Ärzte ohne Grenzen ruft Pharmafirmen dazu auf, HIV-Patente in einen Patentpool zu geben

New York/Wien, 5. Oktober 2009. Die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fordert in einer Email-Kampagne die neun Pharmakonzerne mit den wichtigsten Patenten für HIV-Medikamente auf, diese Patente in einen Pool zu geben. Damit sollen die Konzerne die Verfügbarkeit neuer Medikamente für Millionen Menschen mit HIV/Aids ermöglichen.

In einem solchen Patentpool stellen Patentinhaber ihre Patente anderen für Produktions- oder Entwicklungszwecke zur Verfügung. Im Bereich der digitalen Telekommunikation hat dieser Mechanismus beispielsweise zu einem Innovationsschub geführt. „Die Idee ist einfach. Unternehmen teilen ihr Wissen, erhalten dafür faire Lizenzgebühren und die Generika-Firmen können günstige Nachahmerpräparate entwickeln“, erklärt Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Dieser Kompromiss kann den Zugang zu HIV-Medikamenten grundlegend verändern.“

Die internationale Einrichtung UNITAID zum Erwerb von Medikamenten gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose errichtet derzeit einen Pool für HIV-Medikamentenpatente. Für den Erfolg dieses Pools ist die Teilnahmebereitschaft der Patentinhaber ausschlaggebend.

„Nun liegt es an den großen Pharmafirmen. Wir fordern sie auf, sich für das Wohl der HIV-Patienten zu entscheiden“, erklärt Moldenhauer. „Dies ist die Gelegenheit für Pharmafirmen, zu zeigen, dass sie wirklich dazu beitragen wollen, den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten für Aids-Kranke in ärmeren Ländern zu ermöglichen. Einige Unternehmen haben bereits Interesse an der Idee bekundet, aber sie müssen noch weiter gehen und die wesentlichen Patente in den Pool geben.“

Für HIV/Aids-Patienten wären die Auswirkungen enorm. Ein Patentpool würde die Verfügbarkeit von günstigeren Versionen der lebensrettenden Medikamente stark verbessern. „Diese Gelegenheit kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt“, erklärte Eric Goemaere, medizinischer Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika. „Viele unserer Patienten haben Resistenzen entwickelt und müssen nun zu neueren wirksameren Medikamenten wechseln. Da diese aber für sie entweder nicht verfügbar oder bezahlbar sind, sind die Patienten wieder vom Tod durch Aids bedroht.“ Ärzte ohne Grenzen behandelt derzeit mehr als 140.000 HIV/Aids-Patienten in 30 Ländern weltweit.

Auf der Website http://www.aerzte-ohne-grenzen.at/pushforthepool fordert Ärzte ohne Grenzen engagierte Menschen auf, E-Mails an die Unternehmen Abbott, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Johnson&Johnson, Gilead Sciences, GlaxoSmithKline, Merck und Pfizer zu schicken, damit diese ihre HIV-Medikamente in den Pool geben.

Teilen

Vervielfältigen