Weltweit

Ärzte ohne Grenzen startet weltweite Petition für bezahlbare Pneumokokken-Impfstoffe

Wien/New York, 12. November 2015. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF) fordert von den Pharmaunternehmen Pfizer und GlaxoSmithKline (GSK) eine deutliche Senkung der Preise ihrer Pneumokokken-Impfstoffe. Die internationale Hilfsorganisation startete am heutigen Welttag zur Bekämpfung der Lungenentzündung eine entsprechende weltweite Petition. Jahrelange Verhandlungen mit beiden Unternehmen über niedrigere Preise waren erfolglos geblieben. Jährlich sterben eine Million Kinder an oftmals durch Pneumokokken ausgelöster Lungenentzündung, denn immer weniger ärmere Länder können sich die Impfstoffe leisten.

„Der Pneumokokken-Impfstoff ist der Impfstoff, der sich weltweit am besten verkauft. Zusammen haben Pfizer und GSK bereits mehr als 28 Mrd. US-Dollar Umsatzerlöse mit ihren Pneumokokken-Impfstoffen erzielt“, sagt Dr. Manica Balasegaram, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. „Die Unternehmen können sich Preissenkungen erlauben, damit alle Kinder in ärmeren Ländern vor Lungenentzündung geschützt werden.“ Ärzte ohne Grenzen fordert eine Senkung der Impfstoffpreise auf 5 US-Dollar je Kind für ärmere Länder und Hilfsorganisationen.

Forderung: 5 US-Dollar pro Kind

„Wir haben als Ärzte schon zu viele Kinder an Lungenentzündung sterben sehen“, so Dr. Balasegaram weiter. „Wir werden nicht aufgeben, bis wir wissen, dass sich alle Länder die Impfstoffe leisten können. Wir bitten alle, unsere weltweite Petition mit einer Unterschrift zu unterstützen, damit Pfizer und GSK die Impfstoffpreise endlich senken.“

Im Mai dieses Jahres haben sich in Genf 193 Regierungen zur Weltgesundheitsversammlung getroffen und in einer bahnbrechenden Resolution einstimmig bezahlbare Impfstoffe und transparente Impfstoffpreise gefordert. Viele Länder erklärten, dass die hohen Kosten für neue Impfstoffe, wie die Pneumokokken-Impfstoffe, sie entweder daran hinderten, diese einzuführen oder langfristig in das Impfprogramm aufzunehmen.

Preise für Immunisierung müssen deutlich sinken

Im Jänner 2015 erhöhte Deutschland als Gastgeber der Wiederauffüllungskonferenz der globalen Impfallianz Gavi seinen Förderbeitrag für 2016 bis 2020 auf 600 Millionen Euro. „Daraus ergibt sich aus unserer Sicht eine besondere Verantwortung“, sagt Philipp Frisch, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland. „Wir fordern die Bundesrepublik auf, sich nun auch für eine möglichst effiziente Verwendung der öffentlichen Mittel einzusetzen. Dazu müssen die Preise für die Immunisierung deutlich sinken. Deutschland muss sich innerhalb Gavis und anderer relevanter Gremien für bezahlbare Impfstoffe einsetzen.“

Teams von Ärzte ohne Grenzen impfen jedes Jahr Millionen Menschen, als Reaktion auf akute Ausbrüche von Masern, Meningitis, Gelbfieber und Cholera, aber auch als Teil von Basisgesundheitsprogrammen, bei denen die Mutter-Kind-Gesundheit im Zentrum steht. Im Jänner 2015 veröffentlichte die Organisation den Bericht „The Right Shot: Bringing Down Barriers to Affordable and Adapted Vaccines“ über die Preisgestaltung bei Impfstoffen. Er zeigt, dass durch neue Impfstoffe die vollständige Immunisierung eines Kindes in den ärmsten Ländern der Welt heute 68 Mal so teuer ist wie im Jahr 2001.

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