchen Teams zu sein.

Mich an die durchschnittlich 35°C zu gewöhnen wird noch etwas dauern, aber ich bin ja erst angekommen. Ich wurde wunderbar aufgenommen und bin zufrieden und glücklich, hier sein zu dürfen. Ich arbeite zwar nicht direkt mit den Betroffenen und Notleidenden, jedoch bin ich ein kleines Rad, welches mithilft, dass alles funktioniert und medizinische Hilfe zu denen gelangt, die sie am notwendigsten brauchen. Und wie ich den Eindruck habe, sind das hier extrem viele Menschen.

Kommentare

Harald Röck
Hallo Alex! Danke für diese authentische Schilderung...! Nicht nur Du kannst stolz sein auf Deine und Eure Arbeit vor Ort; Auch Ich, und deine Trinkwasseraufbereitungskollegen sind stolz auf Dich!! Liebe Grüße aus Freistadt und weiterhin viel Erfolg bei eurer für mich extrem wertvollen Arbeit!! Harald
Alfred Juriga
Liebe Xandi, super! --> ich bin stolz darauf, Dich zu kennen. Bleibe wie Du bist!!! L P.S.: Lass' auch Lukas schön grüßen. Ich bin zur Zeit bei 'den Kindern Melanie, Gü und Nala und werde für Nala eine Brücke (einen kleinen Steg über das Gerinne) bauen, Sie ist für einen Hund in ihrem Alter zwar noch gut beisammen, tut sich jedoch schon schwer über den alten und wackligen Steg zu 'laufen'. Liebe Grüße und weiterhin alles Gute für Dich und die Menschen dort!Liebe Grüße auch an Lukas, Alfred
Josef Pastl
Die richtige Frau am richtigen Ort. Und Ja....Sie fehlen uns im Internationalen Kundendienst. Viel Glück und Gesundheit - LG - Josef Pastl
Stefan
Hallo Alexandra, herzlichen Dank für die tolle Postkarte, die uns vor einiger Zeit erreicht hat. Deine Postkarten sind immer ein kleines Highlight, jeder stürzt sich erst mal drauf :). Besuche doch mal unsere Webseite, dort findest Du einen Link zu einer Fernsehsendung, es wurde ein Firmenportrait über JFW erstellt. Würde mich freuen, wenn Dich diese Nachricht erreicht. Liebe Grüße ... Stefan von JFW in Stapel
Corinne
Hallo Alexandra! Schön dass du uns deinen Einsatz beschreibst. Mich würde es interessiert warum es mehr Mechanikerinnen in Süd-Sudan als in Österreich gibt.... In meinen diverse Reisen und Einsätze in Afrika habe ich wenig Frauen fahren gesehen (Außer der Stadt, meine ich), also Mechanikerin... Ist die Situation im Süd Sudan etwas besonderes? Ich würde mich freuen, wenn du darüber mehr erzählen würdest. Danke im Voraus und für deinen Engagement! Corinne MSF-Dinosaure
Karl Ehrlinger
Hallo Alex , ja Josef Pastl hat Es richtig ausgedrückt alles gute noch wir sehen uns wieder lg Karl
Wilfried Hildenbrand
Kann mich nur Harald anschließen. Freu mich schon auf einen Vortrag von dir.

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