Guinea

Ärzte ohne Grenzen bekämpft beispiellosen Ebola-Ausbruch

Wien/Conakry 31. März 2014. Die Ebola-Epidemie hat die Hauptstadt Conakry erreicht. Acht Fälle sind bisher bestätigt worden. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) sieht sich mit einem beispiellosen Ausbruch konfrontiert. Die Krankheitsfälle verteilen sich auf mehrere Städte Guineas.

„Wir haben es mit einer Epidemie zu tun, wie wir es in Bezug auf die Verteilung der Fälle noch nie zuvor gesehen haben. Es wurden bereits Fälle in Guéckédou, Macenta, Kissidougou, Nzérékoré und jetzt auch in Conakry registriert», erklärt Mariano Lugli, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen in Conakry. „Ärzte ohne Grenzen war bei fast allen Ebola-Epidemien der vergangenen Jahre im Einsatz, aber diese waren jeweils örtlich sehr begrenzt und betrafen eher abgelegene Orte. Dass die jetzigen Fälle so weit verstreut sind, erschwert die Bemühungen, die Epidemie einzudämmen."

Übertragungskette muss unterbrochen werden

Die Organisation verstärkt weiterhin ihre Teams und verteilt ihre Mitarbeiter auf Conakry und den Südosten des Landes. Bis Ende der Woche werden gegen 60 Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort sein, die Erfahrung bei der Bekämpfung von hämorrhagischem Fieber haben. Unter anderem handelt es sich um Ärzte, Pflegepersonal, Epidemiologen, Anthropologen sowie Spezialisten für Wasser und Abwasser. Außerdem wurden bereits mehr als 40 Tonnen Material per Flugzeug nach Guinea geschickt.

In Zusammenarbeit mit den guineischen Gesundheitsbehörden und der Weltgesundheitsorganisation hat Ärzte ohne Grenzen in Conakry im Referenzspital Donka die Abteilung verstärkt, die mit der Isolierung der Ebola-Kranken betraut ist. In anderen Einrichtungen sind Patienten derzeit noch weniger gut isoliert, doch das soll sich in den nächsten Tagen ändern. Die Teams sind außerdem auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um eine neue Behandlungsstation einzurichten. Gleichzeitig bemüht sich Ärzte ohne Grenzen, Personen ausfindig zu machen, die in Kontakt mit Ebola-Patienten waren. Die Suche nach solchen Personen sowie deren Isolierung, ist die einzige Möglichkeit, um die Übertragungskette des Virus zu durchbrechen. Denn es gibt weder eine Impfung noch eine Therapie gegen Ebola.

Ebola Virus-Stamm besonders aggressiv

Im Südosten des Landes, insbesondere in den Städten Guéckédou und Macenta, ist Ärzte ohne Grenzen seit zwei Wochen tätig und hat zwei Isolierstationen für die Kranken errichtet. Mithilfe der lokalen Bevölkerung wird die Suche nach weiteren Fällen fortgesetzt, und es werden regelmäßig Sensibilisierungsmaßnahmen durchgeführt. Die Isolierung der Erkrankten in dieser Region wird dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

„In Guinea haben wir es mit dem ‚Zaïre-Stamm' des Ebola-Virus zu tun. Dabei handelt es sich um den aggressivsten und tödlichsten: von 10 Infizierten sterben 9 Patienten", betont Michel Van Herp, Epidemiologe von Ärzte ohne Grenzen, der sich gegenwärtig in Guéckédou aufhält. „Um die Epidemie eingrenzen zu können, ist es wichtig, die ganze Übertragungskette zurückzuverfolgen. Sämtliche Personen, die Kontakt mit Verdachtsfällen hatten, müssen überwacht und isoliert werden, sobald sie erste Zeichen einer Infektion aufweisen. Dies erfordert, dass die guineischen Behörden und die Weltgesundheitsorganisation den medizinischen Einrichtungen dabei helfen, die erforderlichen Hygienemaßnahmen umzusetzen.»

Die guineischen Gesundheitsbehörden melden aktuell 122 Verdachtsfälle sowie 78 Todesopfer. Weitere Verdachts- und bestätigte Fälle wurden auch in Sierra Leone und Liberia gemeldet.

Ärzte ohne Grenzen ist seit 2001 in Guinea tätig und führt Projekte zur Bekämpfung von HIV/Aids sowie gegen Malaria durch.

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