Syrien

Ärzte ohne Grenzen unterstützt Gesundheitseinrichtungen in arabischen Ländern

Seit dem Beginn der Unruhen und Gewaltausbrüche in Ländern Nordafrikas und im Nahen Osten unterstützt und hilft Ärzte ohne Grenzen Krankenhäusern und Gesundheitsstrukturen, in denen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit steigenden Zahlen von Verletzten konfrontiert sind. Die Teams stehen außerdem Menschen bei, die in benachbarte Länder fliehen.

Libyen

Ärzte ohne Grenzen arbeitet noch immer daran, Zugang zu den konfliktreichen Gebieten in Libyen zu bekommen, um sich dort um medizinische Bedürfnisse kümmern zu können. In der vorigen Woche sahen sich die Teams gezwungen, Bengasi zu verlassen, Grund dafür waren die anhaltenden Kämpfe und die zunehmende Unsicherheit bei Reisen in Ostlibyen. Neun Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind derzeit in Alexandria, Ägypten. Sie liefern medizinische Notfalls-Ausrüstung (inklusive Verbandsmaterial, medizinische Kits zur Behandlung von Wunden und chirurgisches Material) über die Grenze. Da die Teams von libyschen Ärzten über den Bedarf informiert wurden, liefern sie außerdem Medikamente, unter anderem zur Behandlung von chronischen Krankheiten wie Diabetes, Hypertonie und Kardiopathie. Insgesamt wurden schon mehr als 33 Tonnen Material zur Verfügung gestellt.

In Adschdabiya verbrachte eine OP-Schwester von Ärzte ohne Grenzen die Nacht auf der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses und assistierte bei zehn Operationen an Patienten mit Schussverletzungen und bei einer Zwillingsgeburt. Zurzeit ist es jedoch nicht möglich, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen in libyschen Gesundheitseinrichtungen anwesend sind. Außerdem ist keine Evaluierung möglich und es ist sehr schwierig für Ärzte ohne Grenzen ein klares Bild der der Bedürfnisse im Land zu erhalten.

Ärzte ohne Grenzen versucht auch über Tunesien nach Libyen zu kommen. Aber trotz der kontinuierlichen Bemühungen seit dem 23. Februar 2011, haben die Einsatzteams noch immer keine Genehmigung erhalten, die Grenze zu überqueren. Aber auch vom Westen her unterstützen die Teams die vom Konflikt betroffenen Gebiete mit medizinischen Kits und Medikamenten. Am 21. März wurde eine Schiffsladung mit chirurgischen Kits für 150 Verwundete geliefert und erreichte das Krankenhaus von Misrata.

An der libyschen Grenze in Tunesien, kümmert sich ein Team von 25 Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen um Menschen, die vor dem Konflikt geflohen sind. In Ras Ajdir und im Übergangsslager Choucha, in dem zur Zeit etwa 6.000 Personen auf die Weiterreise oder Rückreise warten,  haben die Mitarbeiter Behandlungszelte an den Eingängen aufgestellt. Dort werden die Menschen psychologisch betreut, denn viele von ihnen haben Formen von Gewaltausübung entweder gesehen oder am eigenen Leibe erfahren und blicken nun einer ungewissen Zukunft entgegen. Ähnliche Unterstützung gibt es auch für Menschen im 150 Kilometer von Ras Ajdir entfernten Dehiba. An allen drei Orten bieten die Psychologen von Ärzte ohne Grenzen Gruppen- und Einzelsitzungen an. 4.062 Menschen wurden bis dato beraten und unterstützt. Davon hatten 501 Flüchtlinge und Migranten Einzelsitzungen in den Zelten, während die Psychologen außerdem 323 Gruppensitzungen im Lager Choucha organisierten.

Die Menschen fliehen auch nach Niger. Zwischen dem 11. und dem 15. März kamen 1.309 Personen in Dirkou an.  Ärzte ohne Grenzen stellt medizinische Beratung zur Verfügung wenn die Menschen nach Agadez kommen.

