Die aktuelle Situation in Griechenland

In der Nacht vom 8. auf den 9. September 2020 stand das Geflüchtetencamp Moria in Flammen und brannte bis auf die Grundmauern nieder: Verängstigte Kinder, schockierte Männer und Frauen waren auf der Suche nach einem sicheren Ort. Ein Jahr später leben viele von ihnen im neuen Lager in Kara Tepe. Doch geändert hat sich nichts für die Geflüchteten auf Lesbos. Auf den griechischen Inseln hat sich in den vergangenen fünf Jahren eine humanitäre Krise entwickelt, die verheerende Folgen für Geflüchtete und Migrant:innen hat. Während fast 10.000 Menschen in sogenannten “Hotspots” auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos auf ein faires Asylverfahren hoffen, werden sie behandelt wie Häftlinge. In den Hotspots erhalten sie kaum medizinische Hilfe. In Zeiten der Covid-19-Pandemie eine gefährliche Situation, denn die Lebenssituation in den Lagern macht die Menschen zur Hochrisikogruppe. Viele der Geflüchteten leiden an psychischen Erkrankungen wie posttraumatischen Belastungsstörungen und bedürften dringend einer Therapie. 

Wie wir in Griechenland helfen

  • Wir bieten Geflüchteten auf den griechischen Inseln Lesbos und Samos psychologische Hilfe.
  • Wir behandeln Kinder sowie Patient:innen mit chronischen Krankheiten und versorgen Opfer von Folter und sexualisierter Gewalt. 
  • Wir setzen uns für die Unterbringung aller Asylsuchenden von den griechischen Inseln in sichere Unterkünfte auf dem Festland oder in anderen europäischen Ländern ein. 
Zoom in Zoom out Afghanistan Angola Albania United Arab Emirates Argentina Armenia Australia Österreich Azerbaijan Burundi Belgium Benin Burkina Faso Bangladesh Bulgaria Bosnia and Herz. Belarus Belize Bolivia Brazil Brunei Bhutan Botswana Central African Republic Canada Switzerland Chile China Ivory Coast Cameroon Dem. Rep. Congo Congo Colombia Costa Rica Cuba Czech Rep. Germany Djibouti Denmark Dominican Rep. Algeria Ecuador Egypt Eritrea Estonia Ethiopia Finland Fiji Gabon United Kingdom Georgia Ghana Guinea Gambia Guinea-Bissau Eq. Guinea Greece Greenland Guatemala Guyana Honduras Croatia Haiti Hungary Indonesia India Ireland Iran Iraq Iceland Israel Italy Jamaica Jordan Japan Kazakhstan Kenya Kyrgyzstan Cambodia Korea Kuwait Lao PDR Lebanon Liberia Libya Sri Lanka Lesotho Lithuania Luxembourg Latvia Morocco Moldova Madagascar Mexico Macedonia Mali Myanmar Montenegro Mongolia Mozambique Mauritania Malawi Malaysia Namibia Niger Nigeria Nicaragua Netherlands Norway Nepal New Zealand Oman Pakistan Panama Peru Philippines Papua New Guinea Poland Dem. Rep. Korea Portugal Paraguay Palestine Qatar Romania Russia Rwanda W. Sahara Saudi Arabia Sudan South Sudan Senegal Sierra Leone El Salvador Serbia Suriname Slovakia Slovenia Sweden Eswatini Syria Chad Togo Thailand Tajikistan Turkmenistan Timor-Leste Tunisia Turkey Taiwan Tanzania Uganda Ukraine Uruguay United States Uzbekistan Venezuela Vietnam Vanuatu Yemen South Africa Zambia Zimbabwe Somalia French Guiana France Spain Aruba Anguilla Andorra Antigua and Barb. Bahamas Bermuda Barbados Comoros Cape Verde Cayman Is. Dominica Falkland Is. Faeroe Is. Grenada Hong Kong St. Kitts and Nevis Saint Lucia Liechtenstein Maldives Malta Montserrat Mauritius New Caledonia Nauru Pitcairn Is. Puerto Rico Fr. Polynesia Singapore Solomon Is. São Tomé and Principe Sint Maarten Seychelles Turks and Caicos Is. Tonga Trinidad and Tobago St. Vin. and Gren. British Virgin Is. U.S. Virgin Is. Cyprus Reunion Mayotte Martinique Guadeloupe Curaco Canary Islands

