Griechenland

Griechenland: Alarmierender Anstieg von Flüchtlingen auf den Dodekanes-Inseln

Immer mehr Syrer, die vor Krieg und Gewalt fliehen, kommen über die Ägäis nach Europa. Dies führt zu einer beispiellosen Anzahl von Flüchtlingen, die auf den Dodekanes-Inseln landen, erklärt die internationale medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF). Ankommende Migranten, Asylwerber und Flüchtlinge leben in miserablen Unterkünften und haben nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsversorgung. Ein funktionierendes Aufnahmesystem ist dringend notwendig, um diese Menschen entsprechend aufzunehmen. 

Das Team von Ärzte ohne Grenzen, das die Flüchtlinge auf den griechischen Inseln versorgt, hat seit Mitte März einen Anstieg der ankommenden Flüchtlinge auf den Dodekanes-Inseln beobachtet. In den letzten Wochen kamen durchschnittlich ca. 100 Flüchtlinge pro Tag über die Inseln nach Griechenland – das ist dieselbe Anzahl wie vergangenen Sommer zu Spitzenzeiten. Im Jänner kamen über 450 Menschen an, und alleine am gestrigen Tag waren es 180. Die Mehrheit der Flüchtlinge sind Syrer, andere kommen aus Afghanistan und Sub-Sahara-Afrika. Die Schließung der EU-Außengrenzen lässt Flüchtlingen und Migranten keine andere Wahl als das Meer, um Asyl in Europa zu beantragen. 

Kein funktionierendes Aufnahmesystem

„Es gibt kein funktionierendes Aufnahmesystem. In Leros wurde ein Aufnahmezentrum errichtet, aber es wird nicht verwendet. Auf Kos drängten sich in der Polizeistation in der ersten Aprilwoche über 200 Menschen einschließlich schwangerer Frauen und Kinder. Sie hatten schrecklich wenig Platz zur Verfügung und fast keine Unterstützung“, erklärt Stathis Kyrousis, Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. Einige der Migranten mussten im Hof der Polizeistation übernachten, während sie warteten, bis die administrativen Schritte abgeschlossen waren. „Den Menschen sollten Unterkünfte, Toiletten und Nahrungsmittel sowie medizinische Betreuung zur Verfügung gestellt werden.“

Die Teams von Ärzte ohne Grenzen sind Mitte Februar auf die griechischen Inseln zurückgekehrt, um Flüchtlingen, Asylwerbern und Migranten medizinische Hilfe zu leisten, die in kleinen Booten die Ägäis überquert haben, und um Hilfsgüter an sie zu verteilen. Seit dem ersten Einsatz auf den Inseln vergangenes Jahr und trotz mehrerer Anfragen bei zuständigen Ministerien hat Ärzte ohne Grenzen keine Verbesserung  der Lage sondern eher einen Mangel an politischem Willen beobachtet.

Laut offiziellen Angaben stieg die Zahl der Neuankömmlinge auf den Inseln in der südlichen Ägäis im Jänner im Vergleich zum Vorjahr um 145 Prozent – von 186 auf 457. In ganz Griechenland stieg in diesem Jahr die Zahl von 1.070 in der letzten Februarwoche auf 2.212 in der letzten Märzwoche.

EU muss mit Griechenland Vorsorgeplan erarbeiten

Ärzte ohne Grenzen befürchtet eine deutliche Verschlechterung der Situation im Verlauf des Jahres, falls nicht Vorkehrungen für einen weiteren Anstieg der Flüchtlingszahlen getroffen werden. „Normalerweise kommen zwischen Juli und September die meisten Menschen an. Davon sind wir noch einige Monate entfernt“, erklärt Kyrousis. „Dass die Zahlen schon jetzt so hoch liegen, ist für uns ein deutliches Zeichen, dass in diesem Sommer viel mehr Menschen Hilfe brauchen werden. Die griechischen Behörden und die EU müssen dringend einen Vorsorgeplan erarbeiten.“

„Wegen der zunehmenden Instabilität in Libyen und den Visa-Beschränkungen für Syrer in Algerien und dem Libanon beobachten wir eine Veränderung der Migrationsbewegung. Aktuell sehen wir nicht mehr so viele Syrer in Italien ankommen”, sagt Manu Moncada, Koordinator bei Ärzte ohne Grenzen. „Syrer haben nicht viele Möglichkeiten, auf ihrer Suche nach Schutz nach Europa zu kommen.”

Auf Kos verschafft sich das Team von Ärzte ohne Grenzen aktuell einen Überblick über die Bedürftigsten der Ankommenden, wie Schwangere und Minderjährige, und leistet erste medizinische Hilfe. Von Mitte März bis Anfang April haben die Mitarbeiter rund 500 Behandlungen durchgeführt und 500 Sets mit Hilfsgütern wie Seife, Zahnbürsten und Handtücher, 1.100 Schlafsäcke und 300 Notfalldecken verteilt.

Ärzte ohne Grenzen reagiert seit 2008 auf dringende medizinische und humanitäre Bedürfnisse von Migranten und Asylsuchenden, die in Griechenland ankommen. In Zusammenarbeit mit zwei griechischen Organisationen bietet die Organisation in Athen außerdem medizinische Hilfe für Folteropfer.

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