Michaela Posch28.11.2014

Was ist ein “Krankenhaus” in einem Flüchtlingslager?

5 Kommentare

Ich möchte euch hier einmal schildern, was Ärzte Ohne Grenzen in Yida macht, damit ihr dann auch versteht, was ich in der Apotheke zu arbeiten habe. Und mittlerweile habe ich auch ein paar Fotos gemacht!

Wenn ich von einem “Krankenhaus” spreche, ist das natürlich keinesfalls mit einem Spital in Europa zu vergleichen. Es beginnt damit, dass wir kein großes fixes Gebäude haben (also nur Kranke, aber kein Haus). Vor einigen Monaten konnten wir die Räumlichkeiten, in denen unsere stationären Patienten liegen, von Zelten in zementierte Blocks übersiedeln. Abgesehen von diesen 3 Räumen besteht der Rest aus Zelten oder offenen Holzbauten. Nur die Apotheke ist ebenfalls ein festes Gebäude, und abgesehen vom neuen Notaufnahme-Zelt auch der einzige klimatisierte Bereich.


Das neue IPD von außen © Michaela Posch/MSF

Der Bereich, in dem stationäre Patienten aufgenommen werden, wird In-Patient-Departement (IPD) genannt, quasi die „Station“. Das ist sozusagen das Krankenhaus. Die andere Hälfte nennt sich Out-Patient-Departement (OPD), das ist die “Ambulanz”, wo Leute aus dem Flüchtlingslager hinkommen, um untersucht zu werden. Nach der Diagnose werden sie meistens mit Medikamenten nach Hause entlassen, die wirklich schwierigen und lebensbedrohlichen Fälle werden ins IPD aufgenommen.


Der Wartebereich und der Eingang zum OPD, hier ist immer viel los. © Michaela Posch/MSF

Wie schon erzählt, haben wir hier nur wenige internationale ÄrztInnen und Krankenpflegefachkräfte aus aller Welt. Die Arbeit hier wird vorwiegend von unseren einheimischen Mitarbeitern getragen. Wir haben Krankenpfleger, diese sind als Supervisor und Consultants tätig: Zu ihnen kommen die Patienten in erster Linie, um untersucht zu werden. Es sind nicht standardmäßig unsere westlichen Ärzte, die den Patienten untersuchen und die Diagnose stellen. Die sprachlichen Differenzen und die Skepsis vor weißen Menschen können zu Schwierigkeiten führen, auch wenn Ärzte ohne Grenzen in Yida von der Bevölkerung anerkannt und akzeptiert ist. Deswegen konzentrieren wir uns darauf, unsere Angestellten möglichst gut auszubilden, zu beraten und zu unterstützen - auch, um die Qualität unserer Gesundheitsversorgung auf einem konstanten Niveau zu halten. Diese können dann in einer vertraulichen und verständlichen Art den Patienten therapieren. In schwierigen Fällen, bei Problemen oder sonstigen nicht alltäglichen Situationen (und davon gibt es reichlich) stehen natürlich unsere Ärzte sofort zur Verfügung.


Einer unserer Consultants, John Ambali, klärt eine Patientin über Malaria auf. © Michaela Posch/MSF

John ist 26 Jahre alt und einer der sechs Pflege-Consultants bei uns: "Bei Ärzte ohne Grenzen bekomme ich mehr Wissen, mit dem ich in meiner Community medizinische Hilfe leisten kann," hat er kürzlich unserem Kollegen Mathieu bei seinem Besuch aus New York erzählt. Das Team behandelt täglich im Durchschnitt rund 300 PatientInnen, die meisten davon mit Malaria oder Atemwegserkrankungen. Hier in Yida leben rund 70.000 Flüchtlinge, die meisten davon aus der Bergregion Nuba. Auch John ist von dort geflohen und lebt seit zwei Jahren in Yida. Heute arbeitet er bei uns und hilft seiner eigenen Gemeinschaft.

Abgesehen davon gibt es zahlreiche Pflegehelfer, die wir selbst ausgebildet haben. Diese waren nie auf einer höher bildenden Schule, sondern haben ihr Wissen meist nur von Ärzte ohne Grenzen in zahlreichen Trainings bekommen, so auch meine Apothekenangestellten. Es beeindruckt mich sehr, wie professionell und selbstständig alle Mitarbeiter sind, allein das Arbeiten in einer fremden Sprache ist nicht leicht (alles ist hier auf Englisch, die meisten haben aber als Muttersprache Arabisch). Wir können uns auf jeden einzelnen verlassen, alle nehmen ihre Arbeit ernst und sind stolz, Teil dieses Teams zu sein. Die meisten von ihnen sind selbst Flüchtlinge und leben daher unter denselben Bedingungen wie unsere Patienten.

Die Arbeit ist anstrengend, wir haben so viele Patienten wie noch nie, unsere Betten sind teilweise doppelt belegt. Trotzdem ist die Stimmung gut, jeder der Mitarbeiter ist stets freundlich und bemüht.


Dr. Cornelia aus Vorarlberg bei der Arbeit im IPD © Michaela Posch/MSF

Damit habt ihr einen Eindruck, wie es hier so aussieht. Das nächste Mal gibt’s dann einen Tag in der Apotheke.

Und damit auch ein Bild von mir dabei ist, gibt’s zum Abschluss noch diesen tollen Schnappschuss: Das bin ich bei unserem Samstagabend Barbecue - das erste Mal in meinem Leben habe ich Ziegenhoden gegessen, mmmmh lecker! ;-)

 


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Endlich angekommen! Yida und mein Weg dorthin.

Kommentare

Sema Yanar
Hallo Michi, danke für den Bericht. Und ekommen hier tollen Einbick, so dass ich mich richtig schäme dass es uns hier so gut geht. Ich bewundere deinen Einsatz
Rachel Immler
ui ui wie cool, also alles ausser der hoden iiiiii
Latschi
Toll !!! Freut mich immer wieder von dir zu lesen... Wünsch dir alles Gute weiterhin und bin schon ganz gespannt auf deinen nächsten Beitrag! Frohe Weihnachten !!!
Elfriede Posch
Ein interessanter Einblick in die Arbeit der MitarbeiterInnen von MSF. Vielen Dank und alles Gute weiterhin! Es ist toll, wie du dich einsetzt! Liebe Grüße von deiner Mama.
Wilfried Posch
Ja Michaela, das klingt alles sehr interessant.Besonders gut finde ich, dass möglichst viele einheimische Personen miteinbezogen werden. Ob das Barbecue wirklich so lecker war, kann ich nicht ganz glauben, wenn ich mir dein Gesicht anschaue. Alles Gute für deine wertvolle Arbeit. Grüße aus Völs.

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