Antonia Zemp24.03.2016

Äthiopische Momente, welche mich stärken

4 Kommentare

Schon mehr als einen Monat in Äthiopien und gefühlt sind es bereits 3. All die neuen Eindrücke, all das Unbekannte und Entdeckenswerte und natürlich die viele Arbeit lassen die Zeit viel schneller vergehen als zu Hause. Natürlich wurde die Uhr auch bereits am ersten Tag im Einsatz auf “Ärzte ohne Grenzen-Zeit” umgestellt. Das heißt, aus einem 8 Stunden Arbeitstag werden täglich mindestens 14 – und die 24 Stunden, welche zuvor problemlos für den Alltag gereicht haben, scheinen plötzlich viel zu wenig. Aber genau deshalb sind Notfalleinsätze bei Ärzte ohne Grenzen nicht so lange: Du kannst 2-3 Monate 200% geben und danach zu Hause wohlverdiente Freitage Genießen mit dem unbeschreiblichen Gefühl, viel erreicht zu haben.

Unser Projekt hier in Sitizone (Somali-Region in Äthiopien) ist die Antwort auf eine seit Monaten anhaltende Dürre. Kein Regen = kein Wasser, und kein Wasser = kein Leben für Tiere und Pflanzen. Und die Menschen, welche für ihre Nahrung davon komplett abhängig sind, leiden unter den Folgen: Hunger, Durst, Krankheit.

Wir arbeiten hier in zwei verschiedenen Spitälern für unterernährte Kinder und sechs verschiedenen ambulanten Ernährungsprogrammen, um auch die Menschen außerhalb der größeren Dörfer zu erreichen. Wenn die Kinder zu uns kommen, wird zuerst der Oberarmdurchmesser geprüft – eine sehr einfache, schnelle und doch präzise Methode, um den Ernährungszustand der Kinder zu erfassen. Fällt es in die Kategorie der moderaten oder schweren Mangelernährung wird in einem „Medical Check-Up“, also einer medizinischen Untersuchung, geprüft, ob sie ambulant behandelt werden können oder ob sie eine stationäre Behandlung benötigen.

Leider leiden die Kinder sehr oft an weiteren medizinischen Komplikationen, da ihre ausgezehrten Körperchen keine Kraft mehr haben, sich selber zu schützen. Durchfall, Erbrechen und Lungenentzündungen sind alltäglich. Zu all der bereits prekären Situation kam noch eine Masern-Epidemie dazu. Die Deklaration der Epidemie war genau an meinem Geburtstag, mein Geburtstagsgeschenk kam dann 3 Tage später: 5.000 Masernimpfungen!!

Die kleine Halima auf dem Foto in meinen Armen war wegen alle dem beinahe 1,5 Monate bei uns im Spital. Sie kam mangelernährt und ohne Appetit zu uns. Mit Milch und Erdnusspaste konnten wir sie wieder stärken, aber als sie beinahe entlassen werden konnte, haben die Masern zugeschlagen und sie musste noch einmal lange kämpfen. Aber sie hat es geschafft!!

Und genau das sind die Momente, welche mich all die durchgearbeiteten Nächte, alle Frustrationen und den Stress vergessen lassen und ich mit einem Lächeln im Gesicht weiter machen kann. Solche Momente gibt es zum Glück ganz viele. Wenn ich die Kinder beobachte, wie sie herzhaft die Erdnusspaste verzehren, und du dann nach einer Woche die Hamsterbäckchen sehen kannst. Wenn sich die Eltern bei dir bedanken, ich kein Wort verstehe von dem was sie sagen (leider ist mein Somali noch nicht fließend), das strahlende von Herzen kommende Lächeln aber sowieso alle Worte überflüssig macht. Dafür nehme ich gerne hin, dass ich seit meiner Ankunft nur Reis oder Pasta esse, dass Dusche und WC sehr zu wünschen übrig lassen, dass ich keine Minute Privatsphäre habe, da wir alle zusammen in großen Zelten wohnen, und dass alles und immer (ich inklusive) voller Sandstaub ist, da wir mitten im Nirgendwo in der Wüste wohnen.

Und für alle, welche meinen letzten Blogeintrag über Das “2-Years-Around-The-World-Ticket“ der etwas anderen Art… gelesen haben: Das mit den Touristenattraktionen stimmt nicht ganz… auf dem Weg zur Arbeit habe ich ganz oft Safari mit Straußen, Gazellen, Wüstenfüchsen und Warzenschweinen!

Und ich meine, wer hat das schon auf seiner Pendlerstrecke?

Kommentare

Dany
Respekt!!!! dir und allen Ärzten viel Kraft, viel Durchhaltevermögen und alles weitere Gute
marion.jaros
Hi Antonia, Halima und du - ein wunderschönes Bild. Schön, dass sie es geschafft hat. Freue mich mit dir. Liebe Grüße aus Wien Marion, MedEx ;)
Ruth Bischoff
Toll, so direkt zu erfahren was alles geleistet wird. Danke Antonia und dem ganzen Team von Herzen. Da werde ich auch gerne wieder spenden.
Mägi Schmid
Allein kann ich die Welt nicht retten, aber ich kann einen Stein ins Wasser werfen und so viele Wellen schaffen. Mutter Theresa Danke, Antonia für deine Wellen!

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