Elfenbeinküste: Ärzte ohne Grenzen fordert Schutz der Zivilbevölkerung

Wien/Abidjan, 1. April 2011. Die wieder aufgeflammten Kämpfe in Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) haben die ohnehin schon prekäre Gesundheitsversorgung der Bevölkerung deutlich verschlechtert, erklärt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). In der Hafenstadt Abidjan ziehen bewaffnete Männer plündernd durch die Straßen. In einigen Vierteln ist es nahezu unmöglich, das Haus zu verlassen. Im Westen des Landes hat eine Verschiebung der Frontlinie tausende Bewohner in die Flucht getrieben. Ein großer Teil der Bevölkerung ist dadurch von medizinischer Hilfe abgeschnitten.

„Der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist an einem kritischen Punkt angekommen”, erklärt Nothilfekoordinator Mego Terzian. „Zivilisten dürfen nicht zum Ziel von Angriffen werden und Patienten müssen in der Lage sein, medizinische Hilfe zu erhalten.“

Ärzte ohne Grenzen hat seit Anfang März zusammen mit den staatlichen Gesundheitseinrichtungen 450 Menschen in Abidjan behandelt, zwei Drittel davon waren Opfer der Kämpfe. Die Teams arbeiten im Krankenhaus Abobo-Süd, der einzigen Gesundheitseinrichtung in den nördlichen Vororten der Stadt, die überhaupt noch in Betrieb ist. Am Donnerstag wurden 15 Patienten mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Noch immer halten sich viele Bewohner in Abidjan auf, auch wenn ein großer Teil der Bevölkerung am vergangenen Wochenende aus der Stadt geflohen ist. Die Verbliebenen suchen Unterschlupf in Privathäusern in weniger umkämpften Vierteln oder verstecken sich in ihren Häusern. Nur im Notfall kommen sie zu den wenigen Gesundheitseinrichtungen, die noch geöffnet sind. Die meisten Ärzte und Pfleger sind geflohen. Außerdem fehlen Medikamente und medizinisches Material.

Duékoué stark betroffen

Im Westen des Landes haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in den Städten Bangolo und Douékoué in den vergangenen drei Tagen mehr als 230 Verwundete behandelt. Besonders Duékoué ist stark von den Kämpfen betroffen. Ärzte ohne Grenzen behandelt hier Patienten und überweist schwerere Fälle, die eine Operation benötigen, ins 30 Kilometer entfernte Bangolo. Dort arbeitet ein weiteres Team in dem einzigen funktionierenden Krankenhaus der Stadt. Auch in der Stadt Guiglo, in die Tausende geflohen sind, behandeln Mitarbeiter so gut es geht Patienten. Die Sicherheitslage macht die Evakuierung Verwundeter nach Douékoué und Bangolo äußerst schwierig.

„Die Bevölkerung leidet schon wieder unter den Konsequenzen der Kämpfe” sagt Renzo Fricke, Koordinator des Nothilfeeinsatzes von Ärzte ohne Grenzen. „Vor kurzem kamen zum Beispiel drei Frauen mit Schussverletzungen zu uns. Es kommen aber auch viele Patienten, die unter anderen gesundheitlichen Problemen leiden. Das reicht von schwerer Malaria bis zu komplizierten Geburten. Diese Patienten müssen ebenfalls dringend behandelt werden – aber da sie sich nicht mehr frei bewegen können, ist ihr Leben oft in Gefahr.”

Ärzte ohne Grenzen ist eine unparteiische und unabhängige medizinische Hilfsorganisation. Der Einsatz in Côte d'Ivoire wird ausschließlich durch private Spenden finanziert, um die völlige Unabhängigkeit zu gewährleisten .

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