1991

Beginn der Arbeit

13,3

Mio. EUR

Ausgaben (Vorjahr)

291

Einsatz­kräfte

Länder-Vergleich

Ländervergleich Österreich & Griechenland

AT
GR
83.80
84.50

Lebens­erwartung Frauen

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
GR
79.40
79.50

Lebens­erwartung Männer

in Jahren

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
GR
3.00
3.30

Säuglings­sterblichkeit

je 1000 Geburten

Quelle: WHO, data.worldbank.org

AT
GR
5.20
5.48

Ärzt:innen

je 1000 Einwohner­:innen

Quelle: WHO, data.worldbank.org

Warum wir in Griechenland helfen

Samos - January 2021
Dora Vangi/MSF
Mohammed und Sharide leben mit ihren vier Kindern in einer provisorischen Behausung auf der Insel Samos – so wie rund 3.500 Menschen, die zusammengepfercht in einem Lager ausharren, das für 648 Menschen angelegt ist.

Griechenland und besonders die Inseln der Agäis wie Lesbos, Samos oder Chios sind seit der Umsetzung des EU-Türkei-Deals 2016 ein symbolträchtiger Ort für das Scheitern Europas. Zehntausende Menschen sitzen hier, teilweise seit Jahren, unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen fest und warten auf eine Entscheidung über ihren Asylantrag. Ihnen werden grundlegende Rechte und eine elementare Versorgung verwehrt. 

Fast alle Geflüchteten haben bei ihrer Ankunft im Land mehrere Monate oder Jahre der Flucht hinter sich. Sie fliehen vor Krieg, Gewalt und Armut. Einige Kinder haben noch nie eine Schule besucht, manche leben seit ihrer Geburt in Zelten. Sie hoffen, in Europa endlich Schutz zu finden. Doch auf den griechischen Inseln wiederholt sich ihre Geschichte: ständige Unsicherheit, prekäre Lebensbedingungen, Gewalt, Krankheiten. Medizinische Versorgung gibt es kaum. Schwangere müssen in unbeheizten Zelten oder gar unter freiem Himmel leben, ebenso wie Frauen und Neugeborene wenige Tage nach der Geburt. Die Gefahr sexualisierter Gewalt ist besonders für allein reisende Frauen und unbegleitete Minderjährige groß. Dank unabhängiger Spenden können wir auf einigen Inseln und in der Hauptstadt Athen ein Minimum an medizinischer und humanitärer Hilfe leisten. 

Unsere Hilfe in Griechenland 2020

  • 48.800 ambulante Beratungen  
  •  
  • 10.400 psychologische Einzelberatungen  
  •  
  • 100 Behandlungen von Folteropfern  
  •  
  • 460 Behandlungen infolge sexualisierter Gewalt  

Hilfe für Geflüchtete, wo Europa versagt

Pneumonia vaccination - Greek islands
MSF/Sophia Apostolia
Unser Arzt Stefanos Tsallas impft Geflüchtete auf den griechischen Inseln gegen Pneumokokken.

Seit Jahren leben auf den griechischen Inseln Männer, Frauen und Kinder unter widrigen Umständen. Auf der politischen Ebene fordern wir, dass sich die EU endlich ihrer Verantwortung stellt und umgehend die Menschen von den griechischen Inseln in andere EU-Staaten bringt.

