Zentralafrikanische Republik

Gewalt gegen Zivilisten in der Zentralafrikanischen Republik verschärft sich

Wien/Bangui, 7. Februar 2014 . Die Gewalt gegen Zivilisten in der Zentralafrikanischen Republik hat ein noch nie da gewesenes Ausmaß erreicht. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins sans Frontières (MSF) verurteilt die täglichen Übergriffe der beiden größten bewaffneten Gruppen - Anti-Balaka und  Ex-Séléka - aufs Schärfste. Allein in der Hauptstadt Bangui haben Teams der Organisation im Januar mehr als 1.650 Verwundete aus allen Bevölkerungsgruppen behandelt.

In den vergangenen Tagen wird vor allem die muslimische Minderheit zum Opfer von Übergriffen - auch wenn die Situation sehr komplex ist und alle Bevölkerungsgruppen unter der Gewalt leiden. In vielen Städten werden Muslime von Anti-Balaka-Milizen bedroht. Zehntausende sind bereits in den Tschad und nach Kamerun geflohen. „Die Bevölkerung lebt in ständiger Angst um ihr Leben. Die Menschen sind völlig auf sich allein gestellt“, sagt Martine Flokstra, Nothilfekoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen . „Im Nordwesten des Landes und in Bangui beobachten wir derzeit Vergeltungsangriffe gegen die muslimische Minderheit. Wir sind sehr besorgt um die muslimischen Gruppen, die in ihren Dörfern festsitzen und von Anti-Balaka-Gruppen umstellt sind. Und wir sind auch besorgt darüber, dass viele muslimische Familien aus Lebensgefahr gezwungen sind, ins Ausland zu fliehen.“ In der Hauptstadt Bangui gehen Kämpfe und Plünderungen unvermindert weiter. Allein im Gesundheitszentrum Castor wurden in der vergangenen Woche 91 Patienten mit Verletzungen durch Macheten oder mit Schusswunden eingeliefert. Im Vertriebenenlager am Flughafen, in dem 100.000 Christen Zuflucht gesucht haben, haben die Teams im Januar 265 Verwundete behandelt, allein 100 in der vergangenen Woche. Auch im Nordwesten des Landes haben Teams von Ärzte ohne Grenzen in mindestens acht Städten Verletzte behandelt. Kämpfe in den Städten Bouca, Bossangoa, Carnot, Berberati und Baoro haben die dortige muslimische Bevölkerung vertrieben. Am Mittwoch hat die 2.500 Menschen umfassende muslimische Gemeinde das Dorf Bozoum verlassen. In Bouar halten bewaffnete Gruppen mehr als 8.000 muslimische Bewohner von der Flucht ab. Die Menschen leben eingesperrt und können der Gewalt nicht entkommen. Rund 30.000 muslimische Flüchtlinge sind bislang in den Tschad geflohen, 10.000 nach Kamerun. In Bangui sind muslimische Familien am Flughafen in einem gesonderten Lager, in der großen Moschee und in abgelegenen Vertriebenenlagern untergekommen. Dort hoffen sie auf ein wenig Schutz und warten darauf, dass sie das Land verlassen können.   Die christliche Mehrheitsbevölkerung des Landes ist ebenfalls nach wie vor von dem Konflikt betroffen. Auch unzählige Christen sind vertrieben worden, und Tausende suchen derzeit Schutz in den religiösen Zentren der Städte oder am Flughafen von Bangui. Dort leben sie unter erbärmlichen Umständen, zu verängstigt, um in ihre Häuser zurückzukehren. „Die Auswirkungen der Gewalt auf die gesamte Bevölkerung haben schockierende Ausmaße angenommen”, sagt Flokstra. „Die willkürliche und scheinbar unaufhaltsame Gewalt hat in den vergangenen Wochen immer weiter zugenommen.” Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit 1997 in der Zentralafrikanischen Republik. Derzeit sind mehr als 1.800 lokale und 200 internationale Mitarbeiter im Land. Die Teams betreiben sieben reguläre Projekte in Batangafo, Boguila, Carnot, Kabo, Ndéle, Paoua und Zémio und sieben Projekte für akute Nothilfe in Bangui, Bouar, Bozoum, Bossangoa, Bouca, Bria und Berberati.

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