Auf der italienischen Insel Lampedusa ermittelt das Team von Ärzte ohne Grenzen – bestehend aus einem Arzt, einem Krankenpfleger, einem Logistiker und einem Vermittler – laufend die medizinischen Bedürfnisse der Migranten und stellt in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden medizinische Hilfe zur Verfügung. In den letzten Wochen kamen etwa 5.400 Migranten in Lampedusa an, die Mehrheit kam aus Tunesien und war in gutem gesundheitlichem Zustand. Aber die Lebensbedingungen sind sehr schlecht: das Lager ist überfüllt und es mangelt an sanitären Einrichtungen. Das Team wird mit dem Ende der Woche Hilfsgüter verteilen.

Jemen

Seit dem Beginn der Demonstrationen im Jemen im Jänner, verfolgt Ärzte ohne Grenzen genau die Entwicklung der Situation im Land. In Sana’a, Aden und Ta’izz, sind die Teams in Kontakt mit dem jemenitischen Behörden und der medizinischen Kommission, die von den Demonstranten eingerichtet wurde. In den letzten Wochen stellte Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material zur Verfügung und trainierte medizinisches Personal in verschiedenen Gesundheitseinrichtungen der drei Orte.  Im Moment können die Einrichtungen des Gesundheitsministeriums und die der Demonstranten die Bedürfnisse abdecken und die Verwundeten versorgen. Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind in Bereitschaft, ihre Hilfsaktivitäten zu verstärken, wenn eine unabhängige und neutrale Untersuchung ergibt, dass es einen Bedarf dafür gibt.

Die regulären medizinischen Aktivitäten von Ärzte ohne Grenzen an verschiedenen Orten im Jemen gehen weiter. Im Norden stellt Ärzte ohne Grenzen Gesundheitsversorgung (inklusive Chirurgie) für ansässige und vertriebene Menschen in Sa’da ebenso wie in den benachbarten Gouvernements Haddscha und Amran  zur Verfügung. Im Süden des Landes unterstützt Ärzte ohne Grenzen das öffentliche Krankenhaus im Distrikt Radfan, um dort den Menschen zu helfen, die von den Unruhen im Gouvernement Lahidsch betroffen sind. Zusammen mit den jemenitischen Gesundheitsbehörden arbeitet Ärzte ohne Grenzen auch an der Verbesserung der Behandlung und der Entstigmatisierung von HIV/Aids in der Hauptstadt Sana’a.

Bahrain

In Bahrain ist Ärzte ohne Grenzen in Kontakt mit einigen Gesundheitseinrichtungen und bereit zu helfen, wenn Unterstützung gebraucht wird. Schon früher in diesem Jahr nahm ein Evaluierungsteam Kontakt mit medizinischen Organisationen im Land auf. Das Team besuchte mehrere Male das Salmanya-Krankenhaus in der Hauptstadt Manama und bot Hilfe an.

Syrien

Auch in Syrien, wo vor wenigen Tagen in der Stadt Dar'a auch Unruhen begannen, verfolgt Ärzte ohne Grenzen die Lage. Seit 2009 arbeitet Ärzte ohne Grenzen in Damaskus mit einer lokalen Organisation zusammen und stellt Gesundheitsversorgung und psychologische Betreuung für undokumentierte irakische Flüchtlinge, Migranten und andere verletzliche Gruppen zur Verfügung. In Algerien hat ein Erkundungsteam von Ärzte ohne Grenzen im März Kontakt zum Gesundheitsministerium und Nichtregierungsorganisationen aufgenommen. Ziel war es, eine mögliche Zusammenarbeit im Falle von Gewaltausbrüchen zu evaluieren. Bis jetzt war noch keine Intervention von Ärzte ohne Grenzen nötig.

Tunesien, Ägypten

Während der Aufstände in Tunesien und Ägypten unterstützte Ärzte ohne Grenzen schon ansässige medizinische Strukturen. Im Jänner spendete die Organisation für Tunesien medizinische Ausrüstung inklusive orthopädischer Materialien an Krankenhäuser in Kasserine und Sidi Bouzid. In beiden Spitälern waren die Vorräte während der Demonstrationen fast erschöpft.

Auch während der Proteste am Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo stellte Ärzte ohne Grenzen medizinisches Material ägyptischen Ärzten in zwei Spitälern zur Verfügung. Außerdem wurde eine improvisierte Klinik in einer Moschee eingerichtet. Das Team schulte auch Personal darauf, wie mit einer großen Zahl an Verletzten umgegangen werden kann. Außerdem half es dabei zusätzliche Systeme zur Vorbereitung auf Notfälle einzurichten.

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