Die Mitgliedsstaaten müssen ein Asylsystem etablieren, das wirklich funktioniert, und sie müssen aufhören, Geflüchtete unter unmenschlichen Bedingungen ausharren zu lassen. 

Wir, die wir entwürdigende und schreckliche Gewalt erlitten haben, haben es nicht verdient, so unmenschlich und demütigend behandelt zu werden. Jeder Mensch verdient es, mit Menschlichkeit behandelt zu werden, mit Respekt vor seiner Würde und Freiheit.

Stellungnahme der „Survivors”, einer Gruppe von Überlebenden von Folter. Alle Survivors-Mitglieder sind aktuell Patient:innen der Rehabilitationsklinik von Ärzte ohne Grenzen in Athen oder waren es.

Jetzt helfen!

Mehr dazu

Flucht nach Europa

EU failed containment model Report
Dora Vangi/MSF
Vor allem auf den griechischen Inseln, aber auch in Italien, leben seit Jahren Zehntausende Menschen in erbärmlichen Umständen. Die EU überlässt sie weitestgehend sich selbst.
Mehr lesen

Papstbesuch auf Lesbos: Ärzte ohne Grenzen fordert…

Ärzte Ohne Grenzen Österreich Logo
MSF
Rund 2.200 Geflüchtete leben immer noch im provisorisch errichteten Lager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos. Dieses Wochenende wird Papst Franziskus auf der Insel erwartet.
Mehr lesen

UNSERE Leidenschaft bleibt

SAR Aquarius February 2017
Marco Panzetti/SOS MEDITERRANEE
Sebastian Kurz zieht sich zurück. Was sich nach der Ära Kurz in Österreich ändern muss.
Mehr lesen

"Schweigen kann töten, drüber reden kann Leben…

Julia Kaufmann
2021 war Julia Falkner in Griechenland, um Menschen in Geflüchtetenlagern medizinisch zu versorgen. Hier erzählt sich von ihren Eindrücken.
Mehr lesen

Moria brennt noch

MSF response to Moria Fire
Enri CANAJ/Magnum
Vor einem Jahr brannte das Geflüchtetenlager Moria in Griechenland ab. Wir haben uns angesehen, ob sich die Situation für die Menschen in den Lagern verbessert hat.
Mehr lesen

Leben, wie im Gefängnis - 3 Geflüchtete erzählen

EU failed containment model Report
Evgenia Chorou/MSF
Leben zwischen Ratten und Schlangen, hinter hohen Stacheldrahtzäunen und in ständiger Angst. So etwas gibt es in Europa nicht. Oder doch?
Mehr lesen

Neuer Bericht zeigt Ausmaß politisch verursachten…

Geschlossenes Lager auf Samos c) Dora Vangi_MSF
Dora Vangi_MSF
Ärzte ohne Grenzen ruft die EU auf, ihre Abschottungs- und Abschreckenspolitik zu beenden, die die Gesundheit von Geflüchteten in den Flüchtlingslagern bedroht.
Mehr lesen

"No More Morias"? Ein Realitätscheck

Zeichnung vom Brand in Moria
MSF
Nach dem Brand in Moria am 09.09.2020 haben PolitikerInnen viel versprochen. Was hat sich tatsächlich verändert?
Mehr lesen

Griechische Lager: Immer mehr Kinder mit…

Mental Health in Moria, Lesbos
Enri CANAJ/Magnum Photos for MSF
Während die dringende Evakuierung der Menschen weiterhin verhindert wird, behandeln die Teams von Ärzte ohne Grenzen die Folgen der zunehmenden psychischen Belastung der Betroffenen.
Mehr lesen

Lager auf den griechischen Inseln müssen dringend…

MSF response to Moria Fire
Enri CANAJ/Magnum
Leben zwischen Ratten und Schlamm. Die Situation in den Geflüchtetenlagern auf den griechischen Inseln ist nach wie vor katastrophal. Die Menschen müssen dringend evakuiert werden.
Mehr lesen